Branche Konsumgüter & Handel

Die wichtigsten Trends des Jahres im Online-Handel

Wolfgang Klopsch Wolfgang Klopsch

Der Siegeszug des Online-Handels setzt sich fort. Nach den aktuellen Zahlen für 2015 ist der Umsatz im Online-Handel in Deutschland um 12,4 % gegenüber dem Vorjahr auf rund 42 Milliarden Euro gewachsen (Quelle: HDE, Prognose 2015 für den Bereich B2C ohne Umsatzsteuer). Wir analysieren, welche Trends Anbieter von Online-Shops in diesem Jahr im Auge behalten sollten.

Trend 1: M (Mobile)-Commerce bleibt wichtigster Trend

Smartphone und Tablets spielen bei den digitalen Shoppingtouren eine immer größere Rolle und lösen damit sukzessive den „guten alten“ PC ab. So erfolgen nach einer Pressemitteilung der Otto Group zum Geschäftsjahr 2015/2016 inzwischen rund die Hälfte aller Besuche auf den großen Online-Shops des Konzerns über mobile Endgeräte. In diesem Jahr wird laut einer E-Commerce Studie des digitalen Marktplatzbetreibers RetailMe Not in Deutschland voraussichtlich rund ein Drittel der ausgegebenen Gelder über mobile Endgeräte „verprasst“. Fest steht: Wer in diesem Wettbewerb mithalten will, muss seinen Internetauftritte für Mobilgeräte optimieren.

Trend 2: Einkaufserlebnisse quer durch alle Kanäle

Einkaufserlebnisse quer durch alle Kanäle ist eine weitere Entwicklung, die dieses Jahr dominieren wird. Der Kunde will Transaktionen in einem Medium beginnen und in jedem anderen fortsetzen können, wobei Unterschiede bezüglich Service, Preis und in der Qualität immer weniger akzeptiert werden. Entscheidend für Anbieter ist die nutzerfreundliche Verknüpfung ihrer Absatzplattformen. Dienste wie die digitale Anzeige der Warenverfügbarkeit, Click & Collect, „Instore-Suchfunktion“ werden deshalb immer wichtiger.

Trend 3: Der Kunde treibt den digitalen Wandel

Auch in diesem Jahr gilt: Der Kunde treibt den digitalen Wandel. Die Loyalität gegenüber Händlern und Plattformen nimmt massiv ab. Für den Handel ergibt sich aus dieser Entwicklung eine klare strategische Marschroute: Weg von der bisherigen Marken- und Produktzentriertheit und hin zu einem kompromisslosen Kundenfokus. Die Fortschritte in der Fertigungs- und Kommunikationstechnologie führen dazu, dass Anbieter ihre Produkte auf Basis des früheren Verhaltens der Verbraucher empfehlen sowie einen individuellen Kundenservice und personalisierte Produkte für jeden Bereich anbieten. Grundlage einer zielgenauen und personalisierten Ansprache ist Big Data, also die Auswertung der Aktivitäten der Kunden. Hier gilt: Wer als User besser und genauer angesprochen wird, nutzt Online-Shops in der Regel intensiver.

Trend 4: Mobiles Bezahlen steht vor dem Durchbruch

Deutschland bildet derzeit mit einem Anteil der mobilen Zahlungen von nur 25 % an allen Online Transaktionen (Zeitraum Q1-Q3/2015) im europäischen Vergleich das Schlusslicht (zum Vergleich Anteil des Spitzenreiters Großbritannien beträgt knapp 47 %; Quelle: Adyen - Mobile Payment Index). Gleichwohl wird mobiles Bezahlen via Smartphone aufgrund der Entwicklung alternativer Payment-Systeme auch hierzulande in diesem Jahr ein wichtiges Thema sein. Ein Durchbruch für das Mobile Payment in Deutschland könnte zum Beispiel die „Girocard-mobile“ sein. Die Volksbanken planen gemäß aktuellen Recherchen der Lebensmittelzeitung zusammen mit den drei großen Telekommunikations-Konzernen, ab 2017 die beliebte EC-Karte ins Smartphone zu integrieren. Doch die Konkurrenz ist groß. So zeigt beispielsweise Apple bereits heute mit dem One-Klick-Modell bei „Apple Pay“, wie ein alternatives und universelles Bezahlwerkzeug funktionieren kann. Derartige Systeme werden in diesem Jahr sicherlich weiter gefördert. Wichtige Aspekte werden hierbei der Datenschutz sowie diesbezügliche Sicherheitsgarantien gegenüber Nutzern sein. Welches Payment- System sich allerdings durchsetzen wird, ist noch völlig unklar.

Trend 5: Suchmaschinenoptimierung über Amazon

Die klassische Suchmaschinen-Optimierung ist längst sehr komplex und unplanbar geworden. Obwohl viele Händler den Verkauf über Amazon kritisch sehen, sind viele auf die Reichweite angewiesen. Dabei ist es wie bei Google wichtig, auch in der Amazon-Suche möglichst weit oben mit den eigenen Produkten zu erscheinen. Es gilt, die Amazon-Rankings durch geeignete Maßnahmen vorteilhaft zu beeinflussen.

Trend 6: Die Konsolidierung geht weiter

Konsolidierung im E-Commerce wird sich auch 2016 fortsetzen. Die großen Shops werden immer größer, die kleinen Shops geraten zunehmend - abgesehen von Nischenanbietern - in Bedrängnis. Es gilt, die Technisierung im Blick zu haben und das Marketing optimal auf die Bedürfnisse der Kunden zu fokussieren.

Trend 7: Social Media verändert das Kundenverhalten

Unter dem Einfluss von Social Media sind Verbraucher heute immer besser informiert, anspruchsvoller und offen für neue Wege beim Einkaufen. Anstelle des Produkts rückt das Einkaufserlebnis in den Mittelpunkt. Facebook gehört für viele Online-Händler inzwischen zum Standard, sie sollten sich 2016 auch verstärkt mit Instagram, Pinterest, Twitter und YouTube beschäftigen. Bei diesen Plattformen ist es noch wichtiger als auf Facebook, nicht werblich aufzutreten, sondern Nutzer mit interessantem Content und beliebten „Influencern“ neugierig zu machen. Außerdem bleibt spannend, ob sich „WhatsApp“ als Kommunikationskanal etablieren lässt.

Trend 8: Innovative Lösungen auch auf den letzten Metern gefragt

Individualisierung bleibt ein Megatrend – nicht nur bei der persönlichen Konfiguration von Waren, sondern auch bei deren Zustellung auf der so genannten letzten Meile: Immer wichtiger wird eine gute Auswahl flexibler Zustelloptionen, mit deren Hilfe die Lieferung so bequem wird wie der Warenkauf im Internet. Individuell gestaltbare Lieferoptionen avancieren künftig zum Wettbewerbsvorteil im Omni-Channel-Handel.

Praxishinweis

Aus den aktuellen Trends im Online-Handel ergeben sich immer auch Auswirkungen auf das Rechnungswesen, Steuern, Bewertungsfragen und Risk- oder Compliance-Themen, die wir gerne gemeinsam mit Ihnen erörtern.