Internationale Rechnungslegung

Neue Spielregeln für Leasingverhältnisse

Carsten Carstens Carsten Carstens

Der International Financial Reporting Standard (IFRS) 16 „Leasingverhältnisse“ stellt die erste grundlegende Überarbeitung der Bilanzierung von Leasingverhältnissen seit über 30 Jahren dar. Das Projekt wurde vor 10 Jahren in das Arbeitsprogramm des IASB aufgenommen. Nach dem ursprünglichen Diskussionspapier im Jahre 2009, folgten zwei Standardentwürfe. Das Ziel des IASB war die Aufhebung der Unterscheidung von Leasingverhältnissen in Finance- und Operatingleasing und der vollständige Ausweis aller Leasingverhältnisse in der Bilanz des Leasingnehmers. Dies resultierte vor allem daraus, dass die Anwendung des IAS 17 zu zahlreichen Vertragsstrukturen bei Leasingverhältnissen und zu außerbilanziellen Finanzierungen führte Der Ansatz des IASB, der den Ausweis aller Leasingverhältnisse in der Bilanz des Leasingnehmers vorsieht, führte zu kontroversen Debatten und bleibt bis heute umstritten.

Der Standard wird erhebliche Auswirkungen auf die Jahresabschlüsse von Leasingnehmern haben, welche Grundstücke und hochwertige Vermögenswerte anmieten, da es einerseits zu einer Bilanzverlängerung kommt, andererseits in der Gesamtergebnisrechnung sich das EBITDA massiv und das EBIT durch die neue Leasingbilanzierung deutlich verbessern wird. IFRS 16 ersetzt sowohl IAS 17 „Leasingverhältnisse“ als auch drei Interpretationen: IFRIC 4 „Beurteilung, ob eine Vereinbarung ein Leasingverhältnis enthält“, SIC 15 „Mietleasingverhältnisse – Anreizvereinbarung“ und SIC 27 „Beurteilung des wirtschaftlichen Gehalts von Transaktionen in der rechtlichen Form von Leasingverhältnissen“.

Hier finden Sie alle Auswirkungen des neuen IFRS 16 auf einen Blick:

  • betrifft alle Organisationen, die als Leasinggeber oder Leasingnehmer fungieren
  • ändert die Definition eines Leasingverhältnisses : Leasingverhältnisse unter IAS 17 gelten gegebenenfalls nicht mehr als solche unter IFRS 15 oder umgekehrt
  • neue Anforderungen, wie Aktiva und Passiva aus Leasingverhältnissen ausgewiesen werden müssen
  • Bilanzierung einer Leasingverbindlichkeit sowie eines Nutzungsrechts am Leasingobjekt beim Leasingnehmer
  • Aufwendungen für Leasingverhältnisse werden im Vergleich zur bisherigen Erfassung nach IAS 17 nach „vorne“ gezogen
  • Ausnahmen von der Bilanzierungspflicht für Leasingverhältnisse von kurzfristiger Dauer oder geringem Wert
  • Vorgehensweise beim Leasinggeber wurde größtenteils aus IAS 17 übernommen
  • Änderung der Bilanzierung von bestimmten Sale- and Lease-back-Transaktionen
  • Neue, erweiterte Offenlegungsvorschriften
  • Optionen, deren Ausübung nicht hinreichend sicher sind und bedingte Zahlungen, die mit Umsätzen/Verbrauch und zukünftigen Änderungen eines Indexes/Kurses in Verbindung stehen werden nicht berücksichtigt
  • Verpflichtende Anwendung für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2019
  • Freiwillige vorherige Anwendung ist möglich, wenn das Unternehmen vor oder gleichzeitig mit der Erstanwendung des IFRS 15 „Erlöse aus Verträgen mit Kunden“ beginnt

Die Überarbeitung der Bilanzierung von Leasingverhältnissen begann zunächst als gemeinsames Projekt des IASB und seinem amerikanischem Pendant, dem FASB. Diese Zusammenarbeit sollte zur Harmonisierung der Standards beitragen und den Unternehmen, die nach beiden Rechnungslegungswerken bilanzieren, die Anwendung vereinfachen. Während der Erarbeitung der Standards haben sich beide Boards jedoch für unterschiedliche Positionen entschieden, wodurch die Standards in manchen Punkten divergieren.

Die entscheidendsten Unterschiede zwischen IFRS 16 und ASU 2016-02, ASC Topic 842 sind folgende:

  • Aufteilung der Leasingvereinbarungen nach dem amerikanischen Standard in Finance- und Operatingleasing
  • Beide Leasingverhältnisse werden in der Bilanz des Leasingnehmers als Leasingverbindlichkeit und Nutzungsrecht eines Leasinggegenstands ausgewiesen, jedoch ist das Aufwandsprofil des Operatingleasing „linear“ und wird als gesonderter Posten in der Gewinn- und Verlustrechnung innerhalb des operativen Ergebnisses gezeigt
  • keine Ausnahme für Leasingvereinbarungen mit einem geringen Wert wie nach IFRS 16

Der amerikanische Standard ASC Topic 842 ist verpflichtend für Unternehmen anzuwenden, deren Geschäftsjahre nach dem 15. Dezember 2018 (öffentliche Unternehmen) beziehungsweise dem 15. Dezember 2019 (übrige Unternehmen) beginnen. Eine frühere Erstanwendung ist möglich.

Praxishinweis

Unternehmen sollten jetzt unbedingt eine vorzeitige Wirkungsanalyse durchführen. Es ist von Vorteil, schon frühzeitig Maßnahmen zu treffen, um die Implementierung der Anforderungen vorzubereiten. Dabei ist zu prüfen, ob Vereinfachungsregeln in Anspruch genommen oder mögliche strategische Entscheidungen getroffen werden sollten. Über die bereits bestehenden Leasingverhältnisse sollten alle Informationen gesammelt werden. Zudem sollten Vereinbarungen überprüft werden, bei denen Finanzkennzahlen und Indikatoren von Relevanz sind. Gerne stehen wir Ihnen bei diesen Veränderungen und Anpassungen zur Seite.

Ausführliche Informationen zum Thema Leasingverhältnisse finden Sie auch hier.