Attraktives Umfeld

Warum jetzt der beste Zeitpunkt für M&A-Transaktionen ist

Dr. Kai Bartels Dr. Kai Bartels

Grafik 1Der Markt für Unternehmenstransaktionen ist in den letzten Jahren auf Hochtouren gefahren. Dabei stellt sich die Frage: Wie lange kann das hohe Niveau bei der Anzahl an Transaktionen und bei den Kaufpreisen noch gehalten werden? Ist jetzt vielleicht der beste Zeitpunkt für den Verkauf? Wie sieht die nahe Zukunft bei M&A-Transaktionen aus? Entscheidenden Einfluss darauf haben die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungsperspektiven, das politische Umfeld und die Situation auf den Kreditmärkten. Für den deutschsprachigen Raum (DACH) können wir für die genannten Treiber Folgendes beobachten:

Die Wirtschaftslage in Deutschland entwickelt sich derzeit sehr positiv. Seit mehr als 12 Quartalen ist das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland gegenüber dem Vorquartal stetig gestiegen. Wenn man das zweite Quartal 2014 außen vor lässt, dann wächst die deutsche Wirtschaft schon seit über 16 Quartalen (siehe Grafik 1 und 2) – was die längste Periode an kontinuierlichem Wachstum seit der Jahrtausendwende darstellt.

Grafik 2

Das spiegelt sich auch auf den Aktienmärkten wieder. Exemplarisch ist in Grafik 3 die Entwicklung des Dax 30 dargestellt. Ein vergleichbares Bild zeichnen analog dazu auch die kleineren deutschen Indizes, sowie die Aktienmärkte innerhalb Europas.

Grafik 3Ob und wie lange dieser Aufschwung die deutsche Wirtschaft (und damit auch den Markt für Unternehmenstransaktionen) noch trägt, ist schwer zu sagen. Es wird sich zeigen, inwieweit sich das neue politische Umfeld in Europa auf die Stabilität der Wirtschaft, und damit auch auf die Bereitschaft von Investoren mit Unternehmenskäufen ins Risiko zu gehen, auswirkt. Von einer maßgeblichen Veränderung des Status-Quo ist jedoch zunächst nicht auszugehen.

Wie oben schon an den Allzeit-Hochs an den Aktienmärkten zu erkennen, ist das Marktumfeld für Transaktionen überaus attraktiv. Hinzu kommen die historisch niedrigen Finanzierungskosten als weiterer Faktor, der Investitionen begünstigt. So hat sich der 3-Monats EURIBOR (Grafik 4) in den vergangenen 1,5 Jahren durchgängig im negativen Bereich bewegt.

Grafik 4

Grafik 5

Sowohl die Anzahl der Transaktionen, die von Private-Equity Häusern (Grafik 5) oder anderen Investmentfirmen getätigt worden sind, als auch die generelle Anzahl an Transaktionen (Tabelle 1) befand sich 2016 auf einem Höchststand.

Tabelle 1

Für 2017 könnten die Private Equity Transaktionen im letzten Quartal das Niveau von 2016 eventuell noch einholen. Wirft man allerdings einen Blick auf alle Transaktionen mit einer „last-twelve-months“ Betrachtung, kann man zwar eine leichte Steigerungsrate in der Gesamtanzahl der Transaktionen erkennen, im Small- und Mid-Cap Bereich allerdings Rückgange von bis zu 25%. Nach Transaktionswerten sieht der Vergleich anders aus. Hier sind die letzten 12 Monate deutlich stärker als die vorhergehenden. Die enorme Steigerung an Transaktionswerten ist hier aber fast ausschließlich eine Folge der zusätzlichen Mega-Deals mit einer Deal Größe von über 1 Milliarde Euro. Für potenzielle Verkäufer im Small- und Mid-Cap Bereich könnte der zahlenmäßige Rückgang von Transaktionen zunächst bedenklich wirken. Die relativ hohen und (noch) stabilen Bewertungsniveaus (Grafik 7+8) verschaffen hier zunächst wieder etwas Beruhigung. Die Unternehmenswert/EBITDA Multiples sind sowohl bei Transaktionen als auch bei den Bewertungsniveaus der deutschen Aktienindizes in den letzten Jahren angestiegen

Grafik 7

Grafik 8Unser Ausblick für das Small- und Mid-Cap Segment (bis Unternehmenswerte von 250 Millionen Euro) ist daher im aktuellen Umfeld weiterhin positiv. Wer jetzt darüber nachdenkt, sein Unternehmen zu veräußern, darf sich über ideale Bedingungen freuen. In 2-3 Jahren könnte es schon wieder anders aussehen. Neben dem aktuellen Umfeld sprechen auch einige Anreize bei den Investoren direkt dafür, dass derzeit ein attraktiver Zeitpunkt für Unternehmensverkäufe ist. Bei den eben bereits erwähnten Private-Equity Investoren besteht weiterhin großes Interesse an mittelständischen Unternehmen. Dafür sprechen aus unserer Sicht 3 Gründe.

