Großbritannien hat abgestimmt

Brexit: Alarmstufe Rot für Unternehmen

Dr. Marion Frotscher Dr. Marion Frotscher

Großbritannien hat in einer Volksabstimmung für den Austritt des Landes aus der EU gestimmt („Brexit“). Am 29. März 2017 hat London sein offizielles Austrittsgesuch gestellt. Diesem Schritt folgen nun die Austrittsverhandlungen, die sich über zwei Jahre hinziehen können. Nach der Rede von Premierministerin May und dem aktuellen Stand der Diskussionen ist davon auszugehen, dass Großbritannien künftig steuerlich als Drittstaat (vergleichbar mit den USA oder der Schweiz) zu behandeln sein wird („harter Brexit“). Als solcher könnte sich Großbritannien – mit Ausnahme der Kapitalverkehrsfreiheit – nicht mehr auf die Grundfreiheiten der EU berufen und wäre auch nicht mehr an das Diskriminierungsverbot gebunden. Sollte es tatsächlich zu einem harten Brexit kommen, müssen sich deutsche Unternehmen auf erhebliche steuerliche Mehrbelastungen einstellen.

Wie die „FAZ“ in ihrer Online-Ausgabe vom 18. April 2017 schreibt, hat das Bundesfinanzministerium (BMF) in einer internen Analyse einige Themen aufgelistet, die die deutsche Wirtschaft spürbar belasten könnten. Betroffen von einem ungeregelten Brexit wären demnach unter anderem bestimmte Sachverhalte des Umwandlungsteuerrechts, der Entstrickungs- und Wegzugsbesteuerung sowie des Außensteuergesetzes, soweit diese an bestimmte EU-Bezüge anknüpfen. Wir weisen auf ausgewählte Problemfelder hin:

  • So könnte mit dem Brexit das Besteuerungsrecht des Quellenstaates bei „Schachtelbeteiligungen“ wieder an Relevanz gewinnen. Die Folge: Nach dem bei einem Brexit maßgeblichen Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) würde auf solche Dividenden ein Steuersatz von 5 Prozent anfallen, nach der Mutter-Tochter-Richtlinie null Prozent. Laut „FAZ“-Bericht hat Großbritannien zwar bilateral schon den Wunsch geäußert, den Quellensteuersatz auf Schachteldividenden im DBA auf null Prozent zu senken. Doch dabei ist Skepsis angebracht, denn - so der Bericht - ein Null-Prozent-Satz entspreche nicht der deutschen Sichtweise bei DBA-Verhandlungen.
  • Ein weiterer kritischer Punkt aus Sicht der Unternehmen: ihnen könnten quasi automatisch Steuerlasten drohen. Wenn beispielsweise eine deutsche Firma eine Maschine an ihre britische Tochtergesellschaft geliefert hat, die bereits abgeschrieben ist, aber noch 50.000 Euro wert ist, waren die stillen Reserven bislang über fünf Jahre aufzulösen. Dies gilt jedoch nur für Mitgliedsländer der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums. Nach dem Bericht wirft das BMF die Frage auf, ob nach dem Brexit der Restbetrag der insgesamt anfallenden Steuer sofort fällig zu stellen wäre.
  • Um die Folgen des Brexit für die eigene Wirtschaft abzufedern, hat Premierministerin Theresa May eine Senkung der Körperschaftsteuer von aktuell 20 Prozent angekündigt. Im Gespräch ist ein neuer Satz von 15 Prozent oder weniger. In Deutschland zahlen Unternehmen mit Gewerbesteuer etwa 30 Prozent. Die Folge: Nach Einschätzung des BMF könnten britische Tochtergesellschaften deutscher Muttergesellschaften künftig vermehrt der Hinzurechnungsbesteuerung unterfallen.

Praxishinweis

Die dargestellten Überlegungen des BMF zeigen deutlich, dass der „Brexit" dazu führen kann, dass Unternehmen bei unverändertem Geschäft plötzlich mit erheblichen Mehrsteuerbelastungen konfrontiert werden könnten. Daher lohnt es sich, bereits jetzt mögliche Austrittsszenarien zu analysieren. Insbesondere sind mögliche Umstrukturierungen im Unternehmen vorzunehmen, um die steuerlichen Folgen des "Brexit" abzumildern. Allerdings bedürfen derartige Maßnahmen eines ausreichenden zeitlichen Vorlaufs und sollten sorgfältig geplant werden. Daher sollte frühzeitig überlegt werden, welche Schritte einzuleiten sind. Sprechen Sie uns an! Gerne analysieren wir Ihre Situation im Hinblick auf den Brexit und unterstützen Sie dabei, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Lesetipp

Ausführliche Informationen zu den möglichen Auswirkungen des Brexit auf deutsche Unternehmen finden Sie hier:

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