Wie bereits in Besser Steuern 8/2020 berichtet, hat das Bundesministerium für Finanzen (BMF) Konsultationsvereinbarungen mit Anrainerstaaten geschlossen, um die steuerlichen Auswirkungen der Homeoffice-Tätigkeit für Grenzpendler zu mildern. Bei Grenzpendlern wird das Gehalt für Arbeitstage im Ausland auch im jeweiligen Land versteuert, wenn der Arbeitgeber dort ansässig ist (Tätigkeitsortsprinzip). Die Vergütung für Homeoffice-Tage von Arbeitnehmern mit deutschem Wohnsitz wird hingegen regelmäßig in Deutschland steuerpflichtig. Somit erhöht die Homeoffice-Tätigkeit in der Bundesrepublik auch die inländische steuerpflichtige Bemessungsgrundlage. Weiterhin kann die sogenannte Grenzgängereigenschaft (lex specialis in Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit Österreich, Frankreich und Schweiz) aufgrund der Home-Office Tätigkeit verloren gehen: Das Besteuerungsrecht für Grenzgänger steht nach den DBA dem Wohnsitzstaat zu. Es entfällt jedoch bei einer berufsbedingten Nichtrückkehr an den Wohnsitz ab einer bestimmten Anzahl von Tagen. Im Verhältnis Deutschland – Schweiz ist eine Höchstgrenze von 60 Nichtrückkehrtagen vorgesehen. Ob Home-Office-Tage als Nichtrückkehrtage im Sinne des DBA Deutschland – Schweiz gelten ist unseres Erachtens strittig.

Die Konsultationsvereinbarungen

Die letzte Konsultationsvereinbarung in diesem Bereich wurde am 8. Dezember 2020 mit Polen geschlossen. Folglich bestehen derzeit mit folgenden Ländern Konsultationsvereinbarungen bezüglich der Besteuerung von Grenzpendlern:

  • Österreich
  • Schweiz
  • Frankreich
  • Belgien
  • Luxemburg
  • Niederlande
  • Polen

Was regeln die Konsultationsvereinbarungen?

Die Regelungen der Konsultationsvereinbarungen:

  • Arbeitstage, die aufgrund der COVID-19-Pandemie im Homeoffice geleistet werden, werden nicht als Nicht-Rückkehrtage oder als Arbeitstage im Ansässigkeitsstaat Deutschland gezählt, sondern als Arbeitstage in dem Land, in dem die Tätigkeit ohne die COVID-19-Maßnahmen erbracht worden wäre.
  • Diese Tätigkeitsortsfiktion gilt also nicht für Arbeitstage, die ohne die COVID-19-Maßnahmen im Ansässigkeitsstaat geleistet worden wären (zum Beispiel vertraglich vereinbarte Heimarbeitstage).
  • Arbeitnehmer sind verpflichtet, entsprechende Aufzeichnungen zu führen.
  • Die Regelung gilt für Arbeitstage in der Zeit ab dem 11. März.2020.

Geltungsdauer der Konsultationsvereinbarungen

Die Konsultationsvereinbarungen wurden teilweise schon bis zum 30. Juni 2021 verlängert (Niederlande, Belgien, Frankreich) bzw. verlängern sich automatisch um einen Monat, sofern die Vereinbarung nicht gekündigt wird. Damit sind alle oben genannten Konsultationsvereinbarungen und somit die Tätigkeitsortsfiktion mindestens bis zum 30. April 2021 anwendbar.

list item with text on the right

GUT INFORMIERT!
Abonnieren Sie unsere kostenlosen Newsletter und Webinare

Jetzt anmelden!