Governance

Das Risikomanagement im Maschinenbau

Dr. Frank Hülsberg Dr. Frank Hülsberg

Der Begriff „Governance“ und insbesondere Fragen zu deren angemessener Ausgestaltung werden seit vielen Jahren  kontrovers diskutiert. Die Prüfungsstandards IDW PS 980 – 982 des Instituts der Wirtschaftsprüfer, in denen die Themenkomplexe Risikomanagementsystem, internes Kontrollsystem und internes Revisionssystem behandelt werden, haben maßgeblich zur Meinungsbildung hinsichtlich der relevanten Bestandteile eines verlässlichen Governance Systems beigetragen.  Sie bilden damit eine wertvolle Hilfe für den Vorstand oder die Geschäftsführung bei der Ausgestaltung und Einrichtung entsprechender Maßnahmen. Gleichzeit dienen die Standards aber auch dem Aufsichtsorgan als Hilfestellung bei der Beurteilung der Angemessenheit der Ausgestaltung und Wirksamkeit, die zu den Kernaufgaben seiner Aufsichtspflichten zählen.

Eine gefährliche Erwartungslücke besteht hinsichtlich der Verwertbarkeit der Ergebnisse einer Jahresabschlussprüfung für die Beurteilung des Governance Systems. Grundsätzlich sind die genannten Themen, namentlich das interne Kontrollsystem (IKS), auch Bestandteil einer Jahresabschlussprüfung. Da sich Zielsetzung und Umfang der Prüfungen jedoch unterscheiden, bedeutet das Fehlen negativer Prüfungsfeststellungen nicht notwendigerweise, dass das Governance-System angemessen  und wirksam ist. So geht beispielsweise  eine Prüfung nach IDW PS 982 deutlich über die Prüfung des IKS durch den Abschlussprüfer im Rahmen seiner Abschlussprüfung (IDW PS 261 neuer Fassung.) hinaus: Die Prüfung des IKS im Rahmen der Abschlussprüfung erfolgt insoweit, als sie für die Jahresabschlussprüfung erforderlich ist, ein gesondertes Prüfungsurteil zum IKS gibt der Abschlussprüfer in diesem Zusammenhang nicht ab. Ziel der IKS-Prüfung nach IDW PS 982 ist es hingegen, ein eigenständiges Prüfungsurteil darüber abzugeben, ob – in Übereinstimmung mit den angewandten IKS-Grundsätzen – die IKS-Beschreibung in allen wesentlichen Belangen angemessen dargestellt ist  und ob dieseRegelungen geeignet und implementiert bzw. geeignet und wirksam sind.

Wie das Aufsichtsorgan in diesem Umfeld seine Verpflichtung erfüllt, liegt in seinem Ermessen. Eine extern beauftragte Prüfung kann dabei „enthaftend“ wirken, soweit sie neben anderen Voraussetzungen als  „Wirksamkeitsprüfung“ ausgestaltet ist.

In der Maschinenbaubranche, die sich durch einen hohen Ausfuhranteil, je nach Auftragsgröße eine gewisse Langfristigkeit der Fertigung sowie vielfach die Berücksichtigung kundenindividueller Anforderungen auszeichnet, sind insbesondere  die folgenden  Risiken zu erfassen, zu steuern und soweit möglich zu minimieren:

  • Kalkulationsrisiken, insbesondere bei neu entwickelten und/oder komplexen Maschinen
  • Technische Machbarkeit und Budgetierung kundenspezifischer Anforderungen
  • Terminrisiken  und pönale Risiken
  • Inbetriebnahme- und Abnahmerisiken
  • Zahlungsausfallrisiken
  • Gewährleistungsrisiken und gegebenenfalls Risiken aus gesonderten Garantien (zum Beispiel bestimmte technische Leistungsparameter)
  • Anwendung gesetzlicher Vorschriften und technischer Normen anderer Länder
  • Währungsrisiken
  • Ausfuhrgenehmigungen
  • Compliance-Fragestellungen (insbesondere Korruptionsprävention und Verbot von Preisabsprachen)

 

Praxishinweis

Wie die Liste der Themen zeigt, erfordert die Geschäftstätigkeit in der Maschinenbaubranche speziell ausgestaltete Governance-Maßnahmen, die vom Management in Eigenverantwortung einzurichten sind und die das Überwachungsorgan hinsichtlich der Einrichtung und Wirksamkeit beurteilen sollte.