Aktuell: Das vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland (UK) ist zum 31.Januar 2020 aus der Europäischen Union ausgetreten. Aufgrund des unterzeichneten Austrittsabkommens schließt sich an den Austrittstermin ein Übergangszeitraum bis zum 31. Dezember 2020 an, in der fast alle EU-Regelungen weiter gegenüber UK gelten.

Die Möglichkeit einer Verlängerung der Übergangsphase, wie sie im Austrittsabkommen vorgesehen war, besteht nicht mehr. Hierzu hätte ein gemeinsamer Beschluss vor dem 1. Juli 2020 gefasst werden müssen. Ab dem 1. Januar 2021 wird UK damit nicht mehr Teil des Binnenmarktes und der Zollunion sein.

Bis zum Ende des Übergangszeitraums ist jedoch davon auszugehen, dass auch die Mutter-Tochter-Richtlinie auf Gewinnausschüttungen einer deutschen Kapitalgesellschaft an ihre Anteilseignerin in UK weiterhin grundsätzlich anwendbar sein sollte. Die Mutter-Tochter-Richtlinie reduziert eine Quellensteuer auf Dividenden auf 0%, wohingegen das Doppelbesteuerungsabkommen der Bundesrepublik Deutschland mit UK (DBA) einen Quellensteuerersatz von 5% vorsieht.

Das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) hat bisher Freistellungsbescheinigungen grundsätzlich für die Zeit ab dem 30. März2019 mit einer Reduktion des Steuerabzugs für Kapitalerträge auf 5% des Bruttoertrages auf Rechtsgrundlage des DBA erlassen.

Auf Antrag kann eine Änderung einer bereits erteilten Freistellungsbescheinigung gewährt werden, die eine Reduzierung der Quellensteuer auf 0% bis zum Ende des Übergangszeitraums gewährleisten sollte. Ebenso sollte eine Freistellungsbescheinigung mit einer Reduzierung des Steuerabzugs auf 0% bis zum 31. Dezember 2020 erstmalig beantragt werden können.

Das bedeutet: Unabhängig davon, ob die Änderung der bereits erteilten Freistellungsbescheinigung respektive die erstmalig beantragte Freistellungsbescheinigung noch vor Ende des Jahres erlassen wird, empfehlen wir, geplante Dividendenaus-schüttungen an Gesellschaften in UK vor dem 31. Dezember 2020 vorzunehmen. Falls die Freistellungsbescheinigung erst nach der Ausschüttung erteilt wird, hat der Schuldner der Kapitalerträge die Möglichkeit, eine Erstattung der einbehaltenen und abgeführten Kapitalertragsteuer zu erhalten.

Nächste Schritte: Die weitere Entwicklung im Hinblick auf das Verhältnis zwischen der EU und UK nach Ablauf des Übergangszeitraums sollte aufmerksam beobachtet werden.

 

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