Fallstudie Maschinen- und Anlagenbau

Betrug bei Maschinenbauer im Ausland

Christian Knake Christian Knake

„Wir sind Mittelstand. Wir kennen uns alle seit Jahren. Kontrollen schaden da nur. Wir leben eine Vertrauenskultur. Und außerdem: Die Zahlen haben ja immer gestimmt.“ – So die Aussagen der betroffenen Verantwortlichen in Unternehmen, die Betrugsfälle zu verzeichnen hatten. Häufig geschieht dies immer noch in Risikoländern mit anderer Kultur, Sprache und einfach einem anderen Geschäftsverständnis – so simpel das auch klingen mag.

Wir beleuchten ein aktuelles Projekt:

Bei dem Unternehmen handelt es sich um ein mittelständisches Maschinenbau-Unternehmen mit Produktionsstandorten in Deutschland und China und einem weltweiten Netz von Vertriebs- und Sales-Offices. Nach Markteintritt in Indien war die Umsatz- und Margenentwicklung zunächst plausibel und sogar erfolgreich. Es gab also keinen Grund, Aktivitäten und Geschäftspraktiken vor Ort in Frage zu stellen, zumal im Unternehmen die besagte Vertrauenskultur herrschte. Der Hinweis eines ehemaligen Mitarbeiters warf dann erhebliche Zweifel an den Geschäftspraktiken des lokalen Geschäftsführers auf. Eine Untersuchung der Vorfälle förderte zahlreiche Vergehen zutage.

Um sich selbst zu bereichern, zahlte der Geschäftsführer seinen Mitarbeitern geringere Gehälter aus als an die Muttergesellschaft gemeldet wurden. Zudem meldete er Personalausgaben für Mitarbeiter, die überhaupt nicht für das Unternehmen tätig waren. Einige Unregelmäßigkeiten betrafen auch Geschäfte mit Verwandten. Es wurden Geschäftsräume von Verwandten angemietet und auf Kosten der Muttergesellschaft für diese renoviert, wiederum entsprachen die tatsächlichen Konditionen und Beträge nicht denen, die an die Mutter in Deutschland gemeldet wurden. Im Verkauf wurden Rabatte an Unternehmen von Verwandten gewährt, die dann wiederum an die eigentlichen Kunden der Gesellschaft verkauften. Auf diese Weise wurde die Marge systematisch abgeschöpft. Angesichts dieses Ausmaßes erschien die Verwendung von Guthabenkarten, die eigentlich für die Reisekostenerstattung der Vertriebsmitarbeiter gedacht waren, zur Deckung privater Ausgaben als Nebenschauplatz.

Unser Mandant benötigte schnelle Unterstützung:

  1. Zum einen bei der Aufklärung der Vorwürfe: Denn die Geschäftsführung ist beim Auftreten etwaiger Vorwürfe zu lückenloser Aufklärung verpflichtet. Hier bietet sich der Einsatz externer, unabhängiger und erfahrener Experten an.
  2. Zum anderen bei der Fortführung des Unternehmens vor Ort: Es muss zügig ein Interim-Management eingesetzt werden und die alte Geschäftsführung muss rechtskonform und schnell entfernt werden, um weiteren Schaden von der Gesellschaft abzuwenden.

Durch unsere Expertise und die Ressourcen unser globalen Netzwerks konnten wir unserem Mandant innerhalb kürzester Zeit helfen, einen Notfallplan aufzustellen und umzusetzen. Im Zusammenspiel mit unseren Kollegen in Indien, einem durch uns organisierten Rechtsbeistand und unseren erfahrenen Forensikern in Deutschland konnte der Sachverhalt schnell aufgeklärt werden, ohne den Fortbestand des Geschäfts in Indien zu gefährden.

Die Schadenssumme konnten wir besonders schnell ermitteln, indem wir einen pragmatischen Ansatz wählten. Durch eine Mischung aus forensischen Interviews und detaillierten Analysen der Buchhaltung konnten wir neben den zunächst gemeldeten Unregelmäßigkeiten noch weitere Vergehen aufdecken.

Ein effektives Krisenmanagement ist bei Verdachtsfällen von Wirtschaftskriminalität unerlässlich, wir unterstützen unsere Mandanten rund um den Globus dabei, ihren Aufklärungspflichten in geeigneter Weise nachzukommen ohne durch übereilten Aktionismus die Beweislage zu gefährden.

Sprechen Sie uns gerne an!