Worauf Unternehmer achten sollten

Due Diligence bei Automobil-Zulieferern

Tobias Kluth Tobias Kluth

Die Zulieferindustrie steht wirtschaftlich gut da. So lautet das Fazit einer aktuellen Branchenstudie, in der McKinsey und der europäische Automobilzuliefererverband CLEPA 100 der weltweit größten Automobilzulieferer analysiert haben. Die zentralen Ergebnisse der Studie: Die 100 weltweit größten Zulieferer erwirtschafteten im vergangenen Jahr eine Rendite von durchschnittlich 6,8 Prozent. Dies sind rund zwei Prozentpunkte mehr als vor der Wirtschaftskrise 2008/09. Der Gesamtumsatz der Branche stieg seit dem Jahr 2007 von 900 Milliarden auf aktuell 1,4 Billionen Euro. Das entspricht einem jährlichen Wachstum von sechs Prozent. Gleichwohl ist auch in der Automobilzuliefererindustrie eine kontinuierliche Konsolidierung bzw. Erschließung von weiteren Wachstumspotenzialen durch Unternehmenszusammenschlüsse festzustellen, sodass Betriebe sich unweigerlich auch mit Unternehmenstransaktionen bzw. deren Ausprägungen wie Erwerben, Veräußerungen, Joint Ventures und Carve Outs auseinandersetzen sollten.

Nach unseren Beobachtungen aus der Beratung von globalen Automobilherstellern (OEM) sowie zahlreichen Zulieferfirmen, haben sich in den letzten Jahren wesentliche Spezifika und Spannungsfelder herausgebildet, die bei Unternehmenstransaktionen in der Automobilzuliefererindustrie regelmäßig intensiv geprüft werden. Bei jeder Transaktion gilt: Entscheidend ist eine gute Vorbereitung. In Teil II unseres Beitrags stellen wir weitere Analyseschwerpunkte für Due Diligence-Prüfungen bei klassischen Zuliefererbetrieben vor, auf die gerade mittelständisch geprägte Unternehmen im Automotive-Bereich unbedingt beachten sollten.

Rohstoffe

Ob für Energie (Öl, Gas, Strom) als sekundärer Rohstoff oder primäre Rohstoffe (zum Beispiel Öl, Kunststoff, seltene Erden) zur direkten Verarbeitung in einem Produkt, die letzten Jahre waren über viele der jeweiligen Beschaffungsmärkte von einer starken Preisvolatilität geprägt. Während Preisgleitklauseln zwar aus Zulieferersicht adverse Margeneffekte vermeiden bzw. mindern können, sieht sich jedoch der typische mittelständig geprägte Zuliefererbetrieb oftmals noch den üblichen jährlichen Preisverhandlungsrunden gegenüber. Je nach Marktmacht gegenüber den eigenen Rohstofflieferanten sind die aus solchen Verhandlungsrunden resultierenden Ergebnisse im Regelfall nur sehr schwer zu prognostizieren, sowohl bezogen auf die Höhe einer potenziellen Ersparnis als auch auf den zeitlichen Effekt. Daneben besteht von der Preisentwicklung unabhängig auch für Zulieferer selbst immer das Thema Supply Chain Compliance bzw. Business Partner Screening. Analyseschwerpunkte:

  • Sind Rohstoffe ein wesentlicher Einsatzfaktor in der Wertschöpfung des Zulieferers?
  • Wie ist die Versorgungssicherheit und die Marktmacht des Zulieferers zu beurteilen?
  • Bestehen Wechselkursrisiken?
  • Werden Konfliktmineralien verarbeitet?
  • In welchem Umfang bestehen Preisgleitklauseln und wie sind diese in der Planung verarbeitet?
  • Berücksichtigen das Kostenrechnungssystem und die Bestandsbuchhaltung Preisvolatilitäten bei RfQs (Request for Quotation) ausreichend?

Werkzeuge (Tooling)

Die Behandlung von Werkzeugkosten in der Automobilindustrie kann getrost als Mysterium bezeichnet werden. Nicht nur aus handelsbilanzieller Sicht, sondern auch in einer gesamtfinanzwirtschaftlichen Betrachtung variiert die Behandlung von Werkzeugkosten je nach Art der zugrunde liegenden Vereinbarung schon bei einem einzigen Zuliefererbetrieb mitunter deutlich. Von der sofortigen und vollständigen Übernahme der Werkzeugkosten durch den OEM bei Werkzeuganschaffung durch den Zulieferer, bis zur vereinbarten Amortisation über den Teilepreis und damit die Serienlaufzeit sind hier viele Gestaltungen möglich, die alle einen unterschiedlichen Effekt auf die Ertragsstruktur und - noch viel wichtiger - das Cash-Management eines Zulieferers haben können. Analyseschwerpunkte:

  • Wer ist rechtlicher bzw. wirtschaftlicher Eigentümer der aktuellen Werkzeuge?
  • Wie erfolgt die Finanzierung neuer Werkzeuge und welcher Effekt ergibt sich daraus für den Cash Flow?
  • Bestehen ausreichend Fazilitäten, um - mitunter erheblichen - Zwischenfinanzierungsbedarf zu decken?
  • Lässt sich die handelsbilanzielle Abbildung der Werkzeugkosten und -amortisation zu den vertraglichen Vereinbarungen abstimmen und steht in Einklang mit den verwendeten Rechnungslegungsvorschriften?

Internationalisierung

Unbeschadet von den Unsicherheiten deutscher Exporteure nach den Konjunktursorgen um China und der Yuan-Abwertung im August 2015, ist der gesamte asiatische Raum für die deutsche Automobilindustrie nicht nur in den letzten Jahren einer der wesentlichen Wachstumsmotoren gewesen. Diesem Trend können sich entsprechend auch deutsche Zulieferer nicht entziehen. Sei es, um ihren Kunden (OEMs) auf deren Nachfrage bzw. Drängen hin auch mit eigenen Standorten nach Fernost zu folgen, oder aber um selber neue Wachstumspotenziale zu erschließen. Die Fülle der steuerlichen, rechtlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen und Fragestellungen einer solchen Internationalisierung stellt die oftmals mittelständisch geprägten deutschen Zuliefererbetriebe mitunter vor enorme Herausforderungen. Analyseschwerpunkte:

  • Welcher Organisationsgrad (eigene Tochtergesellschaft, Joint Venture, Partnerschaft) ist für die konkrete Internationalisierungsstrategie geeignet?
  • Verspricht die Bindung an einen OEM im Ausland das notwendige Umsatz- und Ertragspotenzial, um die Investitionen zu verdienen?
  • Sind steuerliche oder (zoll-)rechtliche Vorschriften im Wertschöpfungsprozess zu beachten, etwa hinsichtlich Knocked Down/Local Content-Vorgaben, Konsignationslagern oder der Entsendung von Mitarbeitern?
  • Wie lassen sich Know How und geistiges Eigentum schützen?
  • Bestehen Kapitalverkehrsvorschriften, die konzerninterne Finanzierungen oder Gewinnausschüttungen beschränken?

Praxishinweis

Neben den von uns kurz beleuchteten Aspekten spielen bei jeder Transaktion natürlich auch darüber hinaus gehende operative und strategische Treiber, sowie Fragen der Finanzierung und der erwarteten Rendite eine bedeutende Rolle. Gerne stehen wir Ihnen hier als Partner für alle diese Schritte im Transaktionsprozess zur Verfügung. Lassen Sie sich von uns und der Leistungsfähigkeit unseres internationalen Netzwerks überzeugen und sprechen Sie unser „Automotive“-Team an.

Lesen Sie hier Teil I