Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten!

Asfa-Wossen Asserate bei Stuttgarter Schlossgesprächen

Gernot Hämmerle Gernot Hämmerle

„Wer Europa bewahren will, muss Afrika retten!“ Um diese Kernaussage drehten sich die Stuttgarter Schlossgespräche am 18. Mai 2017 auf Schloss Solitude bei Stuttgart. Mit Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate hatten konnten wir einen Referenten gewinnen, der für dieses Thema geradezu prädestiniert ist. Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate ist nicht nur langjähriger Afrika-Berater deutscher Unternehmen, Bestseller Autor und politischer Analyst, sondern wurde als Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie nach dem Militäraufstand, der für den Untergang des mehr als 800-jährigen Kaiserreichs in Äthiopien verantwortlich war, in den 1970er Jahren selbst zum ersten äthiopischen Flüchtling in Deutschland. Der damals in Deutschland studierende Prinz konnte durch das Exil und den Status als politisch Verfolgter die Ausbildung bis zur Promotion in Deutschland abschließen und ist heute überzeugter Vertreter der äthiopischen Kultur und des restlichen Afrikas.

Für sein Engagement für Afrika erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Walter-Scheel-Preis des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Diese bekannte Persönlichkeit begeisterte rund 50 Gäste auf Schloss Solitude in einem brillanten Vortrag zum Thema „Wohin Afrika – Politik, Wirtschaft, Migration nach Europa.“

Hintergrund: Wenn es um Investitionen in Afrika geht, spielen chinesische Unternehmen häufig die Hauptrolle. Durch die finanzielle Unterstützung von Infrastrukturprojekten sichert sich das Reich der Mitte politischen Einfluss und den Zugriff auf Rohstoffe und Bodenschätze; eine Chance, die deutsche Unternehmen und Europa zu verpassen drohen.

Neben wirtschaftlichen und politischen Problemen, die das europäische Bild von Afrika prägen, lässt die aktuelle Flüchtlingskrise außerdem eine langfristig noch bedrohlichere Entwicklung in den Vordergrund rücken: Die Völkerwanderung hunderttausender Afrikaner nach Europa. In seinem Vortrag beleuchtete Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate welche Folgen und Handlungskonsequenzen sich in diesem Zusammenhang für deutsche Unternehmen ergeben sowie die Chancen und Risiken hierbei.

Durch westliche Handelsbarrieren und Agrarprotektionen verliert Afrika jährlich das Doppelte dessen, was es an Entwicklungshilfe erhält. Europa muss Afrika als ebenbürtigen Partner behandeln und gezielt diejenigen Staaten unterstützen, die demokratische Strukturen aufbauen. Hierbei hilft es nicht die Rüstungsindustrie zu stärken oder rein finanzielle Zuwendungen nach Afrika zu überweisen. Eine gezielte Schulung der Kräfte vor Ort, eine Bekämpfung der Korruption und ein Stopp der Entsendung des europäischen „Abfalls“ oder chinesischer Billigprodukte nach Afrika, können zu einer Verbesserung beitragen und eine Massenflucht von jungen, qualifizierten Afrikanern nach Europa verhindern. In vielen afrikanischen Staaten sind mehr als 80 % der Bevölkerung jünger als 25 Jahre. „Fragen Sie Ihr Zimmermädchen in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, was Sie gelernt hat und Sie werden feststellen, dass sie erfolgreich ein Bachelorstudium absolviert hat“, sagt der Prinz. Es fehlt nicht an qualifizierten Kräften, sondern an Arbeitsplätzen und einer stabilen Politik- und Wirtschaftslage. Daher macht es keinen Sinn, junge Afrikaner nach Europa zu holen, die dann in Süditalien Tomaten ernten, welche wiederum als Billigkonserven in Afrika verkauft werden. Eine direkte Hilfe und ein Engagement deutscher Unternehmen vor Ort ist nötig, sonst werden Deutschland und Europa die Welle der Migration, die in den kommenden Jahren zu erwarten ist, nicht aufhalten können.

Rege Diskussion

Eine rege Diskussion im Anschluss an den Vortrag und zahlreiche Fragen an Herrn Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate verdeutlichten eindrucksvoll das hohe Interesse der Gäste am Vortragsthema. Der weitere Verlauf des Abends wurde von den Gästen ausgiebig zum Networking und zum gegenseitigen Austausch genutzt. Wir freuen uns, den Teilnehmern viele wertvolle Impulse auf den Weg gegeben zu haben. Die nächste Ausgabe der Stuttgarter Schlossgespräche ist für Mai 2018 geplant.

Fazit

Der afrikanische Kontinent bietet deutschen Unternehmen interessante Perspektiven. Wie eine zielführende Strategie für den Mittelstand in Afrika aussehen kann, erörtern wir gerne gemeinsam mit Ihnen in einem persönlichen Gespräch. Warth & Klein Grant Thornton verfügt über eine fast 60-jährige Erfahrung in der Begleitung von mittelständischen Unternehmen. Ein Expertenteam aus eingespielten Spezialisten für internationale Themen steht Unternehmern mit einem umfassenden Leistungsspektrum zur Seite. Gerne überzeugen wir Sie in einem persönlichen Gespräch davon - sprechen Sie uns an!

Lesetipp

Lesen Sie zum Thema auch den Beitrag in der Stuttgarter Zeitung vom 15. Juni 2017