Betriebsstätten, Exit Taxes, Umsatzsteuer & Co.

Welche Steuerfragen auf Unternehmen beim 3D-Druck zukommen

Kirstin Müller-Nedebock Kirstin Müller-Nedebock

Der 3D-Druck ist nicht nur dabei, die Welt zu verändern, er wirft auch neue steuerliche Fragestellungen auf.

Veränderte Wertschöpfungsketten

Veränderte Wertschöpfungsketten werden eine Folge der zunehmenden Umstellung auf 3D-Druck sein, dabei stellt sich insbesondere die Frage, wo in dieser neuen Kette eigentlich das geistige Eigentum entsteht und wem es gehört? Vielleicht weniger als bisher in der Produktionsstufe und noch mehr in der Entwicklung und im Design? Oder vielleicht auch mehr als bisher beim Kunden, weil er mehr involviert wird? Dies stellt die Besteuerung vor neue Herausforderungen, denn es gilt zu analysieren, wer wo welchen Beitrag zur Wertschöpfung leistet und  wie und wo zu besteuern ist. Verrechnungspreisstrukturen von Unternehmensgruppen müssen neu durchdacht werden. Die reine Produktionsleistung dürfte nicht mehr so viel wert sein. Anzahl und Art von Transaktionen zwischen Unternehmen werden sich ändern, Lizenzen sind für die Nutzung von IP zu zahlen. Die Frage, wo welcher Wert geschaffen wird und wo welches IP liegt, könnte in verschiedenen Ländern unterschiedlich beurteilt werden. Hier gilt es, Doppelbesteuerungen zu vermeiden, was unter Umständen nur mittels Verständigungsverfahren zwischen den verschiedenen Steuerbehörden möglich ist. Durch den 3D-Druck dürfte mehr IP häufiger über die Grenze wandern als bisher. Statt physischen Gütern werden digitale Güter wie etwa  Software und Pläne „transportiert“. Exit Taxes könnten die Folge sein.

Ist der 3D-Drucker eine Betriebsstätte?

Die Produktion wird nicht mehr so zentralisiert stattfinden wie bisher, sondern vielmehr an diversen Standorten, und damit näher am Kunden. Wie beim Server könnte der 3D-Drucker eine Betriebsstätte und somit ein steuerlicher Anknüpfungspunkt sein. Entscheidend dürfte dabei unter anderem sein, ob der Drucker ein eigener Drucker ist oder von einem Fremdanbieter Druckkapazitäten gekauft werden. Vielleicht steht der Drucker auch beim Kunden oder Zwischenhändler. Findet die Wertschöpfung aber zunehmend nicht während des Produktionsprozesses statt, dürfte solch einer Betriebsstätte eventuell nicht so ein bedeutender Teil des steuerpflichtigen Ertrags zuzuordnen sein. Dies hängt aber am Ende davon ab, welche Leistungen tatsächlich am Druckerstandort erbracht werden.

Umsatzsteuer

Die Umsatzsteuer besteuert die zusätzliche Wertschöpfung eines jeden Beteiligten in der Supply Chain. Durch 3D-Druck könnte sich die Wertschaffung mehr in Richtung Ende der Supply Cain verlagern, da die Produktion individualisierter ausgestaltet werden kann. Dies hätte wiederum eine Verlagerung des Umsatzsteueraufkommens zur Folge. Diese Liste an steuerlichen Konsequenzen und Fragestellungen ist keineswegs abschließend, kann aber einen kleinen Eindruck geben, welche steuerlichen Folgen und Fragen im Zusammenhang mit der Ausweitung des 3D-Drucks auf Unternehmen zukommen und zu beachten sind.