Ausweitung der internationalen Leasingbilanzierung

Was Sie über den neuen IFRS 16 wissen müssen

Dr. Jens Brune Dr. Jens Brune

Anwender der International Financial Reporting Standards (IFRS) müssen sich darauf einstellen, dass künftig mehr Miet- und Leasingverhältnisse in der Bilanz auszuweisen sind, zumindest dann, wenn der Abschlussersteller Leasingnehmer ist. Nach knapp zehnjähriger Projektdauer hat der International Accounting Standards Board im Januar 2016 den Standard IFRS 16 „Leasingverhältnisse“ veröffentlicht, der dazu führen wird, dass künftig weniger Leasingverhältnisse off balance ausgewiesen werden können. Dagegen ändert sich die Leasinggeberbilanzierung durch den neuen Standard nicht.

Nach den bisher geltenden Regelungen des IAS 17 haben Leasingnehmer eine Miet- oder Leasingvereinbarung danach zu klassifizieren, ob es sich um ein operatives Leasingverhältnis oder eine Finanzierungsleasing handelt. Nur letztere führen zu einem Bilanzansatz durch die Aufnahme des Leasinggegenstands und die Passivierung einer entsprechenden Leasingverbindlichkeit. Operative Leasingverhältnisse sind bisher nicht zu bilanzieren, was bei einigen Leasingnehmern zu einem erheblichen off-balance-Leasingpotenzial geführt hat.

Wesentliches Ziel des IASB-Projekts zur Überarbeitung der Leasingbilanzierung war es deshalb, die Unterscheidung zwischen den beiden Leasingtypen zu beenden und sämtliche wesentliche Leasingvereinbarungen auch bilanziell abbilden zu lassen. Entsprechend legt IFRS 16 fest, dass für grundsätzlich alle Miet- und Leasingvereinbarungen ein Nutzungsrecht zu aktivieren und eine Leasingverbindlichkeit zu passivieren ist. Das Nutzungsrecht ist über die Mietdauer abzuschreiben, die Leasingraten sind in eine Zins- und Tilgungskomponente aufzuteilen. Erstere geht in das Finanzergebnis ein, letztere reduziert im Zeitablauf die Leasingverbindlichkeit. Damit entspricht die Vorgehensweise konzeptionell derjenigen, die bisher nur für Finanzierungsleasingverhältnisse anzuwenden war. Über diese grundsätzliche Neuausrichtung hinaus enthält der Standard noch zahlreiche Detailänderungen. Außerdem werden umfangreichere Angaben zu Miet- und Leasingverhältnissen verlangt.

Die Bilanzwirksamkeit aller Miet- und Leasingverhältnisse wurde von vielen Leasingnehmern aus Kosten-Nutzen-Überlegungen und von der Leasingindustrie aus grundsätzlichen Gründen während der Projektdauer scharf kritisiert. Deshalb gestattet der Standard zwei Ausnahmen von der Bilanzierungspflicht. Sie gilt nicht für kurzfristige Leasingvereinbarungen, bei denen die Laufzeit weniger als zwölf Monate beträgt, und auch nicht für solche Vereinbarungen, die Vermögenswerte mit geringem Wert betreffen. Hierbei geht der IASB von einem Wert von ca. 5.000 USDollar pro Leasingverhältnis aus. Bei beiden Ausnahmen kann die Erfassung im IFRS-Abschluss so erfolgen, wie dies bei den bisherigen operativen Leasingverhältnissen möglich war.

Die neuen Regelungen sollen für Geschäftsjahre ab 2019 verpflichtend anzuwenden sein. In der Europäischen Union muss der Standard zuvor noch  anerkannt werden.

Praxistipp

Ungeachtet dieses auf den ersten Blick langen Zeithorizonts sind IFRS-Anwender gut beraten, sich zeitnah mit den Anforderungen des neuen Standards auseinanderzusetzen, da die Implementierung der neuen Regelungen in vielen Fällen auch in Unternehmensbereiche außerhalb des Rechnungswesens  Änderungen zur Folge haben können. So können Anpassungen im Vertragscontrolling ebenso notwendig werden wie Änderungen in der IT-Infrastruktur. Gerade bei umfangreicher Nutzung von Leasingkonstruktionen erscheint die Zeit bis zur Pflichtanwendung dann gar nicht mehr so lang.