Maschinen- und Anlagenbau

Herausforderungen bei internationalen Transaktionen

Rainer Wilts Rainer Wilts

In der jüngeren Vergangenheit machten im Maschinen- und Anlagenbausektor insbesondere ausländische Investoren mit Transaktionen in Deutschland auf sich aufmerksam. So wurde Anfang 2016 die KraussMaffei Group für fast 1 Mrd. Euro von dem staatlich, chinesischen Unternehmen China National Chemical Corporation (ChemChina) erworben. Ebenfalls in diesem Zusammenhang zu nennen ist der viel beachtete Zusammenschluss der ehemaligen Gildemeister AG mit dem japanischen Unternehmen Mori Seiki. Aktuell will der chinesische Haushaltsgerätehersteller Midea seine Anteile am Roboterbauer Kuka aufstocken. Gleichzeitig drängen jedoch auch deutsche Maschinen- und Anlagenbauer zunehmend ins Ausland. So erwarb z.B. in 2015 die Schuler AG, eine Tochter des Anlagenbauers Andritz, die Mehrheit an dem chinesischen Werkzeugmaschinenbauer Yangzhou Metal Forming Machine Tool Co., Ltd. (Yadon).

Globale Transaktionstreiber sind hierbei neben der strategischen Marktexpansion und der von Kundenseite geforderten Nähe zu Absatzmärkten, der Zugang zu neuen Technologien und das Heben von Synergieeffekten in der Wertschöpfungskette. Alle Faktoren zusammen dienen der langfristigen Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit.

Internationale Transaktionen stellen Unternehmen und Ihre Berater vor besondere Herausforderungen, die es gemeinsam zu lösen gilt. In der Folge möchten wir daher gerne genauer auf die Problemstellungen bei internationalen Transaktionen eingehen und den umfangreichen Erfahrungsschatz unserer internationalen GT Kollegen im Transaktionsgeschäft mit Ihnen teilen.

Sprachbarrieren und Kulturunterschiede

Transaktionsrelevante Dokumente wie Jahresabschlüsse und Vertragsunterlagen sind bei Zielunternehmen regelmäßig nur in lokaler Sprache vorhanden – auch die Unternehmens- bzw. Verhandlungssprache ist bei mittelständisch geprägten Unternehmen oftmals nur die Sprache des Sitzlandes. Für deutsche Maschinen- und Anlagenbauer, deren Mitarbeiter nicht über die notwendigen Sprachkenntnisse verfügen, bieten lokale Berater bei internationalen Transaktionen im besonderen Maße Vorteile. Neben der sprachlichen Barriere gilt es zudem auch kulturelle Differenzen zu überbrücken, um Verhandlungssituationen richtig einschätzen und erfolgreich abschließen zu können. Berater agieren hierbei mitunter als „Übersetzer“ aber auch als Mediator und tragen so zu einem erfolgreichen Transaktionsprozess bei.

Datenqualität & -vergleichbarkeit

Finanzinformationen die im Rahmen von Transaktionsprozessen zur Verfügung gestellt werden, weisen aufgrund international unterschiedlicher Buchführungspflichten bzw. Kriterien für die Abschlussprüfung eine im Vergleich zu deutschen Verhältnissen zum Teil deutlich abweichende Datenqualität auf. Hierbei gilt es die Aussagekraft und die Verlässlichkeit der zur Verfügung gestellten Daten genau zu analysieren und einzuschätzen.

Gleichzeitig kann es allein aufgrund unterschiedlicher Rechnungslegungssysteme (in Deutschland HGB bzw. IFRS versus lokale Rechnungslegung) zu Einschränkungen hinsichtlich der Vergleichbarkeit von Zahlenwerken kommen. Vor dem Hintergrund der branchentypischen Langfristfertigung ist dies für Maschinen- und Anlagenbauer von hoher Relevanz. Auswirkungen auf Höhe und zeitliche Verschiebung von Umsatzerlösen, Kosten und Ergebnissen inklusive der Möglichkeit entsprechender Bilanzpolitik sind im Rahmen des Transaktionsprozesses qualitativ und quantitativ zu würdigen.

Rechtliche Verhältnisse

Neben finanziellen Sachverhalten liegt bei internationalen Transaktionen natürlich auch ein besonderes Augenmerk auf den lokalen rechtlichen Verhältnissen. Um hier keine Überraschungen nach Transaktionsabschluss zu erleben, ist es für Unternehmen unabdingbar ein vollständiges Bild der lokalen steuerlichen und rechtlichen Gegebenheiten zu erhalten. Hierbei sollte man auf lokale Berater die auch in der Folge noch als Ansprechpartner dienen können nicht verzichten.