Branche Automotive

Neudefinition der Umsatzerlöse: Jetzt richtig reagieren

Frank Schmid Frank Schmid

Am 23. Juli 2015 ist das Gesetz zur Umsetzung der Bilanzrichtlinie 2013/34/EU (Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz – BilRUG) in Kraft getreten. Aus dem BilRUG ergeben sich künftig wesentliche Auswirkungen auf den handelsrechtlichen Jahresabschluss. Die Regelung mit den wohl größten Auswirkungen in der Praxis ist die Neudefinition der Umsatzerlöse. Diese betrifft insbesondere Automobilzulieferer und hat in deren Gewinn- und Verlustrechnungen eine unter Umständen deutlich geänderte Struktur des Ertragsausweises und der Ertragskennzahlen zur Folge. Umsatzerlöse werden nach der künftig geltenden Definition aus

  • dem Verkauf von Produkten,
  • der Vermietung und Verpachtung von Produkten sowie
  • aus Dienstleistungen

generiert. Der ursprüngliche Bezug zum gewöhnlichen Geschäftsbetrieb findet sich in dieser Definition nicht wieder. Folgt man jedoch einer geschäftsmodellabhängigen Auslegung des Produkt-Begriffes beim Verkauf von Produkten, wird sich für den Lieferverkehr voraussichtlich keine wesentliche Änderung der Umsatzerlöse gegenüber dem HGB a.F. ergeben.

Mit materieller Auswirkung - und für die Automotive-Branche von besonderer Relevanz - ist der Wegfall des Bezugs der Umsatzdefinition bei Dienstleistungen, oder beispielsweise auch bei Lizenzerträgen, zum gewöhnlichen Geschäftsbetrieb.

Davon sind zwei wesentliche Sachverhalte in der Automobilzulieferindustrie betroffen, nämlich Erträge aus der Vergabe von Lizenzen zur Lizenzfertigung und Erträge aus Entwicklungskostenzuschüssen. Hiebei kommt es im Wesentlichen auf den Gegenleistungscharakter der entsprechenden Leistung oder Überlassung von Rechten oder Lizenzen an.

Ein klassisches Beispiel ist die Entwicklungsleistung, die ein Automobilzulieferer für ein neues Zulieferprodukt erbringt. Hierbei ist aufgrund der meist spezifischen Anforderungen des OEM und der regelmäßig exklusiven Vertragsbeziehung für diese Entwicklungsleistung bei den hierfür vom OEM gezahlten Zuschüssen von einer gegenseitigen Leistungsbeziehung auszugehen. Noch eindeutiger ist die Beziehung bei der Vergabe einer Lizenz für die Produktion eines Produktes oder Vorproduktes.

In beiden Fällen sind die hieraus erzielten Erlöse, nach neuer Gesetzesfassung als Umsatzerköse auszuweisen, während die alte Gesetzesfassung regelmäßig zu einem Ausweis unter den sonstigen betrieblichen Erträgen führte. Der geänderte Ausweis führt in entwicklungsintensiven Branchen zu teilweise deutlichen Verschiebungen in der Struktur der Gewinn- und Verlustrechnung, je nach Anwendung des Gesamtkosten- oder Umsatzkostenverfahrens mit unterschiedlichen Auswirkungen auf die Darstellung der Rohertragsmarge.  Hieraus ergeben sich Auswirkungen auf die externe und interne Berichterstattung, Prozesse und Kontrollen im Rechnungswesen, Vertragsgestaltungen mit Dienstleistungsempfängern (welche unter der alten Gesetzgebung nicht als solche identifiziert wurden) sowie auch unter Umständen die Vertragsgestaltungen mit Mitarbeitern.

Praxishinweis

Da die Neudefinition der Umsatzerlöse und die daraus resultierenden Änderungen unternehmensspezifisch unterschiedlich umfangreiche Auswirkungen haben können, ist eine frühzeitige Analyse des eventuellen Anpassungsbedarfs geboten. Grundsätzlich sind die Änderungen des BilRUG für alle Geschäftsjahre, die nach dem 31. Dezember 2015 beginnen anzuwenden. Faktisch ist dies bei kalendergleichem Geschäftsjahr der 31. Dezember 2016. Eine vorzeitige Anwendung der neuen Umsatzdefinition ist unter bestimmten Voraussetzungen bereits jetzt möglich.

Daher ist Handlungsbedarf gegeben. Wir unterstützen Sie bei allen Fragestellungen rund um die Umstellung auf das BilRUG! So bieten wir Workshops und Schulungen zur Umsetzung des Gesetzes und helfen Ihnen bei der Identifikation von relevanten Umstellungssachverhalten. Sprechen Sie unsere Branchenexperten an!

Checkliste zur Einführung des BilRUG:

  • Prozesse und Kontrollen zur Umsatzrealisierung
  • Bilanzierungsrichtlinien
  • Kontenrahmen
  • Nebenbücher (Op-Listen)
  • Berichtsformate (extern und intern)
  • interne Kennzahlendefinitionen/KPI’s
  • Dienstleistungsverträge
  • Covenants in Darlehensverträgen
  • Parameter erfolgsabhängiger Vergütung

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