Aktuelle Zeichnungspolitik

Warenkreditversicherer reduzieren Volumen – jetzt reagieren!

Daniel Stroh Daniel Stroh

Wir möchten Sie über die aktuelle Zeichnungspolitik der Warenkreditversicherer (WKV) wie Coface, Euler Hermes, Atradius u.a. aufmerksam machen, aus der unmittelbarer Handlungsbedarf für betroffene Unternehmen resultiert. Seit dem Frühjahr gibt es Bestrebungen bei den genannten Häusern, die Limite aufgrund der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Lage in erheblichem Maße zu reduzieren oder ganz aufzuheben. Dies betrifft zum Teil ganze Länder oder Risikobranchen (Automotive, Druck etc.), deren Geschäftsmodell direkt oder indirekt von der weltwirtschaftlichen Entwicklung bzw. von disruptiven Entwicklungen betroffen ist. Nach unserer Kenntnis haben die WKV in den vergangenen Monaten daran gearbeitet, ihre Portfolien zu analysieren, um ihre Exposure durch Limitkürzungen/Limitaufhebungen zu reduzieren. Seit einigen Wochen beobachten wir nun, dass dies auch in die Tat umgesetzt wird.

Das bedeutet für Unternehmen: Wenn Versicherungslimite für Warenbestellungen gekürzt oder aufgehoben werden, müssen in der Regel diese nicht mehr vorhandenen Limits durch eine höhere Inanspruchnahme der Betriebsmittellinie kompensiert werden. Tückisch an dieser Situation ist, dass Unternehmen vermutlich ihr Gesamtlimit bei einer WKV in der Regel nicht kennen bzw. kennen können, da WKVs hierüber wenig bis keine Informationen weitergeben. In der Regel kommt es bei Limitkürzungen auch zu Kürzungen durch die anderen WKV, wodurch der Bedarf an zusätzlicher Finanzierung / Liquidität weiter steigt.

Außerdem ergeben sich unter anderem folgende Auswirkungen bei den Kunden betroffener Unternehmen:

  • Durch die Limitkürzungen steigt das Risiko der Warenlieferung. Es ist nun zu entscheiden, ob das Ausfallrisiko so hoch ist, dass keine Lieferung außerhalb der Limits erfolgen soll. Wenn nur innerhalb der gekürzten Limite geliefert werden soll, ist der Einfluss auf den eigenen Absatz mit in Betracht zu ziehen, da in der Regel von den Kürzungen nicht nur ein Kunde betroffen ist.
  • Unternehmen müssen sich nun wieder mehr Gedanken über das individuelle Kunden- / Kundengruppenrisiko machen, als es in den vergangenen Jahren der Fall war, damit die Auswirkungen auf die Gewinn- und Verlustrechnung in Form von Umsatzreduzierungen und/oder EWB / PWB beurteilt werden können.

Praxishinweis

Unternehmen, die sich mit einer Limitkürzung konfrontiert sehen, sollten rasch reagieren und prüfen,

  • ob es in den Positionen des Umlaufvermögens noch „Speck“ gibt, der reduziert werden kann. Auf diese Weise können freie Mittel für die Lieferantenfinanzierung geschaffen werden.
  • Ob die vorhandene Betriebsmittelfinanzierung erhöht oder flexibilisiert werden kann.
  • Ob das aktuelle Risikomanagementsystem noch angemessen ist und ggf. erforderliche Anpassungen im Bereich der Kundenbeurteilung oder eine Ausweitung der Lieferantenbasis vornehmen.

Wir stehen Ihnen als Ansprechpartner für alle Fragestellungen rund um die Thematik zur Verfügung und beraten Sie gerne.