Wohnungsbau

„Die Stadt lebt von ihrer Heterogenität“

Stephan Johannes Maier Stephan Johannes Maier

Samir SidgiDie Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) hat als kommunales Wohnungsunternehmen der Landeshauptstadt Stuttgart den Auftrag, preis- und lebenswerten Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten zur Verfügung zu stellen. Vor dem Hintergrund der Wohnraumknappheit, kaum verfügbarer Flächen für den Wohnungsneubau, steigender Baukosten sowie der Unterbringung von Flüchtlingen erscheint diese Aufgabe nicht leicht. Wie sich die SWSG den Herausforderungen stellt, berichtet Samir Sidgi, Vorsitzender der Geschäftsführung der SWSG.

Herr Sidgi, Wie nehmen Sie die Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau in Stuttgart wahr? Chance oder Risiko?

Samir Sidgi: Der Wohnungsmarkt in Stuttgart ist angespannt. Stuttgart ist eine Schwarmstadt und daher das Ziel vieler Menschen, die eine wirtschaftlich starke und attraktive Metropolregion schätzen. Dieser Trend zur Urbanisierung verstärkt natürlich noch die besondere Situation, die Stuttgart kennzeichnet, wie etwa die topographisch schwierige Kessellage, die – anders als beispielsweise in München oder Frankfurt – kaum größere Entwicklungsflächen aufweist. Entwickelbare Grundstücke sind daher knapp und die Preise dafür hoch. Für uns ist das eine anspruchsvolle Herausforderung, auf die wir aber gut vorbereitet sind.

Trotz der eben dargestellten Situation haben Sie für die Jahre 2015 bis 2019 als Ziel den Baubeginn für rund 1.700 Mietwohnungen formuliert. Wie schafft die SWSG das?

Samir Sidgi: Natürlich bewegen wir uns in einem Spannungsfeld zwischen dem Ziel der Wohnraumversorgung breiter Bevölkerungsschichten sowie hohen Grundstücks- und Baukosten. Unsere Expertise in der Projektkonzeption und -entwicklung hilft uns dabei, geeignete Lösungen zu erarbeiten: Unsere Mitarbeiter haben das Know-how, dort Potenziale zu erkennen, wo sie vielleicht nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind.

Was bedeutet das konkret?

Samir Sidgi: Effizient und nachhaltig zu bauen gelingt uns nur, wenn wir im Vorfeld eine sinnvolle Grundstücksaktivierung unter optimalen städtebaulichen, wirtschaftlichen und planungsrechtlichen Aspekten erreichen. Schlüssel zum Erfolg ist dabei die Identifikation und Konfiguration des jeweiligen Baulandes. Dank unserer internen Strukturen können wir zudem schnell auf sich ergebende Chancen reagieren und auch alternative Ansätze entwickeln, um kostengünstig und gleichzeitig hochwertig zu bauen.

Muss die Politik mehr Fördermittel für den Wohnungsbau zur Verfügung stellen?

Samir Sidgi: Will man der Wohnungsknappheit begegnen, so ist die Politik genauso in der Pflicht wie die Wohnungswirtschaft. Es ist aber nicht angemessen, die Aktivitäten im Wohnungsbau als grundsätzlich „nur gut“ oder „nur schlecht“ zu beurteilen. Die Stadt  lebt von ihrer Heterogenität. Das umfasst sowohl kostengünstigen Wohnraum als auch andere Wohnelemente. Ich bin überzeugt davon, dass durchmischte Gebiete, lebenswerte Quartiere und damit eine bunte Stadtgesellschaft heute wichtiger denn je sind. Wir schauen uns daher jedes Quartier differenziert an und wirken auf eine ausgewogene Mischung hin. Es gilt sozialverträglich zu entwickeln und Gentrifizierung zu verhindern. Und genau das ist die Expertise der SWSG.

Inwiefern profitiert davon die Landeshauptstadt Stuttgart?

Samir Sidgi: Wir verstehen uns als wohnungswirtschaftliches Kompetenzzentrum für unseren Gesellschafter. Das bedeutet: Wir erarbeiten neben der erfolgreichen Umsetzung der Neubauziele auch als Beratungsorgan für viele übergeordnete Themen Lösungen und wirken an der positiven  Gestaltung der Stadt mit. Vor dem Hintergrund der sogenannten Smart City der Zukunft beschränken sich unsere Beiträge dabei nicht nur darauf Raum zu umbauen. Denken Sie an die vielen Fragen der Mobilitäts- und Energieinfrastrukturkonzepte und die Schnittstellen zur Immobilienwirtschaft oder an die Diskussion um die internationale Bauausstellung und deren Grundkonzeption.