Hype oder Revolution?

Schlüsselfaktoren für Investitionen und Transaktionen im 3D-Druck

Hanno Hepke Hanno Hepke

Am Thema 3D-Druck scheint niemand mehr vorbeizukommen. Das führende Marktforschungsinstitut Gartner[1] prognostiziert, dass im Jahr 2021

  • 75% aller Flugzeuge mit 3D-Druck Komponenten ausgestattet sein werden,
  • 25% der Chirurgen weltweit an 3D-Druck Modellen ihrer Patienten Eingriffe üben werden, bevor diese im OP-Saal umgesetzt werden,
  • 20% der Konsumgüterunternehmen mit 3D-Druck Produkte individualisieren und personalisieren werden,
  • 40% aller Produktionsfirmen spezialisierte 3D-Druckabteilungen haben werden und
  • 20% der Unternehmen 3D-Innovationsabteilungen und eigene Startups mit der Entwicklung neuer Produkte beauftragen werden.

Insgesamt wird für den globalen 3D-Druckmarkt für 2022 ein Marktvolumen von über USD 30 Milliarden prognostiziert. Dies entspricht einem jährlichen Wachstum von fast 30% ab 2016.

Dabei stecken die Technologie und ihre Anwendungsbereiche noch in den Kinderschuhen. Heute ist 3D-Druck vorrangig in der Produktentwicklung, der Erstellung von Prototypen sowie der Flexibilisierung und kundengetriebenen Individualisierung von Produkten im Einsatz. Gleichzeitig deutet sich aber bereits an, welchen Einfluss die Technologie auf die Gesamte Liefer-,  Produktions- und Dienstleitungs-Wertschöpfungskette haben kann: Materialkombinationen, die in der klassischen Herstellung nicht möglich waren, die Verringerung des Lagerbedarfs durch Herstellung „Just-in-Time“, die Reduktion der logistischen Bedürfnisse durch Herstellung am Ort der Verarbeitung und der Produktionslosgrößen auf ein minimalen Idealbedarf, Verminderung von Produktionsabfall, usw.

Insbesondere dem deutschen Mittelstand bietet der 3D-Druck Chancen. Die Herstellung kostengünstiger Prototypen in hochwertigen Anwendungsbereichen und die Produktion kleiner Mengen  hochspezialisierter Produkte mit neuen Materialkombinationen kommt der Struktur der deutschen Wirtschaft zugute. Die noch hohen Anschaffungskosten werden einerseits durch den weiteren Preisverfall und andererseits durch 3D-Druck-As-a-Service Modelle relativiert werden.

3D-Druck treibt strukturelle Veränderungen

Durch die skizzierten Einflüsse auf die gesamte Wertschöpfungskette hat der 3D-Druck das Potenzial, wesentliche strukturelle und organisatorische Veränderungen in Unternehmen zu treiben: Produktionsunternehmen können zum Beispiel ihre Lieferketten verkürzen und direkt am Standort der Weiterverarbeitung herstellen. Dadurch verändern sich nicht nur die eingekauften Rohmaterialien, sondern auch die geografische Aufstellung des Unternehmens. Möglicherweise reduziert der Hersteller seine direkte Wertschöpfung auf die Zulieferung der Produktionsdaten an einen vor Ort sitzenden 3D-Druck Dienstleister, der die Produktion übernimmt.

Allein dieses Beispiel verdeutlicht die möglichen Ausmaße der strukturellen Veränderungen, welche der 3D-Druck bewirkenkann: von der Dezentralisierung und möglichen Internationalisierung der Organisation über die Veränderung der steuerlich relevanten Jurisdiktionen und die Gestaltungsspielräume bei Verrechnungspreisen, bis hin zu einer vollständigen Wandlung des Geschäftsmodells vom Hersteller zum Datenlieferanten sind viele Szenarien denkbar.

Investitions- und Transaktionsaktivität im 3D-Druck

Auch die Investitions- und Transaktionsaktivität im 3D-Druckmarkt zeigt, welche Bedeutung den neuen Technologien zugewiesen wird.

