Zum Schluss

Das deutsche Reinheitsgebot - eine Steuervorschrift?

Paul Forst Paul Forst

Es schmeckt nach Waldmeister, Absinth oder Creme Brulee – und erfreut sich auch hierzulande einer immer größeren Beliebtheit. Kein Zweifel: Craft Beer ist in aller Munde. Als Craft brewery (Handwerksbrauerei) bezeichnet man Brauereien mit hochwertigen Bieren, die unter besonderen Qualitätsmaßstäben und Produktionsmethoden handwerklich erzeugt werden. Und die nicht dem deutschen Reinheitsgebot entsprechen, also der Vorstellung, dass Bier nur aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser hergestellt werden darf. Doch wussten Sie eigentlich, dass das Reinheitsgebot von 1516 nicht nur die älteste heute noch gültige lebensmitterechtliche Vorschrift ist, sondern zugleich auch eine Steuer war, denn mit der klaren und eng begrenzten Regelung der Zutaten konnte man diese eben auch besser besteuern. Und die Biersteuer, oder Ungeld, wie es damals genannt wurde, war eine gute Einnahmequelle.

Noch älter ist übrigens die Biersteuer: Schon im Mittelalter wurden die Abgaben auf Bier als Bierungeld, Bierziese, Bierpfennig, Trankgeld, Schank- oder Malzaufschlag erhoben. Noch heute existiert in Deutschland eine Abgabe: die Biersteuer. Diese richtet sich nach dem Stammwürzegehalt des Bieres. Die Maßeinheit ist das Grad Plato. Für einen Hektoliter wird ein Regelsteuersatz von 0,787 je Grad Plato erhoben. Der durchschnittliche Stammwürzgehalt eines Bieres beträgt 12 Grad Plato. Damit ergibt sich in den meisten Fällen ein Steuersatz von 9,44 Euro je Hektoliter. Die Biersteuer wird vom Zoll – einer Bundesverwaltung – erhoben. Während Verbrauchssteuern in Deutschland im Allgemeinen dem Bund zustehen, wurden die Einnahmen aus der Biersteuer auf Betreiben Bayerns den Ländern zugesprochen.

Die Biersteuer erbringt pro Jahr Einnahmen von rund 700 Millionen Euro. Wer die Biersteuer angesichts dieser Größenordnung abgeschafft sehen möchte, sollte Folgendes zur Kenntnis nehmen: Diese kann nicht in nationalem Alleingang abgeschafft werden, weil für sie ein EU-Mindeststeuersatz vorgegeben ist.