Die Erbschaftsteuer ist unter Dach und Fach

Was auf Firmenerben zukommt

Marie Charlotte Kramer Marie Charlotte Kramer

Nach langem Tauziehen ist die Reform der Erbschaftsteuer nun beschlossene Sache. Nachdem Bundestag und Bundesrat dem vom Vermittlungsausschuss gefundenen Kompromiss zugestimmt haben, ist das neue Erbschaftsteuergesetz rückwirkend zum 1. Juli 2016 in Kraft getreten. Die gute Nachricht für Firmenerben: Sie können unter verschärften Bedingungen auch weiterhin von der Erbschaftsteuer verschont werden. Dagegen werden auf große Vermögen Mehrbelastungen zukommen. Nachfolgend drei wichtige Änderungen im Überblick:

Verschonungsregelung: Die bisherige Verschonungsregelung für begünstigtes Unternehmensvermögen mit der Gewährung eines Verschonungsabschlags von 85% (Regelverschonung) bzw. von 100% (Optionsverschonung) bleibt grundsätzlich erhalten. Die Vollverschonung wird gewährt, sofern der neue Eigentümer die Arbeitsplätze erhält und das Unternehmen sieben Jahre fortführt. Die Lohnsumme darf dann nicht bei weniger als 700% des Ausgangsbetrags liegen. Neu ist: Für die Optionsverschonung darf jetzt maximal eine Verwaltungsvermögensquote von 20% vorliegen.

Wahlrecht bei großen Vermögen: Beträgt das innerhalb von zehn Jahren erworbene begünstigte Unternehmensvermögen mehr als 26 Millionen Euro, ist eine Verschonungsbedarfsprüfung vorgesehen. Das bedeutet: Der Erbe muss nachweisen, dass ihn die Zahlung der Erbschaftsteuer überfordern würde. Lässt er sich auf diese Bedürfnisprüfung ein, muss er sein Privatvermögen offenlegen und bewerten. Das kann zur Hälfte zur Besteuerung herangezogen werden. Alternativ kann er das sogenannte Abschmelzmodell wählen. Dabei schmilzt - vereinfacht gesagt - der Verschonungsabschlag mit zunehmender Unternehmensgröße und erreicht bei einem Übertragungswert von 90 Millionen Euro den Wert null. Ab einem Anteilswert von 90 Millionen Euro wird damit kein Verschonungsabschlag gewährt.

Unternehmensbewertung: Das vereinfachte Ertragswertverfahren führte angesichts der Niedrigzinsen zu unrealistisch hohen Firmenwerten. Der Kapitalisierungsfaktor, der multipliziert mit dem nachhaltig erzielbaren Jahresertrag den Unternehmenswert ergibt, wurde von 17,86 auf 13,75 abgesenkt. Zukünftig wird eine Anpassung an die aktuelle Entwicklung der Zinsstrukturdaten durch Rechtsverordnung erfolgen. Die Anwendung des neuen Kapitalisierungsfaktors gilt für alle Bewertungen im Jahr 2016 und damit rückwirkend auch für solche, die zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni 2016 erfolgt sind.

 

Praxishinweis

Nach erbittertem Ringen um eine Reform liegen nun endlich klare Regelungen vor. Steuerpflichtige sollten handeln, bevor die Unternehmenswerte steigen oder die Regelung erneut beim Bundesverfassungsgericht auf den Prüfstand kommt. Wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen eine auf Ihre persönliche Situation zugeschnittene Nachfolgelösung.