Transaktionen im Mittelstand

Digitalisierung als Motor für M&A

Hanno Hepke Hanno Hepke

Die Digitalisierung verändert die Welt. Nachdem wir in der vorigen Ausgabe die Auswirkungen dieses Megatrends auf die Finanzverwaltung beleuchtet haben, wollen wir in diesem Beitrag der Frage nachgehen, wie die Digitalisierung M&A-Aktivitäten antreibt. Technologietransfer war schon immer einer der wesentlichen strategischen Beweggründe für Unternehmenszukäufe. Damit wird M&A im Zuge des sich beschleunigenden technologischen Wandels für den Mittelstand zu einer zwingenden Alternative. Denn Transfer von Technologie ist ein bewährtes Mittel, um fehlendes Digital-Know how auszugleichen, Synergien zu realisieren und Zeitverzögerungen sowie andere aus der eigenen Entwicklung resultierende Risiken.

Eine aktuelle Studie von Bain & Company („The changing rules of digital M&A“, Bain & Company 2017) belegt: Bei 75% der befragten Unternehmen hat die Digitalisierung maßgeblichen Einfluss auf die M&A-Strategie. Gleichwohl betreten viele Unternehmen mit Akquisitionen im digitalen Umfeld Neuland und oft erfolgen sie mit einem entsprechenden Mangel an Erfahrung: So geben nur 11% der befragten Unternehmen der genannten Erhebung an, dass sie über ausreichende Expertise beim Erwerb von Tech-Firmen verfügen.

Herausforderungen

Wer ein Unternehmen aus dem Digitalbereich erwerben will, wird zunächst einmal bei den Themen Bewertung, Finanzierung und Due Diligence vor neue Herausforderungen gestellt. Doch das ist nicht alles: Die Definition der digitalen Notwendigkeiten eines Unternehmens sowie deren Aufnahme und der Übergang in das Gesamtunternehmen erfordern Erfahrung, Übung und eine nachhaltige und meist repetitive Herangehensweise. Denn der schnelle Fortschritt der Digitalisierung in sämtlichen Industrie- und Unternehmensbereichen macht ein Überdenken der traditionellen, aus dem Unternehmen heraus entstehenden Innovationskraft, notwendig. Da Innovation immer häufiger in Feldern entsteht, die außerhalb der angestammten Kompetenzbereiche der Unternehmen liegen, müssen diese unbedingt im Blick behalten werden, um Neuerungen ins Unternehmen zu holen. Anschließend ist die Integration in Unternehmensabläufe und –kultur eine Kernaufgabe, bei der viel Fingerspitzengefühl gefragt ist. Dies bedingt meist den weitgehenden Erhalt der Eigenständigkeit des akquirierten Unternehmens gepaart mit der Einführung einer gemeinsamen digitalen Marktzugangsstrategie und der Integration der digitalen Produkt-, Prozess und Vertriebsaspekte.

Vorgehensweise

M&A Strategie und Digitalisierung: Sie ergibt sich unmittelbar aus der Unternehmensstrategie und dem dort definierten Digitalisierungsprozess. Über diese Fragen sollten Sie sich unbedingt Gedanken machen:

  • Verfolgen wir eine aktive digitale Marktbeobachtung, über die wir geeignete Zielunternehmen identifizieren?
  • Können digitale Unternehmer uns als möglichen Partner erkennen und auf uns zukommen?
  • Haben wir ein klares Verständnis darüber, wie die digitale Dimension zu unserer Strategie passt und wie wir ein attraktives und nachhaltiges Umfeld für digitale Unternehmen schaffen?

Bewertung im digitalen Umfeld: Sie folgen wegen ihres meist transformativen Charakters oftmals nicht der Logik gängiger Unternehmensbewertungen. Folgende Kernfragen sind hier zu beantworten:

  • Handelt es sich um eine transformative Akquisition, die das Unternehmen in das digitale Zeitalter versetzt, technologisch, produktseitig oder personell?
  • Eröffnet die Akquisition dem Käufer strategisch bedeutsame technologische Zugänge in Bereiche wie künstliche Intelligenz, Internet der Dinge oder Cybersicherheit?
  • Ermöglicht die Akquisition einen digitalen Marktzugang und damit eine signifikant höhere und schnellere (internationale) Marktpenetration?

Daneben sollten bei Bewertungen auch digitale Parameter einbezogen werden, wie zum Beispiel die Evaluierung einzelner Nutzer digitaler Plattformen oder starkes Wachstum. Gleichzeitig ist der zukunftsorientierten Bewertung digitaler Unternehmen durch Kaufpreisstrukturen zu begegnen, die dies reflektieren, wie zum Beispiel Earn-out Strukturen und entwicklungsabhängige Kaufpreiskomponenten.

Due Diligence im digitalen Umfeld: Due Diligence Prüfungen digitaler Unternehmen führen traditionelle Ansätze an ihre Grenzen, da der Bezug zu einer stabilen und möglichst langen historischen Vergleichsperiode in der Regel nicht herstellbar ist. Nicht selten fehlen historischen Finanzzahlen sogar völlig. Daher sind ergänzende bzw. alternative Vorgehensweisen gefragt:

  • Wie belastbar ist das Geschäftsmodell unter Betrachtung unterschiedlicher Szenarien?
  • Kann der Käufer durch eigene Werte zum schnelleren Wachstum beitragen?
  • Wie sieht es mit der Skalierbarkeit der Plattform, der Produkte und der Personalbasis aus?
  • Wie ist die Auffassung von Experten zu Themenbereichen, bei denen Objektivierung schwierig ist.
  • Wie ist es um die Personal und Unternehmenskultur bzw. den Integrationsweg und die Integrationsfähigkeit bestellt, um Risiken des Verlusts von digitalen Fähigkeiten zu minimieren.

Praxishinweis

Warth & Klein Grant Thornton verfügt über umfassende Erfahrung in der Einleitung, Begleitung und Umsetzung von M&A-Transaktionen im digitalen Bereich. So haben wir den Gründer und Gesellschafter der mycable GmbH als exklusiver Corporate Finance Berater begleitet bei der Übernahme durch die Basler AG beraten und die Metro Group erfolgreich bei der Übernahme der Hitmeister GmbH unterstützt.

Gerne unterstützen wir auch Sie in allen genannten Aspekten bei der Realisierung Ihrer Aufgaben. Sprechen Sie uns an! Unser eingespieltes Team erfahrener Transaktions- und Technologiespezialisten ist mit den praktischen Fragestellungen, die Sie sich im Zusammenhang mit digitalen Transaktionen stellen, bestens vertraut.