Organisation

Prozessoptimierung in kommunalen Unternehmen

Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch

In Kommunalverwaltungen werden aktuell Themen wie Kundenorientierung und Digitalisierung diskutiert. Drüber hinaus ist auch das e-Government mit neuen Herausforderungen verbunden. Aber auch für Kommunalunternehmen ergeben sich aktuelle Herausforderungen, beispielsweise Unternehmensstrukturen und -prozesse an gesetzliche Anforderungen des Bundesteilhabegesetzes anzupassen. Dies erfordert prozessorientiertes Denken und Handeln.

Von der Aufbau- zur Ablauforganisation

In den 1980er Jahren wurde der betriebliche Leistungserstellungsprozess als Wertschöpfungskette abgebildet. Nach diesem Konzept haben sich laut dem Ökonom Michael E. Porter die unternehmerischen Strukturen an die Bedürfnisse der Prozessorganisation anzupassen. Die Ablauforganisation rückt stärker in den Mittelpunkt der Betrachtung - unter anderem mit der Empfehlung:

  • Kernkompetenzen zu stärken,
  • Unterstützungsprozesse auf Lieferanten oder Netzwerkpartner auszulagern,
  • die Kostenführerschaft zu übernehmen,
  • vor- und nachgelagerte Produktionsstufen einzubeziehen (Netzwerke),
  • die Wertkette zu optimieren,
  • ein verbessertes Serviceangebot für den Kunden als Wettbewerbsvorteil anzubieten

Darüber hinaus sollten sowohl Wertketten der Konkurrenten analysiert als auch sogenannte „Kostentreiber“ identifiziert werden.

In der Prozesskostenrechnung werden die direkten, indirekten und qualitätssichernden Aktivitäten explizit betrachtet. Es ist daher erforderlich, dass die Unternehmen ein verbessertes Rechnungswesen einführen, welches die hier dargestellten Aspekte abbilden kann.

  • Die Prozesse selbst und die unterschiedlichen Aktivitäten entlang dieser Prozesse werden in der traditionellen Kostenrechnung nicht separat ermittelt. Dies ist bemerkenswert, da die indirekten und die qualitätssichernden Aktivitäten in vielen Branchen einen erheblichen und steigenden Kostenanteil ausmachen.
  • Die ansonsten in den Gemeinkosten untergehenden Kosten der Zusammenarbeit verschiedener und über Abteilungen und Stellen verteilten Bearbeiter eines Prozesses rücken in den Mittelpunkt.
  • Sonst ausgeblendete hohe Durchlaufzeiten können erkannt werden.
    Auch in kommunalen Unternehmen steht eine Neuausrichtung des Reportings an. Eine an den Prozessen orientierte Kosten- und Leistungsrechnung biete dafür eine gute Basis.

Übertragung des Konzepts des Business Reengineering auf kommunale Unternehmen

Als „Business Reengineering“ wurde in den 1990er Jahren die Umgestaltung der betrieblichen Organisationsabläufe formuliert. Beim Business Reengineering wird die Organisation grundlegend verändert und Abläufe werden nach den Prozessen komplett neu strukturiert.
In einer Art "Radikalkur für das Unternehmen“ wird die gesamte bisherige Produktionsorganisation umgestellt. In einer „90 Grad-Drehung“ wendet sich das Konzept gegen die bis dahin gültige Empfehlung der Spezialisierung und Arbeitsteilung. Wie Prozesse in kommunalen Unternehmen umgestaltet werden können, zeigen diese beiden Beispiele:

  1. In kommunalen Krankenhäusern wird unter dem Schlagwort des „Case-Managements“ erörtert, wie die Strukturen und Abläufe in Krankenhäusern zentral auf die Bedürfnisse der Patienten neu ausgerichtet werden können. Der ganzheitliche Netzwerkblick wird beim (seit einigen Jahren sogar gesetzlich vorgeschriebenen) Entlassmanagement schon bei der Aufnahme auf die familiären Gegebenheiten gerichtet: Welche Möglichkeiten sind in der Häuslichkeit des Patienten gegeben? Wo muss unterstützt werden? Welche Hilfe können andere soziale Pflege- und Reha-Träger geben?
  2. In der Eingliederungshilfe verlangt das Bundesteilhabegesetz, dass bisher verbundene Leistungen der Beratung, Versorgung, Betreuung, Verpflegung und des Wohnens aufgelöst werden. Nach dem „Cafeteria-Prinzip“ sollen die betreuten Personen eine höhere Wahlfreiheit erhalten. Kommunale Werkstätten und Wohnheime für behinderte Menschen müssen ihr Geschäftsmodell komplett neu überdenken. Hier hilft der Blick auf die Erfahrungen des Business Reengineering in der Industrie.

Praxishinweis

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