Erfolg ist nicht planbar

Die Unternehmerin Sina Trinkwalder im Interview

Paul Forst Paul Forst

Unser Kamingespräch am 8. März war eine runde Sache. In exklusivem Ambiente auf Schloss Hugenpoet in Essen beschrieb die Unternehmerin Sina Trinkwalder in einem unterhaltsamen Vortrag, wie sie gegen die gängigen Regeln erfolgreich ihr eigenes Unternehmen etablierte, die Bekleidungsfirma „manomama“, die mit rund 150 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von etwa 10 Millionen Euro erwirtschaftet. Vor rund 50 begeisterten Gästen lieferte die Wirtschafts-Querdenkerin interessante Anregungen und sorgte für kontroverse Diskussionen.

Zur Person: Die vielfach ausgezeichnete Unternehmerin Sina Trinkwalder stellt in ihrer Bekleidungsfirma „manomama“ faire Textilien her, produziert regional und das ausschließlich mit Rohstoffen aus Deutschland. Im Interview nimmt sie zur Verwirklichung ihrer unternehmerischen Vision Stellung.

Ihr Motto lautet „Geht nicht gibt`s nicht“ - wie haben Sie auf dieser Basis ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut?

Sina Trinkwalder: Ich wollte eine Idee gegen alle Widerstände verwirklichen. Das war mein Antrieb, ein Bekleidungsunternehmen zu gründen. Unternehmertum ist für mich eine Kombination aus Mut, Engagement und einer Vision. Als ich 2010 „manomama“ gründete, hatte ich weder Ahnung vom Nähen noch von Textilien, aber der Glaube an sich selbst kann bekanntlich Berge versetzen. Es gilt, Dinge auch dann anzupacken, wenn die Situation völlig ausweglos erscheint. In meinem Falle beispielsweise im Hinblick auf neue Investitionen in Maschinen oder die plötzlich auftauchenden Probleme wie die Kommissionierung der fertigen Ware, die wir seinerzeit völlig vergessen hatten. Auch der Wille, ein Ziel so lange zu verfolgen, bis es wirklich erreicht ist, gehört dazu. Das meine ich mit „Geht nicht, gibt`s nicht.“

Wie würden Sie Ihre Vision, die hinter „manomama“ steht, beschreiben?

Sina Trinkwalder: Es kommt darauf an, eine Idee zu verwirklichen, auch wenn sie außergewöhnlich ist. An einem deutschen Standort ein Bekleidungsunternehmen aufzubauen, regional zu produzieren und Langzeitarbeitslose einzustellen - bei so einer Vision hätte jeder Unternehmensberater gleich den Daumen gesenkt. Gründer sollten nicht nur zu 100, sondern zu 1.000 Prozent hinter ihrer Idee stehen, dann klappt es auch. Wobei ich zugestehe, dass uns hierzulande - anders als etwa in den USA - eine Kultur des Scheiterns fehlt, also dass man auch einmal auf die Nase fallen darf, ohne gleich dafür abgestempelt zu werden. Mein Credo lautet: Nicht nachdenken, nicht abwägen - machen. Man darf hinfallen, man muss aber wieder aufstehen.

Lässt sich ein Unternehmen wirklich ohne Business Plan gründen?

Sina Trinkwalder: „manomama“ ist komplett eigenkapitalfinanziert. Ich habe noch nie einen Business Plan geschrieben. Es hat also niemanden gestört. Ich erinnere gerne an die Verleihung des karmakonsum-Awards, den wir 2010 erhalten haben, die Jury bestand aus Bankern, die das Fehlen des Businessplans eher respektvoll zur Kenntnis genommen haben. Dies ist übrigens schon mein zweites Unternehmen, das ich ohne Business Plan gegründet habe. Im Übrigen machen Business Pläne auch deshalb keinen Sinn, weil Unternehmer sich ständigen Veränderungen und neuen Herausforderungen stellen müssen.

Erfolg ist also nicht planbar?

Sina Trinkwalder: Der Erfolg eines Unternehmens lässt sich nicht am Reißbrett entwerfen. Schauen Sie sich nur den rasanten Wandel auf den Märkten an, den wir gegenwärtig erleben. Das Konsumentenverhalten verändert sich quasi von heute auf morgen, Konzepte, die gestern noch erfolgreich waren, werden immer schneller über den Haufen geworfen. Ein Langfristplan bringt also gar nichts. Ich sage immer: Alles
wird gut, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht fertig.

Wie gelingt es Ihnen, erfolgreich zu sein?

Sina Trinkwalder: Ich messe den Zweck des Unternehmertums nicht am finanziellen Erfolg. Erfolg heißt für mich, etwas für die Gesellschaft zu tun. Zum Beispiel, Menschen wieder eine Perspektive zu geben, indem ich ihnen einen Zugang zum Arbeitsmarkt verschaffe, der ihnen sonst nicht offen gestanden hätte. Natürlich muss mein Unternehmen dazu langfristig finanziell auf gesunden Füßen stehen, aber dafür reicht mir die schwarze Null.

Wie sehen Ihre nächsten Ziele aus?

Sina Trinkwalder: Das wird die Zukunft zeigen.

Vielen Dank für das Gespräch.