Wirtschaftsprüfung

Kritische Themenfelder beim Jahresabschluss

Robert Schreiner Robert Schreiner

Die schnellen Veränderungen in den TMT-Sektoren und die damit einhergehenden unterschiedlichen, sich regelmäßig anpassenden Geschäftsmodelle führen auch zu starken Veränderungen in der Abbildung geschäftlicher Vorgänge in Buchhaltung und Jahresabschlüssen. Hierbei sind die wesentlichen Treiber die Digitalisierung von Produktionsabläufen und Kundenbeziehungen, die durch die Digitalisierung und Vernetzung getriebene Veränderung in den Wertschöpfungsketten sowie die fortschreitende Verlagerung von Verkaufs- zu Dienstleistungsumsätzen. Die gesellschafts- und handelsrechtlichen Rahmenwerke „hinken“ den Marktentwicklungen zwangsläufig hinterher und sind national unterschiedlich aktuell ausgeprägt. Während internationale Rechnungslegungsstandards oftmals über eine scheinbar größere Aktualität bzw. „Marktnähe“ verfügen lässt das deutsche Handelsrecht diese Aktualität auf den ersten Blick vermissen.

In einer repräsentativen Umfrage bei Mandanten aus der Technologiebranche auf internationaler Ebene hat Grant Thornton folgende Themenbereiche ermittelt, die von den Unternehmen als besonders kritisch oder problematisch angesehen wurden:

60% der Befragten nannten folgende Themen als besonders kritisch bei der buchhalterischen und prüferischen Betrachtung:

  • Umsatzrealisierung bei „Multi-Element Arrangements“,
  • Umsatzrealisierung – Bundling und Unbundling von Verträgen,
  • Umsatzrealisierung über eine Zeitstrecke  – wie kann Fortschritt bis zur Fertigstellung gemessen werden.

40% der Befragten nannten die folgenden Themen als besonders beachtenswert:

  • Behandlung von Software-as-a-Service Verträgen,
  • Abbildung von Lizenzerlösen aus Verträgen,
  • Veränderungen in Leistungsverträgen,
  • Abbildung etwaiger Finanzierungskomponenten von Verträgen.

Der neue Rechnungslegungsstandard für Umsätze, IFRS 15 „Umsätze aus Verträgen mit Kunden“ (gültig für Berichtsperioden ab oder nach dem 1. Januar 2018) wird voraussichtlich wesentlichen Einfluss auf Unternehmen und Einheiten im Technologiesektor haben, da dort die Digitalisierung und Vernetzung die größten Auswirkungen auf die Strukturierung und Erbringung von Leistungen hat, wie zum Beispiel die fortschreitende Verlagerung von Aktivitäten in Cloud-Systemen.

Auch wenn die IFRS keine direkte Auswirkung auf deutsches lokales Recht entfalten – die aktuellen Entwicklungen des Handelsgesetzbuchs (HGB) sind vielmehr in Anlehnung an die IAS zu sehen – sind jedoch viele Unternehmen auch in Deutschland von den damit verbundenen Fragestellungen betroffen. Sei es über internationale Konzernstrukturen in Mutter-Tochter-Beziehungen, sei es in der Abbildung eigener Bilanzierungs- und Gewinnrealisierungssachverhalte in Abgrenzung zur Konkurrenz.

Teile der hier angerissenen Fragestellungen finden sich ansatzweise in den ab 2016 verbindlich geltenden Regelungen des BilRUG (Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz). Beispielhaft genannt sind die geänderte Definition der Umsatzerlöse und die hierüber modifizierte Definition bzw. Zuordnung von „Materialaufwendungen - bezogenen Leistungen“ und „sonstigen betrieblichen Aufwendungen“.

Es bleibt jedoch im bestehenden nationalen Regelwerk des HGB für TMT-Unternehmen eine Herausforderung die Fragestellungen ihrer internationalen Geschäftsmodelle HGB-konform abzubilden. Dass hierfür geeignete Lösungsansätze existieren, zeigt die Vielzahl im internationalen Vergleich erfolgreicher deutscher TMT-Unternehmen.

Praxishinweis

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