So begeistern Start ups potenzielle Investoren

Nutzen Sie die Vorteile des Umsatzkostenverfahrens

Hanno Hepke Hanno Hepke

Start-Ups sind oft die Vorreiter neuer Technologien und entwickeln daraus marktgängige Produkte. Erforderlich ist nicht nur ein langer Atem von der Idee bis zur Produktreife – oft sind auch zum Teil erhebliche Finanzierungsengpässe zu meistern.

Parallel zum Vertrieb bzw. zur Kundengewinnung und zur Produktentwicklung sind Wachstum und Kapitalbeschaffung unverändert die vier größten Herausforderungen für Start-Ups. Nur jedes 5. Start-up setzt beim Thema Finanzierung ausschließlich auf eigene Ressourcen – öffentliche Fördermittel oder die Finanzierung durch Familie und Freunde sind weitere, gern genutzte Kapitalquellen. Die Größe des Marktes und seine Wachstumsaussichten in Verbindung mit den zuletzt positiven konjunkturellen Aussichten in Deutschland machen die deutsche TMT-Branche und damit erst recht deren Start-Ups zu einem attraktiven Zielmarkt für Finanz-Investoren im In- und Ausland.

Die Kombination aus hohem Kapitalbedarf, großem Wachstumspotenzial und gesteigertem Risiko macht eine positive Darstellung des Unternehmens für Investoren umso wichtiger. Laut entsprechender Erhebungen planen zwei von vier Start-Ups eine (erneute) Kapitalaufnahme innerhalb der nächsten zwölf Monate und 82,5 % eine (weitere) Internationalisierung. Die Vergleichbarkeit des Unternehmens mit internationalen Mitbewerbern ist dabei für Investoren sowie das eigene Unternehmen gleichermaßen von Belang.

Über den Erfolg eines Unternehmens informiert in erster Linie die Gewinn- und Verlustrechnung. Gemäß § 275 Absatz 1 Satz 1 HGB ist die Gewinn- und Verlustrechnung in Staffelform nach dem Gesamtkostenverfahren (§ 275 Absatz 2 HGB) oder dem Umsatzkostenverfahren (§ 275 Absatz 3 HGB) aufzustellen.

In Deutschland ist das Gesamtkostenverfahren gängiger Gebrauch. Dabei werden sämtlichen im Jahr angefallenen Erträgen sämtliche Aufwendungen – beide gegliedert nach Ertrags- und Aufwandsarten – gegenübergestellt zuzüglich der Bestandsveränderungen bei unfertigen und fertigen Erzeugnissen. Die Aufwendungen werden den einzelnen Aufwandsarten (beispielsweise Materialaufwand und Personalaufwand) zugeordnet.

Im internationalen Vergleich ist das Umsatzkostenverfahren ist die vorherrschende Darstellungsform für den Erfolg eines Unternehmens. Im Unterschied zum Gesamtkosten-verfahren gliedert das Umsatzkostenverfahren die betrieblichen Aufwendungen nicht nach der Aufwandsart, sondern nach Funktionsbereichen, wie sie zur Erzielung der Umsatzerlöse beigetragen haben (Herstellung, Verwaltung, Vertrieb). Nach HGB und IFRS sind zwar beide Verfahren zugelassen, jedoch wird nach IAS 1.92 das Umsatzkostenverfahren gegenüber dem Gesamtkostenverfahren bevorzugt. Trotz der bestehenden Ermessensspielräume bei der funktionalen Zuordnung von Aufwendungen gibt die Gliederung dem Interessenten betriebswirtschaftlich weitreichendere Informationen als das Gesamtkostenverfahren. Nach US-GAAP ist das Umsatzkostenverfahren sogar zwingend vorgeschrieben. Dies bedeutet: Das Umsatzkostenverfahren vereinfacht einen internationalen Vergleich, also die „Lesbarkeit“ und somit den ersten Schritt für Interessenten aus dem Ausland.

Das Umsatzkostenverfahren bietet aber auch noch weitere Vorteile. Bei Ein-Produktunternehmen kann das Umsatzkostenverfahren bis zu einem gewissen Umfang die Kosten- und Leistungsrechnung „ersetzen“. Durch den Aufbau der Gewinn- und Verlustrechnung ist die Bruttomarge direkt ablesbar. Sie ist ein Hinweis darauf, wie profitabel und rentabel ein Unternehmen im operativen Geschäft ist, indem das Verhältnis von Umsatz und der zur Erzielung der Umsatzerlöse angefallenen Kosten gezeigt wird.

Das Umsatzkostenverfahren kann eine funktionsfähige Kosten- und Leistungsrechnung nicht dauerhaft ersetzen, die Lesbarkeit ist jedoch aufgrund der grundsätzlichen Nähe des Umsatzkostenverfahrens zur Kosten- und Leistungsrechnung höher als beim Gesamtkostenverfahren. Während also das Gesamtkostenverfahren seine Datenbasis aus der Finanzbuchhaltung ableitet, setzt das Umsatzkostenverfahren in letzter Konsequenz eine Kosten- und Leitungsrechnung voraus oder zumindest eine Gliederung der Aufwendungen und damit der Konten nach Funktionen.

Im Vergleich mit dem Gesamtkostenverfahren bietet das Umsatzkostenverfahren damit auf den ersten Blick nicht nur Vorteile. Die fehlenden Angaben bezüglich der Material- bzw. Personalaufwendungen müssen, beispielsweise schon aus Gründen eines steuerlichen Abschlusses, ermittelt und vorgehalten und zudem im Anhang zum Jahresabschluss erläutert werden.

Letztendlich ist es Start-Ups vor dem Hintergrund der Interessen potenzieller internationaler Investoren jedoch zu empfehlen, von Anfang an eine funktionierende und aussagekräftige Kosten- und Leistungsrechnung zu implementieren und hierauf aufbauend die Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Umsatzkostenverfahren aufzubereiten.