Liquidität

Finanzierungshilfen für Unternehmen

Markus Paffenholz Markus Paffenholz

Aktuell: Am 13. März 2020 haben das Bundesministerium für Finanzen (BMF) und das Bundesministerium für Wirtschaft (BMWi) ein umfassendes Paket zur Stützung der deutschen Wirtschaft in der Corona-Krise angekündigt, das inzwischen (Stand 22. März 2020) weiter konkretisiert wurde. Dabei handelt es sich um einen Maßnahmen-Mix, bestehend insbesondere aus:

  • Flexibilisierung des Kurzarbeitergeldes;
  • steuerliche Stundungen / Liquiditätshilfen und
  • Finanzierungshilfen

Wichtige Schritte auf dem Weg zu kurzfristigen Liquiditätshilfen in der Corona-Krise haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Welche Inhalte sind bislang zum Thema Finanzierungshilfen bekannt? Es

  • läuft nahezu analog zur Finanzkrise 2007/2008: die Umsetzung der Hilfen erfolgt über die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW);
  • finden - mit substanziellen Erleichterungen - die bestehenden Kreditprogramme der KfW Anwendung, unter anderem: „KfW Unternehmerkredit“, „ERP-Gründerkredit“ und "KfW-Sonderprogramm Konsortialfinanzierungen";
  • werden die Umsatzgrenzen von KfW-Programmen deutlich ausgeweitet: von 500 Millionen auf 2 Milliarden Euro (KfW-Unternehmerkredit, ERP-Gründerkredit);
  • werden größenklassenabhängige Haftungsfreistellungen von 80% oder 90% (KfW-Unternehmerkredit, ERP-Gründerkredit) gegenüber der beantragenden Hausbank gewährt. Das heißt, dass das Risiko für die beantragende Hausbank auf 10% bzw. 20% der Kreditsumme begrenzt werden kann, in dieser Höhe aber auch von ihr zu tragen ist; für Kreditvolumen bis 3,0 Millionen Euro verzichtet die KFW auf eine eigene Risikoprüfung und übernimmt die Einschätzung der beantragenden Hausbank. Für Kreditbeträge zwischen 3,0 und 10,0 Millionen Euro gilt das sogenannte "Fast Track Verfahren", das unter bestimmten Bedingungen eine beschleunigte Risikoprüfung zulässt;
  • wird eine Übergangslösung geben, damit die Hausbanken ab sofort Kredite gemäß den oben genannten Kriterien bearbeiten und vergeben und diese nachträglich über die KfW refinanzieren können;
  • gilt die spezielle Definition des „Gruppenumsatzes“ und auch die bisherigen Ausschlusskriterien. Achtung (!): Dazu zählen insbesondere  Sanierungen, Restrukturierungen, Prolongationen, Umfinanzierungen / Kernformulierung: "(...) antragsberechtigt sind Unternehmen nur dann, wenn sie bis zum 31. Dezember 2019 nicht Schwierigkeiten waren);
  • es sollte bei Beantragung ein „isolierter Corona-Effekt“ erkennbar bzw. darstellbar sein;
  • sind parallel diverse in Teilen ergänzende Unterstützungsmöglichkeiten in den jeweiligen Bundesländern (insbesondere über Bürgschaften des Landes oder der Bürgschaftsbanken) aufgelegt worden.

Die Ankündigung von BMF und BMWi und die aktuellen Konkretisierungen sind positiv zu werten, einige offene Punkte bleiben aber bestehen (unter anderem Antragsberechtigung von PE-Portfoliogesellschaften, grenzüberschreitende Lösungsnotwendigkeiten, Definition einzelner Bedingungen).

