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International Business Report

Exportweltmeister Deutschland schwächelt

Michael Häger Michael Häger

Deutsche Wirtschaft weniger optimistisch

Griechenland, Irland und Italien im Aufwind

Politische Unsicherheiten drücken Stimmung

Deutsche Unternehmen bewerten die Aussichten für Wachstum und wirtschaftliche Weiterentwicklung zunehmend pessimistisch. Das ist das Ergebnis des von Warth & Klein Grant Thornton veröffentlichten International Business Reports (IBR), einer Umfrage unter Führungskräften von rund 2.500 mittelständischen Unternehmen in 36 Ländern für das 3. Quartal 2017.

Lediglich 68% der befragten deutschen Unternehmen blicken  mit Optimismus in die Zukunft. Im vorigen  Quartal waren es noch 76%.

Vor allem die Chancen auf steigende Exportzahlen werden kritisch gesehen: Nur 20% der Unternehmen kommen hier zu einer positiven Bewertung – ein schlechtes Ergebnis für den „Exportweltmeister Deutschland“.

Zu diesem Wert tragen sicherlich auch die Sorgen der exportorientierten Wirtschaft zur geschäftlichen Entwicklung mit China bei, traditionell eines der Schlüsselländer deutschen Exports. Hinzu kommen Unsicherheiten die auch in einer zunehmenden weltpolitischen Instabilitätgesehen werden..

„Wenn die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft hier mit einer schwierigen Entwicklung rechnet, gibt dies schon Anlass zur Sorge“ so Joachim Riese, Vorstandsvorsitzender und CEO von Warth & Klein Grant Thornton. „Auch wenn die deutschen Unternehmen im internationalen Vergleich noch Optimismus ausstrahlen, muss diese Entwicklung umsichtig beobachtet werden.“

Entsprechend der insgesamt gedämpften Stimmung rechnen auch lediglich 49% der deutschen Unternehmen mit einem Umsatzwachstum, gegenüber noch 74% im Vorquartal.

Und auch die übrigen Ergebnisse der Umfrage bieten aus deutscher Sicht wenig Anlass zur Freude: Nur 29% der deutschen Unternehmen rechnen mit steigenden Gewinnen. Zum Zeitpunkt der vorherigen Befragung waren es noch 54%.

Die Bereitschaft zu Neueinstellungen liegt mit 26% (44% im letzten Quartal) bei einem auffallend niedrigen Wert, ebenfalls ein Indikator für gedämpfte Zukunftserwartungen.

Grant Thornton International Business Report Survey Q3/Q2:

Ergebnisse im Überblick

 

 

Deutschland

Eurozone

Global

Optimismus-Index

68/76

57/58

49/51

Umsatzwachstum

49/74

51/57

50/56

Exportwachstum

20/31

22/26

17/19

Gewinnwachstum

29/54

38/48

42/47

Neueinstellungen

26/44

26/35

35/36

 

Wirtschaftsoptimismus weltweit intakt

Der aus dieser Studie abgeleitete Optimismus-Index notiert weltweit einen leicht reduzierten Wert von 49% gegnüber dem  Allzeithoch von 51% im letzten Quartal.

Die europäischen Unternehmen bewegen sich mit 57% auf einem nach wie vor hohen Niveau.

Amerikanische Unternehmen werden zunehmend pessimistischer: Zwar beurteilen solide 70% die Wirtschaftsaussichten positiv, gegenüber dem Wert von 81% im vergangenen Quartal verlieren sie jedoch 11 Prozentpunkte.

Eurozone im Aufwind

In Europa führen Finnland mit 92%, die Niederlande mit 88% und Österreich mit 83% das Optimismus-Ranking an, Deutschland folgt mit 68% auf Platz 4.

Während deutsche Unternehmen also eher kritisch die verschiedenen Parameter wirtschaftlicher Entwicklung sehen, beeindruckt die Eurozone mit vergleichsweise guten und stabilen Werten.

Besonders bei den ökonomisch eher schwächeren Ländern der Eurozone gibt es eine positive Einschätzung der Wirtschaft. Italien blickt mit 48% gegenüber 34% im letzten Quartal deutlich zuversichtlicher in die Zukunft und auch irische Unternehmen sind mit 64% gegenüber 60% im 3. Quartal hoffnungsvoll eingestellt.

Joachim Riese sieht die Eurozone denn auch als Motor für eine wirtschaftliche Weiterentwicklung: „Die Ergebnisse des IBR unterstreichen, wenn auch graduell unterschiedlich, den Glauben der europäischen Unternehmen an ihre Wettbewerbsfähigkeit. Die wirtschaftliche Erholung in Griechenland, Irland und Italien passt zu dieser Einschätzung und ist ein gutes Signal für alle übrigen Mitglieder der EU, aber auch darüber hinaus.“

Politische Unsicherheiten bleiben

Schlechte Stimmung herrscht dagegen im Vereinigten Königreich. Hier hinterlassen die Brexitverhandlungen deutliche Spuren: Nur 9% der britischen Unternehmen sind noch optimistisch hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Aussichten – 13% weniger als im ohnehin schon schwach bewerteten 2.Quartal 2017.

Neben den genannten Gründen für die negative  Stimmung bei den britischen Unternehmen drückt aber auch beispielsweise die Unsicherheit über die Entwicklung in Katalonien auf die Stimmung: so fiel der Optimismus-Index in Spanien von 70% im letzten Quartal um satte 25 Prozentpunkte auf nunmehr 45%.

In Deutschland erwarten die Unternehmen  nach der Bundestagswahl eine wirtschaftsfreundlichere Politik: Rund 39% der befragten deutschen Manager  wünschen sich eine stärkere politische Unterstützung durch die Bundesregierung.

Über Warth & Klein Grant Thornton

Warth & Klein Grant Thornton gehört zu den zehn größten deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Rund 900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen an 10 Standorten in Deutschland neben börsennotierten Unternehmen den großen Mittelstand. Schwerpunkte der Arbeit der Gesellschaft sind Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Rechtsberatung sowie Corporate Finance & Advisory Services. Die Gesellschaft berät weltweit im Netzwerk von Grant Thornton mit rund 47.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an mehr als 700 Standorten in über 130 Ländern.

Über den IBR:

Der „IBR-International Business Report“ von Warth & Klein Grant Thornton befragt mittelständische Unternehmen aus allen Branchen und Industriezweigen. Die Daten für die aktuelle Veröffentlichung basieren auf Interviews mit 2.500 Vorstandsvorsitzenden, Geschäftsführern oder anderen Führungskräften aus 36 Volkswirtschaften weltweit.

Ihr Ansprechpartner für Rückfragen:

Karl-Heinz Heuser
Telefon: + 49 221 397 503-50
Email: kh.heuser@heuser-kommunikation.de
für Warth & Klein Grant Thornton

www.wkgt.com