Branchen-Insight

Automobilindustrie im Umbruch

Franziska Finke Franziska Finke

Mit dem VW ID.3 kommt 2020 das erste komplett neu konstruierte Elektroauto von Volkswagen auf den Markt. Passend zum Start der Reservierung für das „Elektroauto für alle“ diskutierte VW-Strategiechef Michael Jost am 9. Mai 2019 in der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer zu Hagen mit etwa 200 Vertretern der dort ansässigen Automobilzulieferer den radikalen Strategiewechsel des Volkswagen-Konzerns.

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Von links: Ralf Stoffels (Präsident der Südwestfälischen IHK zu Hagen), Michael Jost (Leiter Konzern Strategie Produkt und Chief Strategy Officer Marke Volkswagen), Prof. Dr.-Ing. Andreas Nevoigt (Leiter Labor für Fahrwerkstechnik FH Südwestfalen), Thomas Plett (Mitglied der Geschäftsführung Sparte Automotive Otto Fuchs KG), Stefan Schmidt (Geschäftsführer Kunststoff-Institut Lüdenscheid), Dr. Stefan Guht (Geschäftsführer A. + E. Keller GmbH & Co. KG)

Volkswagen setzt sich CO2-Neutralität zum strategischen Ziel

Diskutiert wurde über die Zukunftsfähigkeit der Elektromobilität, wobei Michael Jost die Dringlichkeit der CO2-Neutralität der Automotive Branche und im Speziellen die Verantwortung des VW-Konzerns als größten Automobilhersteller Europas herausstellte. So strebt VW CO2-Neutralität für die bestehende Flotte bis 2050 an; SOP des letzten Verbrennungsmotors soll bereits im Jahr 2026 liegen. VW hat sich damit ambitionierte Ziele gesetzt – und verlangt auch der Zuliefererindustrie einiges ab. Die CO2-Neutralität des vollständigen Lifecycles eines Volkswagens – von der Produktion über den Verbrauch bis zum Recycling – wird auch die Produktion der Zulieferer vor Herausforderungen stellen. So sei es angedacht, auch von ihnen eine CO2-neutrale Produktion der zugelieferten Teile zu verlangen, um die CO2-Neutralität bereits auf Ebene des Vorprodukts gewährleisten zu können. Dies kann durch Innovationen im Produktionsprozess oder durch Kompensation der CO2-Emissionen in der Wertschöpfungskette erreicht werden. Damit macht der Volkswagen-Konzern die CO2-Neutralität nicht nur zum eigenen Projekt, sondern auch zur Strategie seiner Zulieferer.

Veränderungen für das gesamte Fahrzeugdesign

Michael Jost betont, dass das Commitment für den Klimaschutz in der Gesellschaft verankert werden muss und entkräftet die gängigen Argumente der Skeptiker der Elektromobilität. Ökobilanz der Batterieproduktion, Reichweite und Energiemanagement sind nur einige Aspekte, die Herr Jost in seinem Vortrag diskutierte. Das E-Auto klingt nach dem VW-Strategiechef unausweichlich, was die Analyse der Auswirkungen dieses Wandels für die Zuliefererbranche ebenfalls immens wichtig macht. Die MEB-Plattform (Modularer Elektrifizierungsbaukasten), die VW als Industriestandard etablieren und daher auch für die Konkurrenz öffnen will, setzt den Fokus klar auf die Batterie – was Innenraum und Design des Fahrzeugs signifikant verändert. Größerer Radabstand, mehr Platz im Innenraum und ein verändertes Innenraum-Design sowie eine stärkere Notwendigkeit zur Leichtbauweise und zur verbesserten Akustik der Fahrzeugkomponenten stellen nur einige der Entwicklungen dar, die das Elektroauto für die zugelieferten Fahrzeugkomponenten mit sich bringt.

Zitat

„Es geht nicht um die Erfüllung von irgendwelchen Gesetzen aus Brüssel – es geht um den Beitrag von Volkswagen zum 2%-Ziel für die Erderwärmung der Pariser Klimakonferenz.“ (Michael Jost, Leiter Konzern Strategie Produkt und Chief Strategy Officer Marke Volkswagen)

Die anschließende Podiumsdiskussion in der IHK Südwestfalen, an der neben Herrn Jost Automobilzulieferer der Region aus verschiedenen Produktbereichen teilnahmen, verlief insgesamt recht friedfertig ab. In der Region sind 530 Automotive-Zuliefererunternehmen ansässig, auf die mit dem Wandel in der Automotive Industrie gravierende Änderungen zukommen. Elektrifizierung, Digitalisierung und Fachkräftemangel machen eine Neuausrichtung der Branche erforderlich. Hinzu kommt die Unsicherheit über den strategischen Kurs der OEM, die die Automobilzuliefererindustrie derzeit verspürt und die durch eingeschränkte Informationsweitergabe der OEM und Tier One Zulieferer verstärkt wird.

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