Pensionsrückstellungen

Bundesregierung beschließt Korrektur des Rechnungszinses

Hermann-Josef Schulze Osthoff Hermann-Josef Schulze Osthoff

Die andauernde Niedrigzinsphase stellt Unternehmen vor große Herausforderungen. Ein häufig diskutiertes Problem ist dabei die zunehmende Ergebnisbelastung durch Pensionsrückstellungen. Hier zeichnet sich eine überraschende Änderung der Vorschriften zur Bewertung von Pensionsrückstellungen mit einem Wahlrecht für Abschlüsse zum 31. Dezember 2015 ab!

Die Bundesregierung hat am 27. Januar 2016 im Zuge der Änderung des Regierungsentwurfs zur Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie vorgeschlagen, in § 253 Handelsgesetzbuch bei der Durchschnittsbetrachtung zur Ermittlung des Zinssatzes für die Bewertung von Pensionsrückstellungen nicht mehr auf die vergangenen sieben, sondern auf die vergangenen zehn Geschäftsjahre abzustellen. Das bedeutet: Unternehmen, die ihren Beschäftigten eine betriebliche Altersversorgung anbieten, erhalten künftig etwas mehr Zeit, um Mehrbelastungen durch die Niedrigzinsen in ihrer Bilanz abzubilden.

Die Regelung soll für Geschäftsjahre gelten, die nach dem 31. Dezember 2015 enden. Sie darf aber auch schon angewendet werden für Geschäftsjahre zum 31.Dezember 2015, eine rückwirkende Anwendung ist also wahlweise möglich.

Der für die Berechnung maßgebliche Zinssatz zum 31. Dezember 2015 liegt bei einer siebenjährigen Durchschnittsbetrachtung bei rund 3,9 Prozent. Es wird erwartet, dass die Bundesbank die Zinssätze, die sich bei der Berechnung mit einem zehnjährigen Betrachtungszeitraum ergeben, in Kürze veröffentlicht.

Für die Unternehmen können sich dadurch in Einzelfällen deutliche Entlastungen ergeben, da die Rückstellungen stark durch das niedrige Zinsumfeld in die Höhe getrieben wurden. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Unternehmen verpflichtet werden, laufend den Unterschiedsbetrag, der sich zwischen der sieben- und zehnjährigen Durchschnittsbetrachtung ergibt, zu ermitteln. Dieser Differenzbetrag steht nicht für Ausschüttungen zur Verfügung und ist im Anhang anzugeben.

Praxishinweis

Die geplante Regelung soll voraussichtlich noch im Februar endgültig vom Deutschen Bundestag verabschiedet werden. Bilanzierende Unternehmen sollten jetzt prüfen, ob es Sinn macht, die Abschlüsse bis dahin offen zu halten, um das angedachte Wahlrecht zur vorzeitigen Anwendung der Neuregelung zu nutzen.