Aufsichtsräte - auf die Mischung kommt es an

"Auch bei Aufsichtsräten kommt es auf die richtige Mischung an. Es gilt, für alle Belange des Unternehmens die richtigen Persönlichkeiten zu finden," so lautete das Fazit von Dr. Jens Odewald auf dem Aachener Unternehmerfrühstück am 03. Februar 2012.

Aufsichts- und Beiräte in Unternehmen

Mit dem ehemaligen Kaufhof-Chef erörterte einer der prominentesten deutschen Wirtschaftsmanager ein aktuelles Thema: "Aufsichts- und Beiräte - Kontrolle über die Unternehmensführung?" Hintergrund: Für Aufsichtsräte und Beiräte wird es immer schwieriger, den Durchblick zu behalten. Verschärfte gesetzliche Rahmenbedingungen, ständig wechselnde Rechtsprechung und nicht zuletzt die aktuelle Finanzkrise stellen erhöhte Anforderungen an die Arbeit der Kontrollorgane. Und das längst nicht nur bei den DAX-Unternehmen. Auch im Mittelstand müssen sich Aufsichtsräte und Beiräte heute mit überaus komplexen Themen befassen, die eine Professionalisierung der Aufgabe erforderlich machen. Gefragt sind zunehmend Aufseherpersönlichkeiten, die eine aktive Rolle in der strategischen Entwicklung des Unternehmens einnehmen. Dabei kommt es nicht nur darauf an, die Situation des Unternehmens anhand kaufmännischer Daten zu erfassen. Entscheidend ist vielmehr ein Verständnis für Strategien und Prozesse.

Vor rund 40 Teilnehmern im Hotel Quellenhof zeigte Dr. Odewald anhand zahlreicher praktischer Beispiele aus seiner Karriere auf, worauf es bei der Besetzung und der Tätigkeit von Aufsichtsräten ankommt. Odewald, der als Aufsichtsratsvorsitzender und Mitglied des Aufsichtsrates unter anderem die Geschicke der Tchibo Holding AG und der Bankgesellschaft Berlin beeinflusst hatte, schlug dabei eine Brücke von der damaligen Treuhandanstalt über Private-Equity Häuser bis hin zu mittelständischen Unternehmen.

Seine Botschaft lautete: Der Aufsichtsrat ist nicht nur Kontrollinstrument, ihm kommt vielmehr die Aufgabe zu, richtig zu beraten, um die Schwächen des Unternehmens auszugleichen. Entscheidend sei, dass das Unternehmen seine Schwachstellen kritisch durchleuchtet und dann die Persönlichkeiten findet, die adäquat beraten können. Je nach Größe und Branchenausrichtung sollte der Aufsichtsrat nicht zu klein besetzt sein. Entscheidend sei in jedem Falle, Fachleute zu finden, die alle Belange des Unternehmens abdecken. Hier sei die richtige Mischung entscheidend. Dies gelte auch für kleine und mittelständische Unternehmen. Speziell für den Mittelstand und Familienunternehmen komme es darauf an, Kritik aushalten zu können und dem Aufsichtsrat ausreichend Raum für die Entfaltung seiner Beratungstätigkeit zu geben.

Abschließendes Resümee von Dr. Odewald: "Mit Rückblick auf meine Karriere empfinde ich die Tätigkeit als Aufsichtsrat nach wie vor als spannende Aufgabenstellung - trotz steigender Komplexität und der damit verbundenen Risiken."