Compliance

Herausforderungen in unterschiedlichen Rechtsordnungen meistern

Christian Knake Christian Knake

Im Interview mit Dr. Patrick Vogt erfahren Sie, wie insbesondere international aufgestellte Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus auf die zunehmenden Compliance-Anforderungen reagieren sollten. Dr. Patrick Vogt ist Chief Compliance Officer bei der DMG MORI AKTIENGESELLSCHAFT in Bielefeld. In dieser Funktion verantwortet er das konzernweite Compliance-Management. Vor seiner Tätigkeit bei DMG MORI war er bei der SIEMENS AG beschäftigt.

Herr Dr. Vogt, Sie sind nun seit 2012 Chief Compliance Officer bei der DMG MORI AG. Das war eine Zeit großer Veränderungen für das Unternehmen. Beschreiben Sie doch mal Ihre Aufgabe bei DMG Mori im Zuge dieser Veränderungen.

Dr. Vogt: Seit dem Jahr 2009 haben wir die Kooperation mit unserem japanischen Partner DMG MORI kontinuierlich ausgebaut. In diesem Zusammenhang nahm zunächst die kartellrechtliche Compliance einen breiten Raum ein. Ab 2013 haben wir uns außerdem dem Ausbau unseres Compliance-Management-Systems gewidmet. Wichtige Aspekte waren dabei vor allem die zunehmende Internationalisierung und die wachsende Komplexität unseres Geschäfts.

Der Begriff „Compliance“ unterliegt ständigen Veränderungen. Hat Compliance an Bedeutung und Wahrnehmung zugenommen? Sehen Sie diese Entwicklung auch in Bezug auf mittelständische Unternehmen?

Dr. Vogt: Compliance hat in den letzten Jahren definitiv an Bedeutung und Wahrnehmung gewonnen. Sicherlich – ausgelöst durch den Siemens-Fall und das daraus resultierende Neubürger-Urteil – zunächst bei Großunternehmen. Zunehmend wird Compliance aber auch ganz klar zu einem Mittelstandsthema. Ein Grund dafür ist, dass Konzerne beim Thema Compliance die gesamte Supply Chain genau unter die Lupe nehmen und sehr konkrete Anforderungen an ihre mittelständischen Zulieferer stellen.

Wie wird sich der Bereich Compliance in den nächsten Jahren entwickeln?

Dr. Vogt: Die Bedeutung von Compliance wird weiter zunehmen. Dabei werden sich auch im Mittelstand zunehmend professionelle Compliance-Strukturen etablieren. Zudem wird Compliance noch mehr zu einem „Business Partner“ der operativen Einheiten. Das Thema wird zunehmend Bestandteil der operativen Prozesse und wird mit dem Thema Risikomanagement mehr und mehr zusammenwachsen.

Fast alle mittelständisch geprägten Unternehmen – insbesondere im Maschinenbau - sind heute „global Player“. Was raten Sie diesen beim Thema Compliance?

Dr. Vogt: Gerade international agierende Mittelständler stehen vor der Herausforderung, den komplexen Anforderungen in unterschiedlichsten Rechtsordnungen mit einem angemessenen Aufwand zu begegnen. Dies setzt im ersten Schritt eine sehr genaue Kenntnis der Risiken in den verschiedenen Regionen voraus. Auf dieser Basis lassen sich Maßnahmen zielgerichtet und risikoadäquat implementieren. Daneben muss es der Compliance Organisation gelingen, auch außerhalb der Zentrale als zuverlässiger Ansprechpartner wahrgenommen zu werden. Hierzu ist der persönliche Kontakt unerlässlich.

Welche besonderen Compliance-Risiken sehen Sie für den Maschinenbau?

Dr. Vogt: Diese Frage lässt sich leider nicht pauschal beantworten. Im Maschinenbau existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Geschäftsmodelle, die jeweils ganz spezifische Compliance Risiken bergen. Ein Beispiel: Ein Maschinenbauunternehmen, das im Vertrieb stark auf die Unterstützung externer Vertriebspartner angewiesen ist, hat in diesem Bereich sicherlich bedeutende Geschäftspartnerrisiken.

Wie hat sich DMG Mori aufgestellt? Wie ist die Compliance-Organisation bei DMG Mori ausgestaltet?

Dr. Vogt: DMG MORI ist mit eigenen Vertriebs- und Servicestandorten auf allen wichtigen Märkten weltweit vertreten. Diese internationale und dezentrale Unternehmensstruktur versuchen wir auch in unserer Compliance Organisation abzubilden. Wir haben die zentrale Compliance Abteilung sehr schlank gehalten: Statt von einer großen Abteilung wird die Compliance Arbeit von Ansprechpartnern vor Ort in den Regionen und Gesellschaften unterstützt. Diese sind nah am operativen Geschäft und mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut. Bei einer solchen Lösung ist jedoch sicherzustellen, dass eine hinreichende Unabhängigkeit der lokalen Compliance-Ansprechpartner gewährleistet ist.

