Verrechnungspreise

Verschärfung der Dokumentationsvorschriften

Julia Bollermann Julia Bollermann

In Deutschland besteht in Anlehnung an die OECD-Verrechnungspreisleitlinien eine dreistufige Dokumentationspflicht, bestehend aus dem länderbezogenen Bericht („Country-by-Country-Reporting“), der Stammdokumentation („Master File“) und der Einzeldokumentation („Local File“). Bisher sind die Stammdokumentation und die Einzeldokumentation in Deutschland auf Anforderung der Finanzbehörden üblicherweise im Rahmen einer Betriebsprüfung vorzulegen.

Der Regierungsentwurf sieht nun vor, dass erstmalig für die Stammdokumentation eine Verpflichtung zur zeitnahen Erstellung und Abgabe bei den Finanzbehörden eingeführt wird. Die Stammdokumentation ist spätestens ein Jahr nach Ablauf des betreffenden Wirtschaftsjahres bei den lokalen Finanzbehörden einzureichen. Unternehmen, die einer Gruppe angehören, die einen länderbezogenen Bericht zu erstellen hat (üblicherweise Unternehmensgruppen, deren Umsatzerlöse 750 Millionen Euro übersteigen), haben die Stammdokumentation zudem dem Bundeszentralamt für Steuern zu übermitteln.

Des Weiteren wird gemäß des Regierungsentwurfes der Schwellenwert, ab dem ein Unternehmen zur Erstellung der Stammdokumentation verpflichtet ist, von bisher 100 Millionen Euro Unternehmensumsatz auf 50 Millionen Euro Unternehmensumsatz abgesenkt.

Die Neuregelungen zur zeitnahen Erstellung einer Stammdokumentation sollen für Wirtschaftsjahre anwendbar sein, die nach dem 31. Dezember 2020 beginnen.

Es handelt es sich hierbei um eine gravierende  Neuregelung, die aufgrund der Absenkung des Schwellenwerts eine Vielzahl von deutschen Unternehmen betreffen wird.

Quick Check

  • Überschreitet das deutsche Unternehmen den Schwellenwert von 50 Millionen Euro Umsatzerlöse?
  • Überschreitet die Unternehmensgruppe den Schwellenwert von 750 Millionen Euro Umsatzerlöse?
  • Gibt es in der Gruppe eine Stammdokumentation, die den Vorgaben entspricht? Ist insbesondere das neu kodifizierte DEMPE-Konzept hinreichend berücksichtigt?
  • Bestehen die technischen Voraussetzungen zur elektronischen Übermittlung der Stammdokumentation?

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