Steuern

Steuererleichterungen für Start-ups

Hanno Hepke Hanno Hepke

Die Finanzierung von Start-ups lebt vom Einstieg neuer Investoren. Gerade dies kann aber dazu führen, dass steuerliche Verlustvorträge teilweise oder vollständig untergehen und später nicht mehr mit Gewinnen verrechnet werden können. Der Untergang kann bislang nur verhindert werden, wenn ausreichend stille Reserven (Vermögen, das nicht bilanziert wird, wie etwa  Technologie) vorhanden sind. Dies ist allerdings gerade in der Wachstumsphase von Unternehmen nicht immer der Fall.

Bundestag und Bundesrat haben im Dezember 2016 ein Gesetz verabschiedet, das den Untergang von steuerlichen Verlustvorträgen bei einem Wechsel der Anteilseigner auch dann verhindern soll, wenn nicht genügend stille Reserven vorhanden sind. Nach der neuen Regelung können rückwirkend zum 1. Januar 2016 nicht genutzte Verluste trotz Wechsel der Anteilseigner weiterhin genutzt werden, wenn das Unternehmen „denselben Geschäftsbetrieb“ fortführt. Dafür gibt es jetzt neben der bisherigen Regelung des § 8c KStG einen neuen § 8d KStG zum „fortführungsgebundenen Verlustvortrag“.

Bei Einstellung des Geschäftsbetriebs in der Zukunft würde nach der neuen Regelung ein zuvor geretteter Verlustvortrag untergehen. Laut Gesetzentwurf liegt eine Einstellung des Geschäftsbetriebs etwa auch bei „Zuführung einer andersartigen Zweckbestimmung“ oder „Aufnahme eines zusätzlichen Geschäftsbetriebs“ vor. Je nachdem wie eng diese Begriffe ausgelegt werden, können diese Tatbestände bei Start-ups schnell erfüllt sein. Warum ein Verlust nicht mehr nutzbar sein soll, wenn ein zusätzlicher Geschäftsbetrieb aufgenommen wird, ist nicht ganz nachvollziehbar. Zumindest in dem bisherigen Geschäftsbetrieb sollte eine Nutzung möglich sein.

Praxishinweis

Nach unserer Auffassung ist dieses Gesetz grundsätzlich zu begrüßen. Aufgrund der unbestimmten Rechtsbegriffe wie „derselbe Geschäftsbetrieb“, „andersartige Zweckbestimmung“ oder „zusätzlicher Geschäftsbetrieb“ dürften sich in der Anwendung allerdings einige Unsicherheiten ergeben.