Corporate Finance

Chinesen auf Einkaufstour in Deutschland

Rainer Wilts Rainer Wilts

2015 hat der globale Markt für Unternehmenstransaktionen mit einem Volumen von fünf Billionen US-Dollar einen neuen Rekord erreicht. An dieser Entwicklung haben Akteure aus Asien einen großen Anteil. Insbesondere chinesische Investoren sind auf „Einkaufstour“ in Europa. Deutschland ist eines ihrer Lieblingsziele. Im vergangenen  Jahr standen einige Ziele im deutschen Maschinen- und Anlagenbau auf dem Einkaufszettel der Chinesen:

So hat zum Beispiel der chinesische Chemieriese ChemChina den deutschen Maschinenbauer Krauss Maffei für rund 500 Millionen Euro gekauft. Der chinesische Midea-Konzern hat seine Anteile an dem Roboterbauer Kuka auf knapp 95% aufgestockt. Die Shanghai Electric Group Company sicherte sich Anteile an Manz, einem Hightechmaschinenbauer, sowie der Broetje Automation, die Fertigungslinien für die Luftfahrt plant und produziert. Der Investor Fujian Grand Chip Investment hat für mindestens 60% der Anteile an Aixtron geboten; die Transaktion wurde allerdings wegen der Gefährdung von US-Sicherheitsrisiken untersagt.

Während zunächst staatseigene und staatsnahe Großunternehmen den Schritt nach Deutschland gewagt haben, investieren inzwischen vermehrt auch chinesische Mittelständler. Zudem ist festzustellen, dass die meisten Investitionen aus China nicht in Großunternehmen, sondern in kleinere und mittelgroße deutsche Unternehmen getätigt werden. Die Reform- und Öffnungspolitik Chinas machte das Land zum Motor der Weltwirtschaft. Durch ihre Akquisitionen verfolgen die Chinesen das Ziel, Technologien und Know-how zu erlangen und hochwertige Marken für neue Mittelklasse-Verbraucherschichten einzukaufen. Das Finanzierungsumfeld und erleichterte regulatorische Auflagen der chinesischen Behörden begünstigen diese Strategie.

Verständlicherweise stehen deutsche Unternehmen den Investitionsangeboten aus Fernost oftmals kritisch gegenüber. Sie befürchten, dass chinesische Unternehmen Technologien kopieren und anschließend die deutschen Standorte schließen. Die wachsende Erfahrung mit den Investoren aus dem Reich der Mitte und aktuelle Beispiele zeigen aber, dass die Befürchtungen übertrieben sind. So gewährt zum Beispiel der chinesische Investor Midea Kuka im Rahmen einer Investorenvereinbarung eine weitreichende Standort- und Arbeitsplatzgarantie bis zum Jahr 2023. Hinzu kommt, dass chinesische Unternehmen in der Regel einen längeren Anlagehorizont zugrunde legen und niedrigere Renditeerwartungen haben. So gelangen sie oftmals zu höheren Bewertungen der Kaufobjekte und machen attraktivere Angebote. Gleichzeitig bieten sich Chancen aus dem Innovationspotenzial chinesischer Unternehmen und einer engen Verflechtung von exportorientierten Unternehmen mit dem chinesischen Markt und dem chinesischen Verbraucher.

Praxishinweis

Der Kauf oder Verkauf von Geschäftsanteilen stellt gerade mittelständische Unternehmen vor große Herausforderungen. Sprechen Sie uns gerne an, falls Sie in ein Unternehmen investieren wollen oder ein anderes Unternehmen erwägt, bei Ihnen einzusteigen. Wir unterstützen Sie mit unserer Expertise während des ganzen Prozesses – auch international mit unserem globalen Grant Thornton Netzwerk sowie mit unserem China Desk.

Unser China Desk: gut aufgestellt bei Transaktionen mit und in Fernost

Unser interkulturelles China Desk-Team unterstützt deutsche Unternehmen im Reich der Mitte und chinesische Unternehmen in Deutschland. Unsere Stärken sind eine profunde Fachexpertise, ein hervorragendes Kulturverständnis und verhandlungssichere Sprachkenntnisse. Über die Einbindung in das weltweite Netzwerk Grant Thornton können wir eine optimale Betreuung vor Ort garantieren. Mit über 4.000 chinesischen Kollegen an 23 Standorten begleiten wir Ihr Engagement in China wie eine Investition im Inland. Gerne beraten wir Sie gemeinsam mit unseren chinesischen Kollegen vor Ort.