Während im Zeitraum 2011 bis 2014 die großen US-Marktteilnehmer im 3D-Druck, Stratesys und 3 Systems mit zusammen 41 Transaktionen, neben den Finanzinvestoren, die wesentlichen Treiber des Marktes waren, hat deren Aktivität seitdem, mit 10 Akquisitionen seit 2015, im Vergleich stark abgenommen. Seither treten auch branchenfremde Unternehmen verstärkt als Investoren und Käufer im 3D-Druckmarkt auf. Dabei spielen laut CB Insights strategische Investoren eine immer gewichtigere Rolle. In 2016 und 2017 haben diese 13 von insgesamt 17 Akquisitionen im 3D-Drucksegment getätigt. Der Anteil strategischer Investoren ist somit inzwischen auf fast drei Viertel der gesamten Investitionen pro Jahr im 3D-Drucksegment angestiegen.

General Electric und HP haben den 3D-Druck durch große Transaktionen für sich erschlossen. Nach einer fehlgeschlagenen Akquisition von SLM Solutions hat General Electric  2016 sowohl Arcam als auch die Concept Laser GmbH erworben. Das strategische Ziel hinter diesen Akquisitionen ist es, der führende Zulieferer für Produktionsmaschinen, Materialien und Software für den 3D-Druck zu werden. Dafür soll auch das Portfolio an additivem Produktionszubehör und Produkten erweitert werden.

HP hat David Vision Systems erworben, um  Kunden ein End-to-End 3D-Ökosystem zu bieten.

In Deutschland hat der Venture Arm von BMW i, welcher Finanzmittel zur Förderung des 3D-Drucks von Metallen zur Verfügung stellt, als Teil einer Investmentgruppe in Desktop Metal investiert. Des Weiteren plant BMW mehr als 10 Millionen Euro in einen neuen Campus zur Erforschung von 3D-Druck-Produktionstechniken zu investieren um so neue Technologien frühzeitig zu testen. Zudem hat BMW bereits Teile des i8 Roadsters mit Hilfe dieser Methode produziert. Robert Bosch als weitere Größe in der Automobilindustrie verfolgt das strategische Ziel, Lösungen für eine vernetzte Welt zu liefern und hat in Ultimaker 3 Extended Drucker, mit der Hoffnung die Time-to-Market für Produkte zu reduzieren, investiert.

Andere deutsche Unternehmen wie Henkel oder Siemens entwickeln ihre eignen 3D-Druck Lösungen, um die Adaption von Additiver Produktion / industriellem 3D-Druck zu stimulieren.

Auch im Segment junger 3D-Druck Unternehmen und Startups sind weiterhin zunehmendes Interesse und eine steigende Investitionsaktivität zu beobachten.

In Deutschland hat das 3D Druck Startup BigRep, welches Lösungen für den 3D-Druck und die industriell skalierte 3D-Druckproduktion bietet, seit 2013 USD 24,7 Millionen von Kloeckner, Körber und BASF erhalten. 3YOURMIND, ein Anbieter von Software-Lösungen für die Additive Fertigung, flossen Ende 2017 insgesamt EUR 10 Millionen Wachstumskapital zu. Andere deutsche Start-Ups sind RepRap, Trinckle. TinkerToys, Dyemansion und Vectoflow. Jedes dieser Unternehmen ist auf einen spezifischen Teilmarktinnerhalb des 3D-Drucks fokussiert.

Zwischen Förderung und Regulierung

Der 3D-Druck als hochgradig disruptive Technologie wird den globalen Wettbewerb verändern. Daher haben weltweit Regierungen Investitionsförderprogramme für Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich des 3D-Drucks aufgelegt. Die niederländische Regierung hat zusätzliche 150 Millionen US-Dollar? in Forschungsprojekte zum 3D-Druck investiert. Das Vereinte Königreich will den Anteil am globalen 3D-Druck-Markt von 5% auf 8% erhöhen und hat dafür zwischen 2012 und 2017 200 Millionen britische Pfund in den 3D-Druck investiert. Der französische Haushalt sieht eine finanzielle Förderung von KMU vor, die in die additive Fertigung oder 3D-Drucker investieren.

Gleichwohl besteht für Regierungen die große Gefahr darin, dass die Industrie dazu übergeht, digitale Designs an „3D-Druck-Farmen“ zu schicken um auf diesem Weg Umsatzsteuer, Zölle und die Zollbehörde zu umgehen. Gleichzeitig ist in den Bereichen Produkthaftung, Urheberrecht und gewerblicher Rechtsschutz, Umwelt und Emissionen, sowie im internationalen Handelsrecht  aufgrund der zunehmenden Einflüsse des und Erfahrungen mit dem 3D-Druck mit Anpassungen zu rechnen.