Was raten Sie in diesem Zusammenhang dem mittelständischen Maschinenbauer? Wie können weniger große Unternehmen der Branche wirksam Compliance einführen?

Dr. Vogt: Genau diesen Ansatz würde ich auch weniger großen Unternehmen empfehlen. Hierdurch wird eine schlanke Compliance Organisationsstruktur gewährleistet.

DMG Mori ist ein Global Player. Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie bei Auslandsgeschäften? Wie vermindert DMG Mori beispielsweise Korruptions-, aber auch Exportkontrollrisiken?

Dr. Vogt: Sie sprechen es hier schon an. Die wesentlichen Risikofelder im Zusammenhang mit Auslandsgeschäften sind Korruptions- und Exportkontrollrisiken. Daher sind hier Maßnahmen sehr genau zu planen und zu implementieren. Dies umfasst für den Bereich Korruption etwa detaillierte Prozesse für Provisionszahlungen. Aber auch die Einladungs- und Geschenkekultur ist in vielen Regionen deutlich ausgeprägter, als wir es aus Westeuropa kennen. Daher sind hier ganz klare Regeln einzuführen, zu kommunizieren und zu überwachen. Zudem durchlaufen bei uns alle Lieferungen an Destinationen außerhalb der EU einen dezidierten Exportkontrollprozess.

Ein praktisches Beispiel: Wie sind Sie in Ländern wie Indien und China aufgestellt?

Dr. Vogt: In beiden Ländern verfügt DMG MORI über eigene Vertriebs- und Serviceniederlassungen, in China zusätzlich über ein Produktionswerk. Entsprechend haben wir für beide Regionen lokale Compliance- Ansprechpartner vor Ort.

Das CMS von DMG Mori wurde jüngst geprüft und ist nun zertifiziert. Halten Sie Zertifizierungen für sinnvoll, und wenn ja, warum?

Dr. Vogt: Das CMS von DMG MORI wurde gemäß IDW PS 980 geprüft und die Wirksamkeit wurde zertifiziert. Eine solche Zertifizierung ist insbesondere dann sinnvoll, wenn sie dazu genutzt wird, das CMS gezielt weiterzuentwickeln. So kann der unabhängige Blick auf das CMS von „außen“ durchaus noch mal den Blick für Risiken und entsprechende Maßnahmen schärfen. Darüber hinaus darf man den Aspekt der

zivil- und strafrechtlichen Verantwortung eines Unternehmens und seiner obersten Leitung im Fall von Compliance-Verstößen von Personen, die dieser Organisation zugerechnet werden, und den Schutz des Managements vor juristischen Sanktionen natürlich nicht vernachlässigen. Ein zertifiziertes CMS kann beim Nachweis, dass das Management seinen Sorgfaltspflichten nachgekommen ist, durchaus hilfreich sein.

Bitte wagen Sie einen Ausblick: Jüngste Entwicklungen wie bei VW haben nicht nur dazu geführt, dass Compliance durch die Schaffung einer Vorstandsposition aufgewertet wurde. Sie geben auch Anlass zu der Frage, welche Compliance-Bereiche in Zukunft Beachtung finden werden. Technische Compliance wie bei VW? Umsatzsteuerrisiken? Bitte geben Sie uns hierzu Ihre Einschätzung.

Dr. Vogt: Im Zuge der immer stärkeren Vernetzung und Digitalisierung (Stichwort „Industrie 4.0“) werden sicherlich die Themen Informationssicherheit und Datenschutz eine immer wichtigere Rolle einnehmen. Aufgrund aktueller gesetzgeberischer Entwicklungen sehe ich ebenfalls eine wachsende Bedeutung des Themas „Geldwäsche“ auch für Industrieunternehmen.

Über DMG Mori

DMG Mori: Die DMG MORI AKTIENGESELLSCHAFT, vormals GILDEMEISTER Aktiengesellschaft, ist ein weltweit bedeutender Hersteller von spanenden Werkzeugmaschinen mit weltweit rund 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das Angebot umfasst innovative Hightechmaschinen mit den Technologien Drehen, Fräsen, Advanced Technologies (Ultrasonic / Lasertec) und die ECOLINE-Produktlinie sowie die Produkte der Electronics und Systems. Die industriellen Dienstleistungen beinhalten vielfältige Services rund um den gesamten Lebenszyklus der Maschinen sowie den Bereich der Energy Solutions. Insgesamt 159 nationale und internationale Vertriebs- und Servicestandorte stehen unter der weltweiten Marke DMG MORI in direktem Kontakt zu den Kunden. Gemeinsam mit dem japanischen Kooperationspartner, der DMG MORI COMPANY LIMITED, ist das Unternehmen auf allen wichtigen Märkten weltweit präsent.