Wir erwarten, dass

  • die Geschwindigkeit der Bearbeitung und Antragstellung maßgeblich von den Hausbanken abhängig sein wird, also ob sie bereit sind, ins Risiko zu gehen und die notwendigen „Eigenanteile“ zu übernehmen
  • es voraussichtlich keine (!) direkte Beantragungsmöglichkeit der Unternehmen bei der KfW oder den regionalen Förderinstituten geben wird – auch wenn dies wünschenswert wäre
  • es voraussichtlich keine (!) 100 % Haftungsübernahme seitens der KfW oder den regionalen Förderinstituten geben wird – auch wenn dies wünschenswert wäre

Jetzt handeln: Wir empfehlen Unternehmen, folgenden Quick-Check durchzuführen:

  • Analyse der eigenen Liquiditätsposition, inklusive Simulation des erwarteten durch neue Maßnahmen zu deckenden Liquiditätsbedarfes sowie Überprüfung der eigenen Situation zum 31. Dezember 2019 (= Tragfähigkeit des Geschäftsmodells vor und nach der Corona-Krise)
  • Analyse der bestehenden Kredit-/ Finanzierungsverträge hinsichtlich drohenden oder ggf. in 2019 eingetretenen Kündigungsgründen, insbesondere Bruch von Financial Covenants
  • Update/Vorbereitung von üblichen Unterlagen- / Zahlenpaketen für Banken (unter anderem Jahresabschlüsse, Planung)
  • Frühzeitige Kontaktaufnahme zu mindestens zwei Haus-/ Kernbanken, um die Bereitschaft für eine Kreditaufnahme /-erhöhung auszuloten; dies betrifft insbesondere auch die Frage der Übernahme des Eigenanteils an den staatlichen Stützungsmaßnahmen
  • Prüfung einer Nutzung bislang ungenutzter Kreditmittel und „Parken“ der Liquidität bei anderen Banken

Insolvenzantragspflicht soll ausgesetzt werden

Am 16. März 2020 hat das BMJV außerdem die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht zunächst bis zum 30. September 2020 angekündigt. Voraussetzung soll sein, „dass der Insolvenzgrund auf den Auswirkungen der Corona-Epidemie beruht und dass aufgrund einer Beantragung öffentlicher Hilfen bzw. ernsthafter Finanzierungs- oder Sanierungsverhandlungen eines Antragspflichtigen begründete Aussichten auf Sanierung bestehen“. Auch wenn, wie angekündigt, noch in dieser Woche eine diesbezügliche gesetzliche Regelung geschaffen wird und sich damit der Zeitraum für die Stellung eines Insolvenzantrags verlängert, werden unseres Erachtens die Pflichten der Geschäftsführung - solange ein Insolvenzantragsgrund vorliegt - nicht eingeschränkt bzw. erleichtert. Unternehmen haben somit weiterhin das Vorliegen möglicher Insolvenzeröffnungsgründe zu jedem Zeitpunkt zu prüfen und auch die bestehenden besonderen Voraussetzungen einer Nicht-Antragspflicht fortlaufend zu dokumentieren.

Gern unterstützen wir Sie bei allen notwendigen Schritten, vom Aufbau oder der Überprüfung Ihrer Liquiditäts- und Planungsrechnungen, über die Zusammenstellung bzw. bankmäßige Aufbereitung der erforderlichen Unterlagen sowie die Begleitung der Gespräche / Verhandlungen mit Ihren Banken bis zum Abschluss eines neuen oder geänderten Kreditvertrages. Wir sind bereit, uns für Sie mit unserer Expertise in diesem schwierigen und herausfordernden Umfeld mit großem Engagement einzusetzen. Gern sehen wir Ihrer Kontaktaufnahme entgegen.

Ihre Ansprechpartner:

Markus Paffenholz
Partner
T: +49 211 9524 8263
E: Markus.Paffenholz@wkgt.com

Stefan Lengermann
Senior Manager
T: +49 211 9524 8483
E: Stefan.Lengermann@wkgt.com

Jan-Philipp Bülow
Senior Manager
T: +49 40 43218 6239
E: Janphilipp.Buelow@wkgt.com

Dr. Gunter Franzke
Partner
T +49 30 890 482 455
E gunter.franzke@wkgt.com

Thomas Leschke
Senior Manager
T +49 30 890 482 451
E thomas.leschke@wkgt.com

 

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