Homeoffice

Wann entsteht eine lohnsteuerliche Betriebsstätte?

Der Beitrag wurde verfasst von Marco Schader, Partner am Standort Frankfurt am Main und von Sebastian Fuß, Senior Consultant am Standort Düsseldorf.

Schon vor Beginn der Corona-Pandemie hat das Homeoffice bei den Beschäftigten in den Unternehmen immer mehr an Bedeutung gewonnen. Die Corona-Krise und die damit verbundenen Lockdown-Maßnahmen haben dazu geführt, dass inzwischen immer mehr Arbeitnehmer von Zuhause arbeiten. Doch welche lohnsteuerlichen Konsequenzen hat die Homeoffice-Tätigkeit in Deutschland auf ausländische Arbeitgeber und Arbeitnehmer?

I. Arbeitgeber

Inländischer Arbeitgeber

Bei Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit wird die Einkommensteuer durch Abzug vom Arbeitslohn erhoben (Lohnsteuer), soweit der Arbeitslohn von einem Arbeitgeber gezahlt wird, der im Inland einen Wohnsitz, seinen gewöhnlichen Aufenthalt, seine Geschäftsleitung, seinen Sitz, eine Betriebsstätte oder einen ständigen Vertreter im Sinne der §§ 8 bis 13 der Abgabenordnung (AO) hat (inländischer Arbeitgeber). Folglich ist ein im Ausland ansässiger Arbeitgeber zum Lohnsteuerabzug nur verpflichtet, wenn er im Inland eine Betriebsstätte unterhält oder einen ständigen Vertreter hat).

Betriebsstätte / Ständiger Vertreter

Die Betriebsstätte ist jede feste Geschäftseinrichtung oder Anlage, die der Tätigkeit eines Unternehmens dient. Diese wird in § 12 der Abgabenordnung (AO) mit weiteren Aufzählungen von Betriebsstättenarten definiert.

Ein ständiger Vertreter im Sinne von § 13 AO hingegen kann auch ein im Inland ansässiger Arbeitnehmer sein, der bei einem ausländischen Arbeitgeber beschäftigt ist und für diesen die Aufträge einholt oder Verträge abschließt bzw. vermittelt. Das kann unter anderem schon ein Vertriebsmitarbeiter im Homeoffice sein, der mit Kunden Kontakte knüpft. Im Gegensatz zum abkommensrechtlichen Begriff des ständigen Vertreters ist nach nationalem Recht eine Abschlussvollmacht nicht Tatbestandsmerkmal. Entscheidend ist der Umfang der Tätigkeit sowie die Position des Arbeitnehmers im Homeoffice. Dies variiert je nach Arbeitnehmer und Unternehmen und sollte im Einzelfall geprüft werden.

Sofern die Voraussetzungen eines ständigen Vertreters durch die Homeoffice-Tätigkeit im Inland erfüllt sind, stellt der einzelne Arbeitnehmer - in lohnsteuerlicher Hinsicht - eine Betriebsstätte in Deutschland der ausländischen Gesellschaft dar. Der Arbeitgeber muss dann die oben genannten Arbeitgeberverpflichtungen, wie zum Beispiel den Lohnsteuereinbehalt, erfüllen. Zudem können sich ertragsteuerliche Folgen ergeben.

Insbesondere bei Geschäftsführern ist Vorsicht geboten, da auch eine Geschäftsleitungsbetriebsstätte im Inland begründet werden kann und dieser Vorgang lohn- aber auch ertragsteuerliche Konsequenzen in Deutschland auslösen kann.

II. Arbeitnehmer

Persönliche Einkommensteuerverpflichtung

Unabhängig von der Begründung der lohnsteuerlichen Betriebsstätte des Arbeitnehmers, können aus der Begründung des Wohnsitzes im Inland Verpflichtungen für den Arbeitnehmer resultieren. Er kann unbeschränkt einkommensteuerpflichtig werden und könnte demnach verpflichtet sein, eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Dies ist ebenfalls im Einzelfall zu prüfen.

Sozialversicherung

Ebenso ist die Sozialversicherungspflicht für den jeweiligen Arbeitnehmer in Deutschland zu prüfen. Grundsätzlich gilt hierbei das Tätigkeitsprinzip auch für die Arbeit im Homeoffice. Im Hinblick auf die Corona-Pandemie und die daraus folgende vorübergehende Tätigkeit im Home-Office sollte sich grundsätzlich nichts an der Sozialversicherungspflicht des Arbeitnehmers ändern. Darauf verweist der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in einem Rundschreiben vom 17. März 2020. Dennoch ist eine Prüfung des Einzelfalls empfehlenswert.

 

 

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