Einigung bei Erbschaftsteuer steht kurz bevor

Schenken und Vererben werden bald teurer

Nach monatelangen Verhandlungen steht die große Koalition offenbar kurz vor einer Einigung bei der Erbschaftsteuer. Der neue Gesetzesentwurf wird im Laufe der nächsten Wochen der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die schlechte Nachricht für Unternehmer: Schenken und Erben wird in Zukunft definitiv teurer und komplizierter. Die beteiligten Regierungsparteien CDU, CSU und SPD halten am Verwaltungsvermögenstest fest und wollen nur da verschonen, wo reines "produktives" Vermögen gegeben ist. Geld, Kunst, Grundstücke, Oldtimer und Wertpapiere zählen grundsätzlich nicht hierzu. Demnach will man sich unter anderem auf folgende Änderungen gegenüber dem bisherigen Regierungsentwurf verständigen:

Auf Wunsch der Union soll eine Investitionsklausel ins Erbschaftsteuergesetz aufgenommen werden. Nach dem "Finanzmitteltest" können auch liquide Mittel als Verwaltungsvermögen gelten. Anders als Betriebsgrundstücke und Maschinen kommen diese dann nicht in den Genuss der Verschonungsregel, die in der Erbschaftsteuer dem Erhalt von Arbeitsplätzen dient. Wenn künftig liquide Mittel kurz nach einer Erbschaft oder Schenkung investiert werden, soll das Geld anders als bisher eingestuft werden. Damit soll vermieden werden, dass schwankende Liquiditätsreserven sich erbschaftsteuerlich negativ auswirken. Grundsätzlich soll es aber auf Wunsch der Länder - anders als im Regierungsentwurf vorgesehen - bei der bestehenden Abgrenzung zwischen verschonungswürdigem und nichtverschonungswürdigem Vermögen bleiben.

Auch soll künftig der Unternehmenswert anders berechnet werden. Im vereinfachten Ertragswertverfahren soll in Zukunft ein höherer Risikofaktor berücksichtigt werden. Im Ergebnis würde damit aus den Gewinnen der vergangenen Jahre ein geringerer Wert abgeleitet. Wirtschaftsvertreter hatten kritisiert, dass das vereinfachte Ertragswertverfahren in der aktuellen Niedrigzinsphase zu unrealistisch hohen Unternehmenswerten führt. Für Anteile an Familienunternehmen, die Verfügungsbeschränkungen unterliegen, soll es künftig einen Abschlag vom Verkehrswert geben - dafür aber keinen gesonderten Grenzwert für die Bedürfnisprüfung. Die Erhöhung ist allerdings marginal und führt weiter zu deutlichen Überbewertungen, da der Vervielfältiger, mit dem der durchschnittliche Gewinn multipliziert wird, immer noch bei rund 14 liegt (vorher bis zu 18!).

Auf Drängen der SPD soll es bei der Bedürfnisprüfung für große Familienunternehmen bleiben. Beträgt das begünstigte Vermögen, das geerbt oder geschenkt wird, mehr als 26 Millionen Euro pro Erbe, erfolgt eine Bedürfnisprüfung. Die Firmenerben müssen dann – aus allem Vermögen, dass nicht produktiv ist - die Hälfte zur Begleichung der Schenkung-/Erbschaftsteuer einsetzen. Kann der Beschenkte/Erbe aufgrund gesellschaftsvertraglicher Regeln nur eingeschränkt auf Firmenanteile zugreifen, soll ein höherer Schwellenwert gelten. Des Weiteren wird es alternativ – für den Fall, dass das Privatvermögen nicht offengelegt wird - ein so genanntes Abschmelzungsmodell geben: Das bedeutet: Je höher das Betriebsvermögen, desto geringer der Verschonungsabschlag. Nach Berichten soll das Abschmelzmodell gravierend geändert worden sein: Demnach soll die Verschonung schneller mit der Größe des Unternehmensvermögen sinken – und soll im Ergebnis sogar bis auf null absinken können.

Nähere Informationen zum bisherigen Regierungsentwurf finden Sie hier.

Praxishinweis

Es dürfte nun feststehen, dass Erben und Vererben in Zukunft erheblich teurer wird. Der schlimmste Fall wäre unter Umständen der, dass kein neues Gesetz vorliegt. Dann wäre nämlich nichts begünstigt. Es greift das komplette Erbschaftsteuergesetz ohne die bisherigen Vergünstigungen. Insbesondere Familienunternehmer oder der inhabergeführte Mittelstand sind die Verlierer der Reform. Alle Unternehmer, die über die Übertragung von betrieblichen Vermögenswerten nachdenken, müssen jetzt handeln! Ihnen bleiben nur noch gut vier Monate, um die attraktiven Verschonungsregelungen nach aktuellem Recht in Anspruch nehmen zu können. Ihnen muss klar sein, dass der Anfall von Erbschaftsteuer nur bedingt planbar ist, aber zu erheblichen Liquiditätsbelastungen führen kann. Daher sollte das immer kleiner werdende Zeitfenster bis zum Inkrafttreten der Reform jetzt unbedingt genutzt werden, um das weitere Vorgehen mit einem Berater abzustimmen. Warth & Klein Grant Thornton steht Ihnen dafür als Ansprechpartner zur Verfügung. Gerne analysieren wir Ihre persönliche Situation und unterstützen Sie dabei, eine zielführende Vorgehensweise zu entwickeln.

Veranstaltungstipp

Im Hinblick auf die anstehende Reform möchten wir Ihnen die Veranstaltung "Nachfolgeplanung – so schaffen Sie Mehrwerte" besonders ans Herz legen: Am 27. April 2016 beleuchten wir auf einen interdisziplinären Expertengespräch, wie durch eine zielführende Nachfolgeplanung nicht nur privat, sondern auch für ein Unternehmen Mehrwerte geschaffen werden können. Experten aus den Bereichen Tax, Legal und Banking zeigen auf, welche Handlungsoptionen Sie jetzt ins Auge fassen sollten. Die hochkarätige Veranstaltung bietet Ihnen die einmalige Möglichkeit, die Weichen für Ihren Nachfolgeprozess richtig zu stellen.

Wann: 27. April 2016, ab 17.00 Uhr

Wo: Warth & Klein Grant Thornton AG, Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Johannstraße 39, 40476 Düsseldorf

Näheren Informationen zu der Veranstaltung finden Sie hier.

Bei Interesse: angelika.immel@wkgt.com

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