BEPS aktuell

Indien verschärft Regeln zu Verrechnungspreisen

Dr. Arwed Crüger Dr. Arwed Crüger

Bereits im vergangenen Oktober sind in Indien die Regeln zur Umsetzung von BEPS mit Bezug zu Verrechnungspreisen in Kraft getreten. Besonders relevant aus deutscher Sicht: Das Masterfile 2016/2017 für den Gesamtkonzern muss jetzt elektronisch übermittelt werden - und zwar erstmals bis zum 31. März 2018. Betroffen sind so gut wie alle indischen Tochterunternehmen deutscher Konzerne. Sie haben jetzt akuten Handlungsbedarf und sollten – sofern noch nicht geschehen – die Übermittlung des Masterfiles in Angriff nehmen. Wir informieren Sie über die Neuerungen auf dem Subkontinent.

Wer ist betroffen?

Die Regelung zum Masterfile gilt für Unternehmen mit Sitz in Indien, die Teil einer internationalen Gruppe sind und folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Der konsolidierte Gruppenumsatz muss die Grenze von 5.000 Millionen indische Rupien (INR) (ca. 71,7 Millionen Euro) überschreiten.
  • Zudem muss entweder das aggregierte Volumen internationaler Transaktionen über 500 Millionen INR (ca. 7,2 Millionen Euro) oder das aggregierte Volumen internationaler Transaktionen mit Bezug zu immateriellen Wirtschaftsgütern (etwa Lizenzzahlungen) über 100 Millionen INR (ca. 1,4 Millionen Euro) liegen.

Das Masterfile ist als Formular-Nummer 3CEAA elektronisch einzureichen, und zwar jährlich bis zum 30. November für das Geschäftsjahr, das am 31. März desselben Jahres geendet hat. Die Frist für die Erstellung und Einreichung beträgt somit 8 Monate. Für das erste einzureichende Geschäftsjahr 2016/2017 gilt jedoch eine Ausnahme, hier war nicht zum 30. November 2017, sondern es ist zum 31. März 2018 einzureichen. Dies ist 30 Tage vorher anzukündigen.

Format und Inhalt des Masterfiles

Das Formular 3CEAA sieht ein zweiteiliges Masterfile vor, unterteilt in Teil A und Teil B.

  • Teil A enthält Stammdaten des Unternehmens und der Gruppe. Bemerkenswert ist, dass dieser Teil auch von solchen Unternehmen mit Sitz in Indien einzureichen ist, die gar nicht unter die Voraussetzungen für die Erstellung eines Masterfiles fallen, weil sie zum Beispiel die Umsatz- oder Transaktionswerte nicht erreichen.
  • Teil B umfasst detaillierte Ausführungen zur Gruppe und zur Verrechnungspreissystematik. Der Inhalt des Masterfiles folgt im Prinzip internationalen Standards, einige Formulierungen weichen im Detail jedoch ab. Aufgrund des abweichenden indischen Geschäftsjahres ist eine Einreichung des Gruppen-Masterfiles für 2016 möglicherweise nicht ausreichend. Daher sollten zusätzlich relevante Informationen aus dem ersten Quartal 2017 berücksichtigt werden.

Regelung 10DB zum Country by Country Reporting (CbCR)

Die indischen Regelungen zum CbCR betreffen vor allem Unternehmen mit Mutter-gesellschaften in Indien, also in der Regel indische Konzerne, und sind daher für deutsche Unternehmen kaum von Bedeutung. Zudem orientiert sich die Umsetzung recht nah an den OECD Vorgaben. Lediglich bei der Umsatzschwelle ergibt sich eine Abweichung. Betroffen sind Konzerne mit einem konsolidierten Umsatz von mindestens 55.000 Millionen INR (ca. 789 Millionen Euro) im Vorjahr. Dagegen gilt in Deutschland ein Mindestwert von 750 Millionen Euro.

Vergleich der Regelungen in Deutschland und Indien

  • Der erste und wohl wichtigste Unterschied ist die Pflicht zur elektronischen Einreichung des Masterfiles in Indien (s.o.).
  • Der zweite Unterschied betrifft den Anwendungszeitraum. Während in Indien bereits ein Masterfile für 2016 einzureichen ist, gilt das Masterfile-Konzept in Deutschland erst ab 2017. Dies könnte für Konzerne problematisch werden, die für 2016 den bisherigen deutschen Regelungen gefolgt sind und daher ein Masterfile-Konzept noch nicht realisiert haben.
  • Drittens wird in Deutschland das Masterfile in der Regel erst im Rahmen einer Betriebsprüfung angefordert und vorgelegt. Sollte beispielsweise der Zeitraum 2015 bis 2017 geprüft werden, könnte das Masterfile für 2017 angefordert werden. Eine solche Prüfung findet erfahrungsgemäß jedoch erst in den Jahren zwischen 2019 und 2021 statt. In Indien hingegen ist das Masterfile 2017 zum 30. November 2018 abzugeben, also etwa 1 bis 3 Jahre früher, je nach deutschem Prüfungszyklus. Die Folge: Viele deutsche Konzerne werden ihr Masterfile künftig früher finalisieren müssen, als dies bisher aus rein deutscher Sicht notwendig war.
  • Viertens ist auf den geringeren Schwellenwert in Indien hinzuweisen. Während in Deutschland ein Masterfile erst ab einem Einzelumsatz von 100 Millionen Euro zu erstellen ist, gilt dies in Indien bereits ab einem Gruppenumsatz von ca. 71,7 Millionen Euro. Somit sind so gut wie alle deutschen Konzerne mit indischen Gesellschaften betroffen. Zudem könnten einige Konzerne, die in Deutschland kein Masterfile zu erstellen haben, in Indien ein solches einreichen müssen.
  • Schließlich ist in Indien auch Teil A des Masterfiles von Gruppenunternehmen mit Sitz in Indien einzureichen, die gar nicht unter die Voraussetzungen zur Erstellung eines Masterfiles fallen.

Praxishinweis

Konzernen ist zu empfehlen, die Pflichten und Fristen in ihr internes Kontrollsystem aufzunehmen und die entsprechenden Maßnahmen umzusetzen. Insbesondere das Masterfile für 2016/2017 ist kurzfristig zu erstellen und zum 31. März 2018 in Indien einzureichen, zudem folgt noch in diesem Jahr das Masterfile 2017/2018. Gerne unterstützen wir Sie bei allen Fragestellungen rund um das Thema Verrechnungspreise in Indien.