Indien will Umsatzsteuer einführen

Jetzt auf die Goods and Service Tax vorbereiten

Ulrike Slotty-Harms Ulrike Slotty-Harms

Diese Steuer passt auf keinen Bierdeckel: Alle 29 indischen Bundesstaaten haben eine eigene Mehrwertsteuer. Dieser bunte Flickenteppich unterschiedlicher Besteuerungsregeln stellt indische wie ausländische Unternehmen vor komplexe Herausforderungen. Hinzu kommt: Auf Bundesebene fallen diverse Steuern und Abgaben an, was den Handel auf dem Subkontinent noch stärker verkompliziert. Eine umfassende Reform soll nun den Markt vereinheitlichen und die Wirtschaft in Indien ankurbeln.

Im August 2016 hat das Oberhaus des indischen Parlaments der Verfassungsreform zur Einführung der Goods and Services Tax (GST), einer indienweit einheitlichen Waren- und Dienstleistungssteuer, einstimmig zugestimmt. Ziel der Reform ist die Vereinheitlichung der indirekten Besteuerung in Indien sowie die Errichtung eines Gesamtindien erfassenden gemeinsamen Marktes mit freiem Waren- und Dienstleistungsverkehr. Die GST-Reform wird mindestens 17 verschiedene Steuern der Zentralregierung und der Bundesstaaten ersetzen, ferner wird die Steuer auf die Wertschöpfung (Central Value Added Tax) abgeschafft, beides dürfte zu einer Reduzierung des bisherigen Kaskadeneffektes in der Herstellung von Gütern und letztlich zu niedrigeren Preisen für die Konsumenten führen.

Die konkrete Ausgestaltung der GST in ihrer finalen Form ist derzeit noch nicht bekannt. So müssen beispielsweise die Steuersätze noch im Einzelnen festgelegt werden. Grundsätzlich soll die GST dreigliedrig aufgebaut werden. So wird voraussichtlich der Standardsatz auf Waren und Dienstleistungen 17 bis 18% betragen, bei Waren wie Grundnahrungsmitteln ist ein ermäßigter Satz in Höhe von 12 bis 14% geplant, Luxusartikel sollen dagegen mit einem Satz von 40% belegt werden.

Praxishinweis

Nach unserer Einschätzung ist die geplante Einführung der GST zum 1. April 2017 unwahrscheinlich, wir rechnen mit einem Inkrafttreten im kommenden Sommer. Deutsche Unternehmen mit geschäftlichen Beziehungen nach Indien sollten schon jetzt damit beginnen, sich auf das neue Besteuerungsregime vorzubereiten und die eigene Situation im Hinblick auf die GST zu überprüfen. Hierzu sollten unter anderem die folgenden Aspekte beachtet werden:

  • Prüfung, welche Produkte, die in Indien verkauft werden oder verkauft werden sollen, unter die GSt fallen.
  • Neubewertung der Preisfindung für Produkte sowie Anpassung der Verträge mit Kunden- und Lieferanten.
  • Anpassung der bestehenden IT-Infrastruktur wie etwa Buchführungssysteme.
  • Schulung der Mitarbeiter.

Gerne unterstützen wir Sie bei der Vorbereitung auf die GST. Über unser Netzwerk Grant Thornton International sind wir in der Lage, Sie bei Ihren Aktivitäten in Indien mit umfassenden Services zu begleiten. Sprechen Sie uns an - wir finden für Ihre Fragestellungen den richtigen Experten vor Ort.