Mit rund 1,1 Millionen neu zugelassenen Fahrzeugen bis Mai 2021 hat sich der PKW-Markt in Deutschland im Jahr 2021 zwar gegenüber dem Krisenjahr 2020 erholt (+13%), stagniert jedoch nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamt im Monatsvergleich und liegt mit rund -27% auch weiterhin deutlich unter den Neuzulassungen im Jahr 2019.

Trotz sinkender Inzidenzzahlen und erster Öffnungsschritte in der COVID-19 Pandemie dürfte das Jahr 2021 für den deutschen Automobilhandel damit weiterhin schwierig werden. Auch tragen gleich mehrere Faktoren dazu bei, dass die Prognoseunsicherheit weiterhin hoch bleibt. Durch die temporäre Mehrwertsteuersenkung um drei Prozentpunkte sind Fahrzeugkäufe von Kunden teils in die zweite Jahreshälfte 2020 vorgezogen worden, ohne dass hierfür ein Ausgleich zu erwarten ist. Im Bereich der Neuwagen kommen Produktions- und Lieferprobleme der Hersteller hinzu, hervorgerufen durch eine Bauteilverknappung und signifikante Preisanstiege, unter anderem bei Halbleitern bzw. Rohstoffen wie Stahl oder Kupfer. Dies dürfte sich unmittelbar auf die Zufriedenheit der Kunden mit dem Handel als erstem Ansprechpartner auswirken. Gleichzeitig sorgen die aktuellen Trends wie Digitalisierung, neue Mobilitätskonzepte und Elektromobilität in der Automobilindustrie durch hohe Innovations- und Investitionsbedarfe im traditionellen Automobilhandel für spürbare Herausforderungen. Schließlich dürfte das grundsätzlich zunehmende Interesse der Hersteller, bestimmte Wertschöpfungsstufen des Vertriebs sowie Kundendaten weiter zu internalisieren dazu führen, dass gewachsene, klassische Beziehungen auf die Probe gestellt werden.

Gleichzeitig bietet dieser Wandel aber auch Chancen. Kundendaten und Fahrzeuginformationen liegen überwiegend in der Hand der Händler. Förderprogramme für den Kauf von Elektroautos werden ungebremst stark in Anspruch genommen und locken Kunden in den Markt. Der Online-Handel im Gebrauchtwagenmarkt boomt und zieht weiter Investorenkapital an, wenngleich sich hier disruptive Marktteilnehmer wie zum Beispiel Auto1 oder Cinch einen Vorsprung erarbeitet haben. Dennoch bietet die Digitalisierung der Geschäftsmodelle auch traditionellen Händlern Chancen, etwa im Bereich eines schnelleren Fahrzeugumschlags. So hat unsere Analyse von über 100 mittelständischen Automobilhändlern in Deutschland  jedoch eine durchschnittliche Kapitalbindung von rund zwei Monaten im Working Capital (Cash Conversion Cycle) ergeben, die bereits erkennen lässt, dass schon bei Umsatzgrößen von über 50 Millionen Euro  eine Verbesserung des Umschlags von fünf bis zehn Tagen zu Liquiditätspotenzialen im niedrigen einstelligen Millionenbereich führen kann.

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Insgesamt jedoch dürfte der Konsolidierungstrend im deutschen Automobilhandel anhalten. Das Argument einer „größeren Masse“ dürfte dabei aber aufgrund des anhaltenden Margendrucks und der Disruption der Geschäftsmodelle erheblich an ökonomischer Bedeutung verlieren. Vielmehr wird es auf die Durchsetzung und die Nutzung von Alleinstellungsmerkmalen in Form stationärer Standortvorteile, innovativer Online-, Show Room- und Spezialisierungskonzepte ankommen.

Sprechen Sie gerne unseren Experten für weitere Informationen an.

 

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