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No-Line-Commerce, Chatbots, AMP & Co.

Die 7 wichtigsten Trends im Onlinehandel

Wolfgang Klopsch Wolfgang Klopsch

Ein Ende des Wachstums im E-Commerce ist weiterhin nicht in Sicht. Für das laufende Jahr erwartet der Handelsverband Deutscher Unternehmen (HDE) einen weiteren Umsatzzuwachs von rund 4 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr (Quelle: HDE, Prognose 2016 für den Bereich B2C ohne Umsatzsteuer). Im Vergleich zu unserer Analyse aus April 2016 ergeben sich spannende Entwicklungen, die wir im Folgenden näher erläutern.

1. Mobile First

Es bleibt dabei: Mobilität steht auf der Trendskala im E-Commerce weiterhin ganz oben. Die Seybold-Sichtbarkeitsstudie von 2016 zeigt: Nur 28% der analysierten Webseiten von mittelständischen Unternehmen bieten eine mobile Version. Gleichzeitig gehen immer mehr Nutzer mit ihren Smartphones online. Ein Grund für die rasante Zunahme der Mobile-Web-Nutzung sind die immer schnelleren Internet-Browser. Damit wird die Geschwindigkeitsoptimierung zum wichtigsten Faktor für Benutzerfreundlichkeit. Google hat ermittelt, dass fast die Hälfte aller Webseitenbesucher eine Seite frühzeitig verlässt, sofern diese nicht innerhalb von 3 Sekunden geladen ist. Die Implementierung des offenen Standards „AMP“ führt dazu, dass Webseiten deutlich schneller angezeigt werden als bisher, was sich rasch zu einem Wettbewerbsvorteil entwickeln kann.

2. Amazon SEO

96% der Deutschen haben laut Statista-Umfrage bereits bei Amazon eingekauft (Quelle: Statista, Umfrage Online-Shopping 2017). Zudem wird der größte Onlineshop der Welt für immer mehr Konsumenten zur ersten Anlaufstelle bei der Produktsuche. Daher ist es für Onlinehändler von großer Bedeutung, neben Google auch bei Amazon optimal gelistet zu werden. Um auch hier möglichst weit oben im Ranking zu erscheinen, gehört Amazon SEO zu den wichtigsten To-Do’s in 2017.

3. No-Line-Commerce

Aus Omni-Channel wird No-Line-Handel, die reibungslose Verknüpfung aller Kanäle. Der Kunde soll in jeder Phase seines Einkaufs nahtlos von online zu offline wechseln können – und umgekehrt. Da Verbraucher vor dem Kauf verstärkt online recherchieren, wird eine attraktive und gut strukturierte Bereitstellung von Informationen für Anbieter zum wichtigsten Teil ihrer Wertschöpfungskette. Ernsting’s family führte 2012 eine Studie durch, bei der die kostenlose Lieferung von Online-Bestellungen in die Filiale bei 30% der Abholungen zu Zusatzkäufen geführt hat.

4. Hyper Personalisierung

Wer sich von Wettbewerbern abheben will, kommt ohne personalisierte Kundenerfahrung nicht mehr aus. Der richtige Content muss zur richtigen Zeit an die richtige Zielgruppe kommuniziert werden. Produktempfehlungen im Shop oder Newsletter sollten passgenau auf die individuellen Kundenbedürfnisse zugeschnitten sein. Die Basis für eine personalisierte Ansprache bilden die Analyse und Auswertung von Daten und Aktivitäten der Kunden. Hierbei sind Treueprogramme eine gute Möglichkeit, um wertvolle Informationen zu sammeln und die Kundenbindung zu stärken. Mit einer entsprechenden Datenbasis werden zudem Predictive Analytics, mit denen Kundenbedürfnisse nicht nur befriedigt, sondern sogar vorhergesagt werden können, immer genauer.

5. Logistik

Auch auf der „letzten Meile“ erwarten Konsumenten Individualisierung und Transparenz. Eine Vielzahl an Zustelloptionen und –services wird zunehmend zum Standard. Bestellungen sollen in bestimmten Zeitfenstern erfolgen oder flexibel umgeleitet werden können. Status-Updates machen den Stand der Auslieferung einsehbar. Neben Flexibilität wird die Schnelligkeit immer wichtiger. Der aktuelle Trend bewegt sich in Richtung Same-Day-Delivery, insbesondere im wachsenden E-Food-Geschäft.

6.  Social Media

Social-Media-Plattformen entwickeln sich stetig weiter, weshalb entsprechende Marketing-Strategien laufend angepasst werden müssen. Unternehmen können Video-Storys und Live-Streams nutzen, um Kunden besser mit Informationen zu versorgen oder mit ihnen zu interagieren. Daher sollte man sich neben Facebook auch verstärkt mit Instagram, YouTube & Co. beschäftigen. Auf Basis von Unternehmenskooperationen werben „Influencer“ für Produkte oder veröffentlichen Gutscheincodes, welche ihr Publikum zum Kauf animieren sollen. Interessant sind außerdem Buy Buttons, die im Rahmen von Werbeanzeigen in soziale Netzwerke implementiert werden können und den Nutzer unmittelbar zur Produktseite weiterleiten.

7. Conversational Commerce

Künstliche Assistenzsysteme gewinnen zunehmend an Bedeutung. 60% der Online-Kunden vermissen laut Umfragen die persönliche Beratung. Diese soll mithilfe intelligenter Sprachsteuerung im Onlinehandel eingeführt werden. Mit Amazons Alexa und Co. wurden neue Nachfragewege entwickelt, auf die sich der Handel einstellen muss, nicht zuletzt mit entsprechenden SEO-Maßnahmen. Weiteres Potenzial steckt in „Chatbots“, die über Dienste wie den Facebook-Messenger mit Verbrauchern kommunizieren. Interessant ist, dass diese Systeme durch Machine Learning Verhaltensmuster erkennen und somit selbstständig dazulernen können. Es bleibt spannend, wie sich Conversational Commerce zukünftig weiterentwickelt.