Übernahme eines Lagerhallenbetriebs

Bilanzierungsmöglichkeiten nutzen!

Stefan Sinne Stefan Sinne

Die Transport- und Logistikbranche befindet sich auf einem stetigen Wachstumskurs. In der Regel kann Wachstum nur durch eine Ausweitung der Geschäftstätigkeit erreicht werden, was nicht nur eine Umsatzsteigerung zur Folge hat. Dies bedeutet in der Logistik neben einem erhöhten Personalbestand insbesondere auch eine Steigerung des Anlage- und Umlaufvermögens.

Lagerbetriebsübernahmen kommen in diesem Zusammenhang in der Transport- und Logistikbranche regelmäßig vor. Ein Beispiel: Ihr Konkurrent betreibt ein großes Lager, wobei er nicht dessen Eigentümer ist. Der Eigentümer ist mit Ihrem Konkurrenten unzufrieden und möchte stattdessen mit Ihnen das Lager betreiben. Dazu müssen Sie von Ihrem Konkurrenten verschiedenste Betriebsmittel, wie Europaletten, Gitterboxen oder Transportbehälter, aus dem laufenden Lagerbetrieb übernehmen. Dadurch können sich schnell sechsstellige Eurobeträge ergeben, die sich auf Ihren Jahresabschluss und insbesondere die Ergebnissituation auswirken. Die handelsrechtliche und steuerliche Bilanzierung erfolgt dann in der Regel auch unter Beachtung unternehmerischer Aspekte, wie etwa Gewinnmaximierung, Kostenreduzierung, Belastung der Liquidität, Sicherstellung der Finanzierung oder im Hinblick auf Betriebsprüfungen. Es gibt unter Betrachtung des jeweiligen Einzelfalls diverse Möglichkeiten der Bilanzierung solcher Vorgänge, um Ihren unternehmerischen Planvorgaben gerecht zu werden. Einige dieser Möglichkeiten möchten wir Ihnen im Folgenden kurz vorstellen.

Während von Ihrem Konkurrenten übernommene Regalsysteme, Gabelstapler oder Förderbänder aktiviert werden, lässt gerade die bilanzielle Behandlung von geringwertiger Lagerausstattung wie etwa Paletten oder Gitterboxen verschiedenste Spielräume. Da der Einzelwert einer Palette oder Gitterbox in der Regel zu gering für eine Aktivierung ist, bleibt nur die ergebnisbelastende Verbuchung als Aufwand, wodurch bei entsprechend hohen Beträgen aus einem Jahresüberschuss schnell auch ein Jahresfehlbetrag entstehen kann. Vor dem Hintergrund von Gewinnmaximierung und Kostenreduzierung gibt es bei Erfüllung der Ansatzvoraussetzungen auch die Möglichkeit, einen sogenannten Festwert zu aktivieren. Hierbei können bestimmte Arten von Vermögensgegenständen zu einem Festwert zusammengefasst und mit einer Festmenge zu Festpreisen bewertet werden.

Dabei sind folgende wesentliche Voraussetzungen zu beachten:

  • keine wesentlichen Änderungen im Mengengerüst und/oder im Preis in den folgenden Geschäftsjahren,
  • anwendbar für Vermögensgegenstände des Sachanlagevermögens oder Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe,
  • regelmäßiger Ersatz der Vermögensgegenstände,
  • im Zeitablauf Ausgleich von Zugängen einerseits und planmäßigen Abschreibungen, Abgängen oder Verbrauch andererseits,
  • nachrangige Bedeutung des Gesamtwerts.

Die Vorteile eines Festwertverfahrens sind:

  • Erleichterung durch Ausnahme vom Grundsatz der Einzelbewertung,
  • die Nutzung eines Bilanzierungswahlrechts, das auch in der Steuerbilanz zulässig ist,
  • Vereinfachung der Bestandsaufnahme (in der Regel alle drei Jahre),
  • schließlich sind keine Bewegungen im Anlagengitter oder im Bestandsverzeichnis auszuweisen.

Für unseren Beispielfall der Übernahme eines laufenden Lagerbetriebs bedeutet das Festwertverfahren ein Wahlrecht, geringwertige Lagerausstattungen nicht notwendigerweise ergebnisbelastend verbuchen zu müssen. Insbesondere in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eröffnet dieses Vorgehen bilanzierenden Unternehmen somit die Möglichkeit, ihr Geschäft kostenbewusst und ohne geballte Ergebnisbelastung im Jahr der Lagerübernahme auszuweiten. Darüber hinaus müssen Ergebnisplanungen kurzfristig nicht angepasst und somit gegenüber den finanzierenden Banken keine Planabweichungen erläutert werden. Schließlich sollte es keine Probleme bei anstehenden Betriebsprüfungen geben.

Praxishinweis

Sollten Sie also in nächster Zeit zum Beispiel einen laufenden Lagerbetrieb übernehmen wollen, sprechen Sie uns gerne an. Unsere Experten stehen Ihnen auch bei sämtlichen Bilanzierungsfragen sowie bei steuerlichen, rechtlichen, IT-spezifischen oder sonstigen unternehmerischen Themen als kompetente Ansprechpartner jederzeit gerne zur Seite.