Compliance

Korruptionsprävention in Öffentlichen Unternehmen

Dr. Matthias Bauer Dr. Matthias Bauer

Korruption ist kein Phänomen einzelner Branchen, der Privatwirtschaft oder der Öffentlichen Hand beziehungsweise ihrer (Öffentlichen) Unternehmen. Daher ist Korruptionsprävention in weitgehend allen Wirtschaftszweigen ein wichtiges Thema.

Korruptionsprävention in Öffentlichen Unternehmen hat insbesondere an den Schnittstellen nach außen eine große Bedeutung, da diese Schnittstellen ein mehr oder weniger hohes Korruptionsrisiko bergen. In Betracht kommen insoweit insbesondere die häufig bestehenden Verflechtungen mit der Politik, und daneben noch viel mehr die Verbindungen zur Privatwirtschaft. Korruption kann überall dort auftreten, wo eine Übervorteilung dazu führt, Leistungen zu erhalten, die der Empfänger anderenfalls nicht oder zumindest nicht in dieser Form erhalten hätte. Konkret wird dies immer am Beispiel von Vergaben öffentlicher Aufträge jeglicher Art und den hiermit verbundenen Auftragsausschreibungen. Solche Auftragsvergaben waren in der Vergangenheit immer wieder Gegenstand einer öffentlichen und medienwirksamen Diskussion rund um das Thema Korruption.

Wie können Öffentliche Hand und Öffentliche Unternehmen also diesem „Korruptionsrisiko“ begegnen? Welche Präventionsmaßnahmen sind geeignet? Dieser Beitrag gibt einen kurzen Einblick in die Maßnahmen zur Korruptionsprävention und soll die Komplexität des Themas verdeutlichen.

Bewusstsein schaffen und geeignete Maßnahmen ergreifen

Um wirksame Maßnahmen zur Korruptionsprävention in einem Unternehmen zu etablieren, ist viel Arbeit zu leisten. Zunächst ist ein grundlegendes Verständnis davon zu schaffen, welche Formen von Korruption existieren und wo, ganz individuell auf das eigene Unternehmen bezogen, Korruption überhaupt auftreten kann. Für eine umfassende Beantwortung dieser Fragen ist daher eine von der Unternehmensleitung verantwortete Risikoanalyse unumgänglich. Darin sind sämtliche Fachabteilungen einzubeziehen, in denen ein Korruptionsrisiko denkbar erscheint.

Auf die Risikoanalyse folgt die Analyse der im Unternehmen bereits bestehenden Maßnahmen, um den identifizierten Risiken gegenzusteuern. Diese Gegensteuerungsmaßnahmen werden auf ihre Wirksamkeit bewertet. Reichen diese nicht aus, um das Risiko auf das gewünschte Maß zu reduzieren, sind weitere Maßnahmen abzuwägen und gegebenenfalls zu implementieren.

So stehen beispielsweise an der Schnittstelle Öffentlicher Unternehmen zur Privatwirtschaft in der Regel die Einkaufsabteilungen, die für sich bereits eine Gegensteuerungsmaßnahme darstellen. Denn Einkaufsabteilungen sollen nicht zuletzt eine Trennung zwischen dem Bedarfsträger im Unternehmen und dem externen, potenziellen Dienstleister erzeugen und die objektive Wahl des am besten geeigneten Anbieters gewährleisten.

Risikoanalyse sowie Bewertung und Implementierung von Gegensteuerungsmaßnahmen sind Teil eines wesentlichen Prozesses im Risikomanagement, das darüber hinaus in der Regel eine wichtige weitere Wirkung erzielt: durch die Einbindung verschiedener Mitarbeiter in die Risikoidentifikation und die Analyse der Gegensteuerungsmaßnahmen wird zugleich ein Bewusstsein für die Relevanz der Korruptionsprävention und ihrer Bedeutung für das Unternehmen erzeugt. Denn hier wird auch deutlich, welchen insbesondere finanziellen Schaden sowie Reputationsschaden Korruption anrichten kann. Ein solches Bewusstsein ist – neben allen einschlägigen gesetzlichen und internen Regelungen – das wichtigste Element einer wirksamen Korruptionsprävention. Ein überzeugter Mitarbeiter ist intrinsisch motiviert, das Richtige zu tun, und dadurch weit weniger korruptionsanfällig.

Andererseits bedeutet dies aber nicht, dass mit einer sachgerechten Risikoanalyse bereits sämtliche Aufgaben der Korruptionsprävention erledigt seien. Der Großteil der Mitarbeiter wird in die Risikoanalyse gar nicht eingebunden sein und somit auch nicht erreicht. Zudem müssen Gegensteuerungsmaßnahmen im Zweifel erst geschaffen und auch gelebt werden. Richtlinien und Arbeitsanweisungen gehören hier genauso dazu wie wirksame Kontroll- und gegebenenfalls auch Sanktionsmöglichkeiten.

Mitarbeiter sensibilisieren

Eine adressatengerechte Kommunikation spielt eine weitere entscheidende Rolle. Schulungsangebote müssen inhaltlich und formell auf die jeweiligen Adressaten zugeschnitten werden. Sie müssen die richtigen Themen adressieren und so gestaltet sein, dass sie nicht allein zur lästigen Pflicht werden. Mitarbeitern muss zudem die Möglichkeit eröffnet sein, sich auch vertraulich oder gar anonym an Vertrauenspersonen wenden zu können, wenn sie Missstände offenbaren wollen. Zugleich muss deutlich herausgestellt werden, dass insoweit redliche Mitarbeiter keine „Nestbeschmutzer“ sind. Führungskräfte müssen in der regelmäßigen Kommunikation mit ihren Mitarbeitern die Bedeutung des Themas Korruptionsprävention immer wieder hervorheben. Dies bedeutet gelegentlich auch, althergebrachte Auffassungen zu revidieren und mit manch falschem Corps-Geist aufzuräumen. Und schließlich muss jedem Mitarbeiter bewusst sein, dass sämtliche im Unternehmen vorhandene Maßnahmen zur Korruptionsprävention von der Unternehmensleitung verantwortet, unbedingt gewollt und kompromisslos umgesetzt werden und wichtiger als – kurzfristiger – wirtschaftlicher Erfolg sind. Kurzum, Aufgabe der Führungskräfte ist es, im Unternehmen eine nachhaltige Anti-Korruptionskultur zu schaffen.

Fazit: Ziel ist die Schaffung einer Anti-Korruptionskultur

Eine nachhaltige Anti-Korruptionskultur im Unternehmen zu schaffen ist eine Aufgabe, die eine langfristige Strategie und einen langen Atem voraussetzt. Denn ein womöglich kultureller Wandel in einem Unternehmen ist nur in einem viele Jahre währenden Prozess zu erreichen. Einer durchdachten Kommunikationsstrategie kommt hier besondere Bedeutung zu. Jedem Mitarbeiter muss unmissverständlich klar sein, dass Korruption keinerlei Toleranz erfährt. Führungskräfte müssen dieses bedingungslose Verständnis vorleben. Zugleich sind auf der Basis einer fundierten Risikoanalyse angemessene und wirksame präventive und detektivische Gegensteuerungsmaßnahmen zu implementieren, regelmäßig erneut zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Schließlich sind Verstöße sachgerecht und transparent zu ahnden.


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