Sale-and-lease-back-Geschäfte

Böse Überraschung für Unternehmer

Ulrike Slotty-Harms Ulrike Slotty-Harms

Sale-and-lease-back-Geschäfte können als Mitwirkung des Leasinggebers an einer bilanziellen Gestaltung des Leasingnehmers zu umsatzsteuerpflichtigen sonstigen Leistungen führen. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden (Aktenzeichen V R 12/15). Hintergrund: Sale-and-lease-back-Geschäfte können umsatzsteuerrechtlich als Kreditgewährung im Sinne des Umsatzsteuergesetzes (UStG) anzusehen sein. Die Steuerbefreiungen des § 4 UStG sind aber grundsätzlich eng auszulegen, weil sie Ausnahmen von dem allgemeinen Grundsatz darstellen, dass jede Dienstleistung, die ein Steuerpflichtiger gegen Entgelt erbringt, der Umsatzsteuer unterliegt.

Im Streitfall hatte ein Leasinggeber elektronische Informationssysteme gekauft, die der Verkäufer entwickelt hatte und deshalb bilanziell nicht ausweisen konnte. Der Leasinggeber verleaste die Informationssysteme sogleich an den Verkäufer als Leasingnehmer. Der Leasinggeber erhielt vom Leasingnehmer für den Kauf ein Darlehen in Höhe von zwei Dritteln des Nettokaufpreises. Über die Leasinggebühren stellte der Leasinggeber eine Dauerrechnung über die volle Vertragslaufzeit aus, in der er die Umsatzsteuer offen auswies und dabei auf den Leasingvertrag Bezug nahm. Da der Leasingnehmer in Zahlungsverzug geriet, kündigte der Leasinggeber den Vertrag vorzeitig. Der Leasinggeber ging davon aus, dass er umsatzsteuerpflichtige Leistungen erbracht habe und daher zum Vorsteuerabzug berechtigt sei. Zudem wollte er nur die tatsächlich erhaltenen Leasingraten versteuern. Demgegenüber verweigerte das Finanzamt den Vorsteuerabzug, da der Leasinggeber umsatzsteuerfrei Kredit gewährt habe. Aufgrund der Rechnungserteilung und eines sich aus der Rechnung ergebenden unzutreffenden Steuerausweises ging das Finanzamt zudem von einer Steuerschuld des Leasinggebers aus. Die hiergegen beim Finanzgericht (FG) eingereichte Klage war erfolglos. Auf die Revision des Leasinggebers hat der BFH das Urteil des FG aufgehoben. Die Begründung des BFH:

  • Der Leasinggeber gewährte dem Leasingnehmer keinen Kredit. Maßgeblicher Leistungsinhalt war es vielmehr, dem Leasingnehmer die Aktivierung einer Forderung als Gegenwert für die selbst geschaffenen immateriellen Wirtschaftsgüter zu ermöglichen. Die Mitwirkung an dieser bilanziellen Gestaltung ist umsatzsteuerrechtlich eine sonstige Leistung, da der Leistungsempfänger dadurch einen wirtschaftlichen Vorteil erhält. Sie ist auch nicht von der Umsatzsteuer befreit.
  • Der Leasinggeber hat in seiner Rechnung die Umsatzsteuer nicht fehlerhaft ausgewiesen. Entscheidend war hierfür die Bezugnahme auf den Leasingvertrag.

Unsere Expertin Ulrike Slotty-Harms beantwortet Ihnen alle Fragen zum Urteil.