  1. Nach wie vor ist immer noch ein erheblicher Anteil an „Schießpulver“ in Form von freiem Kapital in den einzelnen Fonds-Jahrgängen verfügbar. In 2016 übersteigt das eingeworbene, noch nicht investierte Kapital, einen Wert von über 1,2 Billionen Euro weltweit (Quelle: Preqin). Dieses Kapital muss investiert werden; nicht zuletzt, um die Return Erwartungen der Limited Partner zu erfüllen.

  2. Das Finanzierungsumfeld bleibt optimal für Private-Equity-Gesellschaften. Die Finanzierungskosten, welche sich in der Regel an den 3-Monats/6-Monats EURIBOR plus Aufschlag orientieren, sind historisch niedrig. Auch die ungebrochen gute Kreditverfügbarkeit befeuert die Kauflaune institutioneller Investoren.

  3. Da sich Investoren über alle Asset-Klassen hinweg mit niedrigeren Renditen begnügen müssen, führt dies auch bei Private Equity dazu, dass sich Limited Partner mit Renditen zwischen 10- 20% zufriedengeben müssen, wo vorher 20-30% gefordert worden sind. Mit gesunkenen Renditeerwartungen geht gleichzeitig die Bereitschaft einher, höhere Multiples bei Unternehmenskäufen zu bezahlen.

Auch bei den Corporates stehen die Zeichen gut für weiterhin intensive M&A Bemühungen. Gute Kreditverfügbarkeit, sowie hohe Cash-Bestände gelten auch hier als Treiber für M&A-Aktivitäten. Gemeinsam mit nachhaltig geringeren Wachstumsaussichten für das bestehende Geschäft, sind Zukäufe ein probates Mittel um, weiterhin Wert zu generieren.

Fazit

Insbesondere Unternehmen im Small- und Mid-Cap Bereich, also mit Umsätzen zwischen 10 und 100 Millionen Euro, sind für beide Käufergruppen besonders interessant. Für Private Equity Investoren, weil gerade in diesem Marktsegment noch gute Renditen erzielt werden können. Für Corporates, weil durch Add-On Akquisitionen die Produktpalette vergrößert, die Expertise erweitert und die Wachstumsaussichten verbessert werden können. Auch um das noch profitable Kerngeschäft zukunftssicher zu machen, suchen Corporates innovative Unternehmen im etablierten Mittelstand. Beispiele sind hier unter anderen Accenture, Continental oder XING, die Unternehmen aus dem Mittelstand gekauft haben. So wurde die Digitalagentur SinnerSchrader von Accenture gekauft, der Oberflächenspezialist Hornschuch von Continental und XING übernahm zuletzt unter anderem eine Plattform für Expatriates, sowie einen Anbieter für Recruiting Software. Neben der großen Bereitschaft der Investoren, hohe Kaufpreise zu bezahlen, hat die aktuell gute Verhandlungsposition weitere Vorteile für Verkäufer, beispielsweise bei der Ausgestaltung der Vertragsbedingungen. So sehen wir aktuell kaum Verträge mit variablen Kaufpreisanteilen („Earn-out“), häufig fehlen auch Verpflichtungen zu Rückbeteiligungen oder Verkäuferdarlehen. Neben Zusicherungen von Standort- und Arbeitsplatzgarantien spielen auch das Investorenimage und der -hintergrund auf dem Verkäufermarkt eine zunehmend starke Rolle.

Praxishinweis

Als Bindeglied zwischen mittelständischem Unternehmen, internationalen Konzernen und Private Equity Häusern ist Warth & Klein Grant Thornton der ideale Begleiter bei Unternehmensverkäufen. Das zeigt auch unsere jüngste, erfolgreich begleitete Transaktion. Als exklusiver M&A-Berater konnten wir die Eigentümer der Klinik Fleetinsel mit gut 120 Mitarbeitern und einem Umsatz von 15 Millionen Euro bei der vollständigen Veräußerung ihrer Anteile an die ATOS Kliniken und deren Eigentümer, Waterland Capital beraten. Dabei begleiteten wir den Prozess von einem strukturierten Bieterverfahren, über Due Diligences bis hin zu den abschließenden Kaufpreisverhandlungen.

Sprechen Sie uns an! Unsere Experten sind mit allen Fragestellungen, die bei einer Transaktion auftreten, bestens vertraut – ob national oder international. Gerne führen wir auch Ihre M&A-Aktivitäten zum Erfolg!