Vertriebsmodelle

Achtung bei einheitlichen Verrechnungspreisen

Thomas Untrieser Thomas Untrieser

In der herstellenden Industrie bestehen häufig Verrechnungspreissysteme zwischen einem zentralen Produzenten und dezentralen, internationalen Vertriebseinheiten, die mit einheitlichen Verrechnungspreisen auf Basis einer Zuschlagskalkulation arbeiten. Die Verrechnungspreisermittlung folgt dabei regelmäßig der internen Kalkulation anhand von Informationen des Controllings. Aufgrund der einheitlichen Verrechnungspreise einerseits sowie unterschiedlicher lokaler Marktpreisniveaus und Marktstrukturen, Marktpositionen und Verkaufsmengen andererseits erzielen die Vertriebseinheiten bei vergleichbarer Tätigkeit sehr unterschiedliche Ergebnisse. Vor- und Nachteile in einem Vertriebsgebiet gehen somit vollständig zu Gunsten bzw. zu Lasten der jeweiligen Vertriebseinheit. Aus steuerlicher Sicht stellt sich hier die Frage, ob die Vergütung der Vertriebsgesellschaften, wie auch des Produzenten, deren jeweiligen Funktions- und Risikoprofilen entspricht.

Üblicherweise besitzt und nutzt der Produzent in diesen Fällen die wesentlichen materiellen und immateriellen Werte (Maschinen und Anlagen, Schutzrechte, Technologie), trifft die für den Geschäftserfolg maßgeblichen Entscheidungen (Investitionen, Produktprogramm) und trägt die wesentlichen Risiken (Gewährleistung, Produkthaftung, Auslastung). Der Produzent ist daher als so genannter Entrepreneur anzusehen. Die Vertriebsgesellschaften im Ausland üben ihre Vertriebstätigkeiten mitunter zwar recht eigenständig aus, sind jedoch regelmäßig in die Absatzorganisation des Produzenten eingebunden und unterliegen dessen strategischen Entscheidungen. Sie haben im Vergleich ein geringeres Funktions- und Risikoprofil und werden eher als so genannte Routineunternehmen angesehen.

Aus Verrechnungspreissicht sollten die Vertriebseinheiten daher vergleichbare und idealerweise stabile, positive und eher geringe Gewinne erzielen. Dem Produzenten sollte der Residualgewinn bzw. -verlust der Wertschöpfungskette zufließen.

Daher werden insbesondere Fälle, in denen ausländische Vertriebsgesellschaften eines inländischen Produzenten (sehr) hohe Gewinne erzielen bzw. Fälle, in denen eine inländische Vertriebsgesellschaft eines ausländischen Produzenten sehr niedrige Gewinne oder gar Verluste erzielt, von der Betriebsprüfung aufgegriffen und kritisch hinterfragt. Zumeist erfolgt in diesen Fällen auch eine Korrektur der Einkünfte im Inland.

Quick Check

  • Erzielen einzelne Vertriebsgesellschaften EBIT-Margen größer 8% oder kleiner 3%?
  • Erleidet die deutsche Gesellschaft Verluste, während andere Konzerngesellschaften Gewinne erzielen bzw. erzielt sie dauerhaft Ergebnisse unter dem Konzerndurchschnitt?
  • Wird eine einheitliche Preisliste im Konzern eingesetzt?