Rechnungslegung

Neue Richttafeln für Pensionsrückstellungen

Hermann-Josef Schulze Osthoff Hermann-Josef Schulze Osthoff

Der Beitrag wurde verfasst von Hermann-Josef Schulze Osthoff, Senior Partner der Warth & Klein Grant Thornton AG und Dr. Sandra Kuhn, Senior Manager Qualitätssicherung/Grundsatzfragen der Warth & Klein Grant Thornton AG.

Am 20. Juli 2018 hat die Heubeck AG die neuen Richttafeln 2018 G veröffentlicht, die die bisherigen Richttafeln aus dem Jahr 2005 ablösen.

Die neuen Zahlen basieren auf aktuellen Statistiken der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung sowie des Statistischen Bundesamtes und spiegeln die jüngsten Entwicklungen bei Sterblichkeits-, Invalidisierungs-, Verheiratungs- und Fluktuationswahrscheinlichkeiten wider. Auf dieser Datengrundlage hat die Heubeck AG festgestellt, dass sowohl die Sterblichkeit als auch die Invalidisierung in den vergangenen Jahren zurückgegangen sind. Zudem werden erstmals sozioökonomische Faktoren in der Weise berücksichtigt, dass bei Arbeitnehmern mit einem höheren Alterseinkommen eine nachgewiesene höhere Lebenserwartung durch pauschale Abschläge auf die Sterblichkeit berücksichtigt wird. Insbesondere die Erhöhung der Lebenserwartung führt dazu, dass die Kosten der betrieblichen Altersversorgung ansteigen.

Die neuen Tabellen haben unmittelbare Auswirkungen auf die Pensionsrückstellungen nach HGB, IFRS, US GAAP und in der Steuerbilanz. Insgesamt ist davon auszugehen, dass der Rückstellungsbedarf nicht so gravierend ausfallen wird, wie bei Umstellung auf die Richttafeln 2005. Der Anstieg der Pensionsrückstellungen dürfte ersten Einschätzungen zufolge in der Größenordnung zwischen 0,8 bis 1,5 % (Steuerbilanz) bzw. 1,5 bis 2,5 % (HGB und internationale Rechnungslegungsgrundsätze) liegen (Quelle: www.mercer.de). Die konkreten Auswirkungen sind jedoch abhängig von der Bestandszusammensetzung, dem Rechnungszins und anderen Bewertungsannahmen sowie den jeweiligen Versorgungsregelungen des Unternehmens.

Laut Pressemeldung sind die neuen Richttafeln so beschaffen, dass sie grundsätzlich für die Bewertung von Pensionsverpflichtungen nach steuerlichen, handelsrechtlichen und internationalen Grundsätzen geeignet sind.

Es ist davon auszugehen, dass das Bundesfinanzministerium (BMF) die neuen biometrischen Rechengrundlagen für die steuerliche Bewertung von Pensionsverpflichtungen anerkennen und hierzu noch vor der nächsten Bilanzsaison ein entsprechendes BMF-Schreiben veröffentlichen wird. Dieses ist Voraussetzung für die Verwendung der neuen Richttafeln in der Steuerbilanz. Die erstmalige Anwendung der neuen Richttafeln in HGB- und IFRS-Abschlüssen wird derzeit in den berufsständischen Fachgremien noch erörtert.

Wir werden Sie über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halten.

Zur Pressemitteilung der Heubeck AG