Tax Compliance

Das neue Risikomanagement der Finanzverwaltung

Arne Schulze Arne Schulze

Die Finanzverwaltung verschärft die Gangart: Aktuell ist eine deutliche Zunahme von Umfang und Aggressivität bei Betriebsprüfungen und Steuerfahndungen zu beobachten. Die Gründe: Die Finanzverwaltung kann - unter anderem wegen der E-Bilanz - aus einem nie gekannten Datenpool schöpfen, gleichzeitig senken die Finanzbehörden die Schwelle des strafrechtlichen Anfangsverdachts deutlich, sodass bei steuerlichen Pflichtverletzungen immer häufiger der Vorwurf der Steuerhinterziehung im Raum steht. So können ein geringfügig überhöhter Vorsteuerabzug oder eine Provisionszahlung ins Ausland bereits den Verdacht einer Steuerstraftat begründen.

Bei Missachtung der steuerlichen Compliance-Anforderungen drohen den betroffenen Unternehmen empfindliche Nachzahlungen. Leitungsorgane müssen bei strafrechtlich relevanten Verstößen mit Freiheitsstrafen rechnen. Fest steht: Unternehmen müssen auf diese Entwicklung reagieren und Prävention betreiben. Gut zu wissen: Die Finanzverwaltung hat dem Steuerpflichtigen im BMF-Schreiben vom 23. Mai 2016 eine Brücke gebaut. Danach begründet nicht jede objektive Unrichtigkeit zwingend den Verdacht einer Steuerstraftat oder Steuerordnungswidrigkeit. Vielmehr muss die zuständige Finanzbehörde sorgfältig prüfen, ob der Anfangsverdacht einer vorsätzlichen oder leichtfertigen Steuerverkürzung gegeben ist. Hat der Steuerpflichtige ein innerbetriebliches Tax-Compliance-System eingerichtet, das der Erfüllung der steuerlichen Pflichten dient, kann dies ein Indiz gegen das Vorliegen von Vorsatz oder Leichtfertigkeit darstellen. Jedoch resultiere daraus noch keine Befreiung von der Prüfung im Einzelfall. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Steuerpflichtige, die nicht über ein Tax-Compliance-Management verfügen, handeln pflichtwidrig. Sie müssen bei Aufgriffen durch die Steuerfahndung einen erheblichen Aufwand betreiben, um den Vorwurf des Vorsatzes zu entkräften. Einen ausführlichen Beitrag zur Thematik lesen Sie in unserem Navigator vom September 2016.

Praxishinweis

Warth & Klein Grant Thornton bietet umfassende Unterstützung bei der Implementierung und Umsetzung eines Tax Compliance Systems. Am Anfang steht dabei ein Tax Risk Assessment. Das bedeutet: Wir analysieren für jede Steuerart die Risiken, denen das Unternehmen ausgesetzt ist. Dann betrachten wir die Maßnahmen und Abwehrmechanismen, die hiergegen eingerichtet wurden. Auf dieser Basis ermitteln wir quasi das „Nettorisiko“ des Unternehmens pro Steuerart, indem wir aufzeigen, ob die Maßnahmen ausreichend sind oder nicht. Auf Basis unserer Risikoeinschätzungen geben wir den Unternehmen Richtlinien zur Optimierung ihrer Tax-Compliance an die Hand, schulen die Mitarbeiter und führen adäquate betriebliche Kontrollmechanismen ein. Dazu zählen auch automatisierte Lösungen. So sind wir in der Lage, durch spezielle Software-tools Betriebsprüfungen zu simulieren und die weltweite Steuerdeklaration unter Beachtung aller Compliance-Anforderungen zu koordinieren.