Schweiz verabschiedet STAF

Jetzt auf die Neuerungen vorbereiten!

Lars Korte Lars Korte

Am 19. Mai 2019 hat das Schweizer Volk für die STAF gestimmt – die Steuerreform und AHV-Finanzierung. Damit gelten seit dem 1. Januar 2020 für alle in der Schweiz ansässigen Unternehmen neue Steuerrichtlinien. Die Änderungen treffen insbesondere Unternehmen, die aus der Schweiz heraus internationale Konzernaktivitäten steuern und / oder im Bereich Forschung- und Entwicklung tätig sind. Wir stellen die wichtigsten Punkte der Steuerreform vor und zeigen, wie sich die betroffenen Unternehmen vorbereiten können.

Hintergrund

Um internationalen Sanktionen durch EU und OECD zu entgehen, ist die Schweiz gezwungen, Teile ihres Steuergesetzes zu überarbeiten. Dies betrifft vor allem Regelungen für sogenannte Statusgesellschaften, deren Aktivitäten sich vorwiegend auf das Ausland richten und deren vorteilhafte Besteuerung gegen internationale Richtlinien verstößt. Die STAF schafft diese nicht-akzeptierten Regelungen nun ab und ersetzt sie durch international geduldete und in vielen Ländern bereits praktizierte Steueranreize.

Wichtige Änderungen

Statusgesellschaften, die bisher auf kantonaler Ebene bevorzugt besteuert wurden, verlieren diese Sonderstellung. Sie müssen künftig die im Kanton allgemein gültige Körperschaftssteuer entrichten. Zudem gilt fortan für alle Unternehmen, dass Dividenden auf Bundes- und Kantonsebene im Umfang von mindestens 70% bzw. 50% besteuert werden und dass Kapitaleinlagereserven börsennotierter Gesellschaften nur noch steuerfrei zurückgezahlt werden können, wenn im gleichen Maße steuerbare Reserven ausgeschüttet werden. Um einem Attraktivitätsverlust des Wirtschaftsstandortes durch diese Änderungen entgegenzuwirken, werden weitere Maßnahmen eingeführt, die die Realisierung alternativer Steuervorteile ermöglichen, gleichzeitig aber keine Verletzung internationaler Konventionen darstellen. Dazu gehört das Prinzip der Patentbox, nach dem künftig bis zu 90% des Gewinns aus inländischen Patenten und vergleichbaren Rechten der Steuerbemessungsgrundlage entzogen werden können. Ebenso wird es Unternehmen möglich sein, Aufwände für inländische Forschung & Entwicklung um bis zu 150% von der Steuer abzuziehen. Firmen, die zudem in Kantonen mit hoher effektiver Gewinnsteuerbelastung angesiedelt sind, können zusätzlich einen Abzug auf Eigenfinanzierung anbringen. Insgesamt können somit bis zu 70% des unternehmerischen Gewinns unversteuert bleiben. Darüber hinaus haben viele Kantone bereits angekündigt, ihre Körperschaftsteuern mit Einführung der STAF teilweise deutlich zu senken. Grundsätzlich wird daher mit einer höheren Steuerlast für ehemalige Statusgesellschaften, jedoch mit einer geringeren Steuerlast für alle übrigen Gesellschaftstypen gerechnet.

Risiken erkennen, Potenziale nutzen

Die beschlossenen Änderungen sind zum 1. Januar 2020 rechtskräftig geworden. Daher sollten Sie vorab prüfen, welche Konsequenzen sich für Sie ergeben werden und insbesondere welche Chancen Ihnen die neuen Regelungen bieten. Dabei gilt es, folgende Punkte zu beachten:

  • Der Wegfall der Sonderbesteuerung sowie die Einführung weiterer, teilweise bereits oben genannter Maßnahmen können beträchtliche Änderungen für die Gesamtsteuerlast Ihres Unternehmens bedeuten.
  • Im Hinblick auf die zunehmende steuertechnische Bedeutung von Forschung & Entwicklung sollte geprüft werden, inwiefern neue Konzepte wie Patentbox oder Sonderabzug auf F&E-Aktivitäten in Ihr Steuermodell integriert werden können, um deren Potenziale voll auszunutzen.
  • Neu in die Schweiz ziehende Unternehmen haben die Möglichkeit, bis dato gebildete stille Reserven steuerneutral aufzudecken. Mögliche Konzernumstrukturierungen oder –reorganisationen – auch vor dem Hintergrund der neuen Steuervorteile im F&E-Bereich – könnten deswegen vorteilhaft sein.
  • Statusgesellschaften können stille Reserven, die sie während der Zeit der bevorzugten Besteuerung gebildet haben und die sie vor dem 1. Januar 2020 aufdecken („Step-Up“), ebenfalls über die Folgejahre steuerwirksam abschreiben.

Praxishinweis

Warth & Klein Grant Thornton steht Ihnen bei der Analyse Ihrer neuen Steuersituation in der Schweiz gerne zur Seite. Gemeinsam bewerten wir Ihre Lage und entscheiden, was zu tun ist, um einerseits den Anforderungen der neuen Steuerrichtlinien im Detail gerecht zu werden und andererseits das volle Potenzial auszunutzen, das diese im Hinblick auf Steuererleichterungen mit sich bringen. Profitieren Sie vom internationalen Grant Thornton-Netzwerk, über das wir beste Verbindungen zu unseren Kollegen von Grant Thornton Schweiz / Liechtenstein unterhalten. In enger Abstimmung mit den lokalen Experten vor Ort finden wir für jede Herausforderung die passende Lösung.

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