Obwohl Mitte Mai das Lieferkettengesetz kurz vor der abschließenden Beratung im Bundestag von der Tagesordnung genommen wurde, war sich die Politik einig: das Regelwerk soll kommen. Am 11. Juni war es dann soweit: Der Bundestag verabschiedete das „Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten“. Damit tritt es 2023 in Kraft.  

Unternehmen werden künftig bei einer Verletzung der Sorgfaltspflicht weltweit für Verstöße bei ihren unmittelbaren Zulieferern hinsichtlich der Missachtung von Menschenrechten und Schädigung der Umwelt vor deutschen Gerichten zur Rechenschaft gezogen. Neben hohen Bußgeldern und Entschädigungszahlungen droht ihnen auch ein Reputationsschaden, der einen Umsatzrückrang durch Kundenverlust zwingend erwarten lassen muss.

Die ersten Auswirkungen sind in der Praxis bereits sichtbar. Nach einem vom Bundestag beauftragten Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes scheint für bereits sieben deutsche börsennotierte Wirtschaftskonzerne ein Abbruch von Geschäftsbeziehungen zu chinesischen Zulieferern unausweichlich. Hintergrund sind offenkundige schwere Menschenrechtsverletzungen an den Uiguren in der Region Xinjiang im Nordwesten Chinas. Aus dieser Region würden die Unternehmen zum Teil direkt Produkte aus Fabriken erhalten oder mit Zulieferern kooperieren, die Zwangsarbeiter einsetzen. Fabrikgebäude, die von deutschen Wirtschaftsunternehmen genutzt werden, befänden sich demnach in der unmittelbaren räumlichen Nähe der chinesischen Internierungs- und Umerziehungslager.

Besonders abhängig von importierten Vorleistungen und damit die Hauptbetroffenen des Lieferkettengesetzes sind nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Textilindustrie (63%), Elektronik (45%), chemische und pharmazeutische Industrie (39 %), Lebensmittelindustrie (37%), Automobilindustrie (29%) und der Maschinenbau (28%).

ESG-Kriterien sind wichtig

Das Lieferkettengesetz steht im Kontext der Corporate Social Responsibility (CSR). Im Rahmen der Einhaltung konkreter Anforderungen an das eigene Unternehmen und seine Lieferanten werden vielfach sogenannte ESG-Kriterien verwendet, die auch hinsichtlich des Lieferkettengesetzes anwendbar sind. ESG steht für „Environment“, „Social“ und „Governance“ (Umwelt, Soziales/Gesellschaft und Unternehmensführung/-struktur).

Die wichtigste Voraussetzung, um Schadenfälle abzuwenden, ist ein angemessenes Risikomanagement, das dazu beiträgt, die Transparenz in den Lieferketten zu erhöhen. Dies ist entscheidend, da die schwerwiegendsten Missstände oftmals nicht bei den direkten Lieferanten auftreten, sondern in weiter vorgelagerten Stufen, zum Beispiel bei der Gewinnung von Primärrohstoffen. Unternehmen sollten sich jetzt entsprechend vorbereiten und ihr Risikomanagement auf ESG-Risiken und die Überprüfung von Menschenrechts- und Umweltstandards erweitern.

Praxishinweis

Warth & Klein Grant Thornton unterstützt Mandanten umfassend bei der Anpassung ihrer Managementsysteme im Kontext mit dem neuen Lieferkettengesetz. Darüber hinaus begleiten wir bei allen Fragen und Projekten rund um das neue Lieferantenmanagement.