Sozialunternehmen

Warum agiles Veränderungsmanagement für gemeinnützige Unternehmen so wichtig ist!

Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch Prof. Dr. Friedrich Vogelbusch

Sozialunternehmen haben in den letzten Jahren erfahren, dass sich die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen ständig verändert haben. Von daher sehen sich die gemeinnützigen Unternehmen zum einen ständig neuen von außen herangetragenen Einflüssen ausgesetzt. Zum anderen wandeln sich aber auch die internen Bedingungen. Die Mitarbeiter erwarten vom Management eine zeitgemäße Leitung, die sich beispielswiese in der Organisation und im Bereich der Personalführung niederschlägt.

Vom klassischen Management zur agilen Organisationsführung

In jüngster Zeit erscheint keine Zeitschrift zum Management, in der nicht von die sogenannte „Agilität“ diskutiert wird. In der Industrie, in der Verwaltung sowie in der Sozialwirtschaft galt lange Zeit ein stabileres Umfeld. Das Management entwickelte sich vom technokratischen Ansatz des Taylorismus, über den produktivitätsorientierten Ansatz Gutenbergs hin zur verhaltensorientierte Managementlehre. Neue Informationstechnologien (Datenbanken und der firmenweite Einsatz der Computertechnologie) ermöglichen neue Geschäftsmodelle mit schlanken Prozessen und flacheren Hierarchien.

Agiles Management ist ein aktueller Ansatz, der der zunehmenden Komplexität und Unplanbarkeit Rechnung trägt. Es bietet Lösungsstrategien an, die weniger linear geplant sind, sondern sich schrittweise einer Veränderung annähern. Dabei orientiert man sich an einem iterativen bzw. agilen Vorgehen, das heißt, man versucht, sich durch Wiederholung dem Ziel oder der Lösung anzunähern. Dieses Vorgehen äußert sich durch vorsichtiges Experimentieren und häufiges Reflektieren über den Prozess. Es gibt keine fixen Zielvorstellungen, sondern Zielkorridore. Planungen werden nur für kürzere Zeiträume gemacht, um Zielvorstellung mit der Realität abgleichen und gegebenenfalls nachzujustieren. So lädt der Veränderungsprozess schrittweise zu zügigem Handeln und Improvisieren ein.

Ein wesentlicher Baustein des agilen Managements ist das sogenannt Scrum (englisch „Gedränge“). Scrum beschreibt ein Konzept, bei dem sich in einer Projektgruppe ausgewählte Spezialisten regelmäßig und kurz über den Projektfortschritt austauschen. Scrum überträgt den Gedanken der agilen Software-Entwicklung auf den Bereich der Unternehmensleitung. Es ist ein Vorgehensmodell zur Planung und Umsetzung eines Projekts mit mehr Fokussierung, Transparenz und Schwung.

Scrum beruht auf drei Prinzipien, die für das Arbeiten agiler Teams essenziell sein können:

1. Transparenz für alle Beteiligten,

2. Überprüfung der Ergebnisse in regelmäßigen Abständen und

3. Anpassung der Ziele im Laufe der Entwicklung.

Agiles Veränderungsmanagement in der Sozialwirtschaft

Aktuell ist die Digitalisierung in aller Munde. Deshalb ist es sinnvoll zu prüfen, ob die in der Industrie und besonders im Bereich der Softwareentwicklung gefundenen Lösungen auch auf die Sozialwirtschaft – gegebenenfalls in Teilbereichen – übertragen werden können.

Seit 2017 wird im Bereich der Eingliederungshilfe das sogenannte Bundesteilhabegesetz (BTHG) schrittweise eingeführt. Hieraus ergeben sich erhebliche Auswirkungen auf die Strukturen der Versorgung behinderter Menschen, die Leistungserbringung wird kleinteiliger. Ambulante Leistungen der Pflegeversicherung sind für die Heimbewohner und Werkstattgänger zu integrieren. Der Gesetzgeber wünscht einen Ausbau der ambulanten Leistungen. Nach dem „Cafeteria-Prinzip“ sollen Menschen mit Behinderungen individuell ihre Leistungen zusammenstellen. Hieraus bieten sich für die sozialwirtschaftlichen Unternehmen durchaus Chancen. Althergebrachte Geschäftsmodelle und Finanzierungen sind jedoch komplett zu überarbeiten.

Das BTHG ist somit ein perfektes Einsatzgebiet für das agile Management. Es gilt, frühzeitig strategische und operative Veränderungen einzuleiten, die Mitarbeiter auf die neuen Rahmenbedingungen einzustimmen und sie mit auf den Weg zu nehmen.

Fazit

Der Begriff des agilen Veränderungsmanagements wird im Moment inflationär verwendet. Betrachtet man die eigentlichen Inhalte der Agilität wird klar, dass die Industrie auf ein dynamisches Umfeld und die Erfordernisse der globaler werdenden Märkte reagiert.

In Teilen ist dieses Konzept auch für Sozialunternehmen interessant, zumindest sollten die Geschäftsführungen das Thema agiles Veränderungsmanagement kennen. Spätestens wenn Innovationen anstehen und rasch auf Anforderungen der Sozialpolitik reagiert werden muss, wird dies ein großer Vorteil sein.

Vor zu viel Scrum und Agilität sei jedoch gewarnt. Nur für bestimmte Entscheidungen und Situationen kann es sinnvoll sein, Ziele schnell und stetig zu ändern und ständig agil zu sein. Ein Handwerker, der standardisierte Leitungen für einen identischen Personenkreis erbringt, muss nicht ständig alles neu erfinden, ein Softwareentwickler sollte es tun. Agilität gewinnt allerdings zunehmend in Kreativabteilungen wie Marketing, Entwicklung und Personal an Relevanz.

Warth & Klein Grant Thornton ist in der Beratung und Prüfung von Sozialunternehmen tätig. Im Rahmen von Vorträgen und Veröffentlichungen erläutern wir aktuelle Themen und Entwicklungen.

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