Steuern

Unbedingt auf Änderungen in der Wertschöpfungskette achten!

Christoph Ludwig Christoph Ludwig

Deutsche Maschinen- und Anlagenbauer sind seit jeher führend in den Themen Innovation und Technologie. So ist es nicht überraschend, dass dieser Industriezweig auch bei der Digitalisierung seiner Produkte und Prozesse eine Vorreiterrolle einnimmt. Insbesondere die Steuerabteilungen international agierender Unternehmen sind hierbei mit neuen, komplexen Fragestellungen konfrontiert. Beispielsweise besteht im Bereich der Verrechnungspreise oftmals akuter Handlungsbedarf, da durch die Digitalisierung ganze Wertschöpfungsketten - zumindest aber die Wertschöpfungsanteile einzelner Unternehmen - nachhaltig verändert werden.

Ein oft zitiertes Beispiel ist die vorrausschauende Wartung (predictive maintenance) von Anlagen oder Maschinen. Noch vor wenigen Jahren war der lokale, laufende Kundenkontakt im Regelfall für ein effizientes Wartungs- und Ersatzteilgeschäft von herausragender Bedeutung. Heute ist ein Großteil der Neuanlagen bzw. Maschinen jedoch mit entsprechender Sensorik und Analysesoftware ausgestattet, die bei entsprechender Vernetzung oder periodischer Auslese, hinreichend genau Auskunft gibt, um Wartungsintervalle remote zu planen und erforderliche Ersatzteile bereitzuhalten. Die ehemals für den Unternehmenserfolg bedeutende lokale Serviceeinheit ist hierdurch nicht selten zu einem sogenannten Routineunternehmen, das relativ austauschbare und oftmals auch am Markt durch Dritte angebotene Leistungen erbringt, abgeschmolzen worden. Das zuvor verwendete Verrechnungspreissystem ist in diesen Fällen üblicherweise nicht länger geeignet und muss angepasst werden, um signifikante Verrechnungspreisrisiken zu vermeiden.

Ein anderes Beispiel sind augmented-reality Brillen oder hololenses. Bis vor kurzem wurden Wartungen und Reparaturen beinahe ausschließlich durch lokale mit der Anlage oder Maschine vertraute Experten durchgeführt. Mit der zunehmenden Komplexität der Produkte stiegen somit auch die Anforderungen an die lokalen Serviceeinheiten. Hololenses werden diesen Trend nun mit hoher Wahrscheinlichkeit umkehren. Remote arbeitende Experten werden in der Lage sein, in Echtzeit zu beurteilen, was der lokale Techniker sieht und diesem entsprechende Reparaturanweisungen zu geben. Spätestens hier stellt sich die Frage, ob der remote arbeitende Experte den lokalen Techniker unterstützt oder vielmehr der lokale Techniker eine Dienstleistung für den remote arbeitenden Experten erbringt.

Finanzierung nicht unterschätzen

Häufig unterschätzt wird die Frage der Finanzierung der mit der Digitalisierung einhergehenden Investments. Durch das zeitliche Auseinanderfallen von Investment und einem lediglich potenziellen zukünftigen Ertrag bestehen nicht unerhebliche Investitionsrisiken. Es ist daher frühzeitig zu überlegen, welche Unternehmenseinheit diese Risiken tragen und auch von einem erhofften Entwicklungserfolg profitieren soll. Dies sollte unbedingt bereits in die Finanzierungsentscheidung einfließen, um mögliche steuerliche Gestaltungspotenziale zu nutzen.

Zu allererst gilt es jedoch, prozessual sicherzustellen, dass die Steuerabteilung zeitnah über wesentliche operative Änderungen in den Wertschöpfungsketten (wie die zuvor aufgeführten) informiert ist, da unentdeckte und folglich nicht reflektierte Anpassungsbedarfe am Verrechnungspreissystem die unangenehme Eigenschaft haben, dass sich die verbundenen Verrechnungspreisrisiken bis zu ihrer Aufdeckung in einer Jahre später stattfindenden Betriebsprüfung multiplizieren.

Praxishinweis

Unsere Experten unterstützen Sie gerne bei der Abstimmung geeigneter Prozesse, dem periodischen Review Ihres Verrechnungspreissystems sowie bei einer möglichen Adaption an sich im Zeitablauf wandelnde Wertschöpfungsketten.