Immer mehr mittelständische Unternehmen in Deutschland nutzen bereits vollumfängliche Business (BI) Intelligence Softwarelösungen. Diese ermöglichen einen vollständigen Blick auf die Unternehmensdaten, wodurch bessere Geschäftsentscheidungen getroffen werden können. Eine BI extrahiert dabei Fakten und transformiert Daten in aussagekräftige und verlässliche Informationen. Unser Experte Dennis Keßel erläutert die Vorteile, die BI-Lösungen im Rahmen von Financial Due Diligence Prozessen bieten können.

Wie kann eine bestehende BI-Lösung einen positiven Beitrag in M&A Prozessen und somit auch für die Transaktionsentscheidung leisten?

Wenn ein Target-Unternehmen bereits ein BI-System implementiert hat, bietet sich im Rahmen von Unternehmenstransaktionen die Möglichkeit, dem Due Diligence Team einen direkten Zugriff auf dieses System zu gewähren. Die Berater der Käuferseite können so direkt auf bestehende interaktive Dash Boards (online-basierte und häufig visuell unterstützte Darstellung aggregierter Unternehmensdaten mit der Möglichkeit Finanzkennzahlen und Key Performance Indicators selektiv nach gewünschten Auswahlkriterien und Zeiträumen auf unterschiedlichen Aggregationsebenen zu betrachten) des Transaktionsunternehmens zugreifen. Dies ermöglicht den Einbezug von Big Data (beispielsweise durch den Einbezug alternativer beziehungsweise nicht rein finanzieller Informationen und Datenquellen) in die Transaktionsanalyse. Dies wiederum ermöglicht die Ableitung der tatsächlichen Werttreiber als auch die Identifikation von „Wertvernichtern“ (zum Beispiel Kunden oder Produkte mit negativen Deckungsbeiträgen oder die Identifikation einzelner stark gestiegener Vormaterialien), die sonst möglicherweise auf einem höheren Aggregationslevel der Analysedaten unerkannt geblieben wären.

Aus wettbewerbsrechtlicher Sicht kann der Zugriff dabei auf externe Berater der Käuferseite beschränkt sein. Die externen Financial Due Diligence Teams (häufig Wirtschaftsprüfungsgesellschaften) übernehmen hier die Funktion eines vertraulichen Gutachters (sogenannte Green Teams) und berichten die gewonnenen Erkenntnisse wiederum nur auf aggregierter Ebene an den beauftragenden Kaufinteressenten.

Ein bestehendes BI-System kann dabei auch bereits der Erstellung von Verkaufsunterlagen (wie Informations-Memoranden, Vendor Due Diligence Berichte und Financial Fact Books) dienen. Im Anschluss können die vorstehend beschriebenen Vorteile der Käuferseite im Verkaufsprozess angeboten werden.

Gibt es weitere Möglichkeiten, im Rahmen von M&A Prozessen von Business Intelligence zu profitieren?

Noch vor einem geplanten Verkaufsprozess kann die unternehmensweite Einführung einer BI-Software nicht nur die eigentliche Unternehmenssteuerung verbessern, sondern auch die sogenannte „Exit readiness“ des Unternehmens erhöhen. Durch die Schaffung einer breiteren und schnelleren Datenverfügbarkeit kann die Erstellung von Verkaufsunterlagen (insbesondere einer Vendor Due Diligence oder eines Financial Fact Books) erleichtert und deren Aussagekraft erhöht werden. Zusätzlich kann dadurch auch der erforderliche Aufwand einer Due Diligence durch die potenzielle Käuferseite verringert werden und somit eine Pre-deal Implementierung einer vollumfänglichen BI-Lösung insgesamt zu einer Verkürzung des M&A Prozesses beitragen.

Nicht zuletzt kann auch direkt nach der Transaktion den üblicherweise höheren Anforderungen von zum Beispiel Private Equity Investoren an das (monatliche) Management Reporting des jeweiligen Unternehmens Rechnung getragen werden.

Als weitere Variante können auch im Rahmen von M&A Transaktionen selbst Funktionen von BI-Software genutzt werden, ohne dass eine tatsächliche Implementierung beim Zielunternehmen selbst erfolgen muss. Ziel ist es dabei vorrangig, durch den Zugriff auf bereits digitalisierte und abrufbare Daten des Transaktionsunternehmen tiefergehende Analysen (bis hin zur Beleg- beziehungsweise Einzeltransaktionsebene) zu ermöglichen. Hierbei ist es jedoch wichtig, dass die aus den Datenbanken ermittelten Werte möglichst vollständig und bereits - soweit möglich - auf abgestimmter Ebene (zum Beispiel mit den im Prüfungsbericht dargestellten Finanzzahlen oder zumindest den Management Accounts) vorhanden sind. In der Praxis kann die Erhebung von Informationen aus den Unternehmensdatenbanken in Abhängigkeit von der Qualität der IT-Systeme des Zielunternehmens (gerade bei kleineren Unternehmen) zu einem erhöhten Abstimmungs- und somit auch Zeitaufwand im Rahmen des Transaktionsprozesses führen. In diesem Fall gilt es abzuwägen, ob eine erhöhte Datenbasis für eine Transaktionsentscheidung (gegebenenfalls aufgrund einer sonst stark eingeschränkten Aussagekraft des Management Reportings) wünschenswert ist.

Fazit

Unternehmen mit einer bereits implementierten vollumfänglichen BI-Lösung können einen effizienteren Financial Due Diligence Prozess mit tiefergehenden Analysen ermöglichen und die Vorteile einer möglichen frühzeitigen Pre-Deal Implementierung von BI-Lösungen in potenziell zum Verkauf stehenden Unternehmen kann anschließend die Transparenz im Rahmen des M&A Prozesses erhöhen. Dies kann auch für den Käufer nach der Transaktion eine verbesserte Steuerungsmöglichkeit des erworbenen Unternehmens schaffen und somit gegebenenfalls auch zu einer möglichen höheren Realisierung der (strategischen) Investmentziele führen.